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Deutsche Olympia-Träume wieder geplatzt

25.02.2021 19:29
Brisbane wohl Favorit auf die Sommerspiele 2032
© AFP/SID/CHARLY TRIBALLEAU
Brisbane wohl Favorit auf die Sommerspiele 2032

Die Träume der Rhein-Ruhr-Initiative sind geplatzt. Brisbane ist der Favorit des IOC für die Sommerspiele 2032. Für die Zukunft von Olympia in Deutschland ist das ein herber Rückschlag.

Olympia 2032 an Rhein und Ruhr - das hatten sich NRW-Landesvater Armin Laschet und Initiator Michael Mronz so sehr gewünscht. Doch sie wurden vom IOC und Präsident Thomas Bach offenbar überrumpelt.

Schon 2021 und nicht erst in vier Jahren wollte das Internationale Olympische Komitee in Corona-Zeiten einen belastbaren Kandidaten präsentieren und fand ihn im australischen Brisbane. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Initiative Rhein-Ruhr wurden von dieser Tempoverschärfung des Ringeordens kalt erwischt. Das Thema "Olympia auf deutschem Boden" ist damit auf Jahre, vermutlich sogar Jahrzehnte, erledigt.

Nach "sehr intensiven Diskussionen" verkündete Bach am Mittwochabend, dass eine Evaluierungskommission der Exekutive zielgerichtete Gespräche mit Brisbane hinsichtlich der Sommerspiele in elf Jahren empfohlen habe. Die Kommissionsvorsitzende Kristin Kloster Aasen aus Norwegen erklärte, bezüglich der Rhein-Ruhr-Initiative habe der für die Bewerbung zuständige DOSB Anfang des Jahres bestätigt, dass er "nicht Teil der weiteren Dialogphase sein wird."

Für Hörmann wäre dies auf die Schnelle nicht möglich gewesen. Die rasche Einscheidung für Brisbane komme nun "zeitlich überraschend", sagte der DOSB-Präsident, sei aber "vor dem Hintergrund der Pandemie nachvollziehbar." Dagmar Freitag, Sportausschuss-Vorsitzende im Bundestag, ließ das Virus als Argument jedoch nicht gelten. "Was genau die aktuell schwierige Lage aufgrund der Pandemie mit Planungssicherheit für eine Veranstaltung im Jahr 2032 zu tun hat, erschließt sich mir nicht wirklich", sagte die SPD-Politikerin dem "SID".

Freitag spricht von "mangelnder internationaler Vernetzung des DOSB"

Freitag fügte an: "Und sollte der DOSB wirklich - wie von Präsident Hörmann angedeutet - von der frühen Entscheidung des IOC überrascht gewesen sein, ist das für mich ein erneuter Beleg für die mangelnde internationale Vernetzung des DOSB."

Auch Max Hartung zeigte sich verwundert. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man überrumpelt wurde", sagte der Präsident des Vereins Athleten Deutschland den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Es muss doch einen abgestimmten Fahrplan gegeben haben. Es ist schon sehr verwunderlich, dass es nicht gelungen ist, sich darauf zu verständigen."

Das IOC wollte nach der coronabedingten Verschiebung von Tokio um ein Jahr für künftige Spiele schnellstmöglich eine sichere Lösung. Und die konnte aktuell nur Brisbane bieten. Die Australier hatten ihre Bemühungen in der Coronakrise fortgesetzt und alle Parteien ins Boot geholt. Die Rückendeckung ist also vorhanden, auch 85 Prozent der Infrastruktur. Es gilt daher als sicher, dass Brisbane auf der nächsten IOC-Vollversammlung als Ausrichter verkündet wird.

Da der DOSB von einer späteren Entscheidung ausging und wichtige Teile des Rhein-Ruhr-Konzepts noch zu klären waren, musste der Dachverband passen. "Es wäre nicht seriös gewesen, vorschnell in den Entwicklungsdialog mit dem IOC einzutreten. Weder sind alle Einzelheiten des Konzeptes abschließend geklärt noch liegen die erforderlichen Finanzzusagen und die notwendigen Bürgervoten vor", sagte Hörmann, der der Initiative jedoch bescheinigte, "gut und sehr engagiert gearbeitet" zu haben.

Nächster harter Rückschlag für deutsche Olympia-Bewegung

Auch Rhein-Ruhr-Chef Mronz sprach von einem "überraschenden Schritt des IOC, kurzfristig mit den offiziellen Verhandlungen mit einem von mehreren potenziellen Bewerbern zu beginnen." Weiter betonte er, das Projekt "als Privatinitiative" aufrechterhalten zu wollen. Da die Festlegung des IOC auf Brisbane aber de facto das Aus für Rhein-Ruhr 2032 bedeutet, dürfte interessant werden, welche konkreten Schlüsse Mronz und Laschet daraus ziehen. Am Freitag wollen beide vor die Presse treten.

Grundsätzlich ist das Scheitern von Rhein-Ruhr der nächste harte Rückschlag für die deutsche Olympia-Bewegung. Nach den Sommerspielen 1972 in München bemühten sich Berchtesgaden, Berlin, Leipzig, München und Hamburg um Winter- oder Sommerspiele. Oft kam es - wie auch mit Rhein-Ruhr - gar nicht erst zu einer offiziellen Bewerbung.

Zuletzt scheiterte Hamburg für 2024 an einem Bürgerentscheid, als letzter offizieller Kandidat für Sommerspiele schied Leipzig für 2012 schon in der Vorauswahl aus. München hatte sich vergeblich um die Winterspiele 2018 beworben.

Die Perspektive nach 2032 gestaltet sich nun ebenfalls düster. 2036 dürfte kaum infrage kommen. Berlin gilt als einzige Möglichkeit, doch der Widerstand in der finanziell gebeutelten Stadt ist groß. Und bis 2040 denken in Zeiten von Corona wohl die Wenigsten.