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Bundesliga-Schiedsrichter unfreiwillig im Fokus

Stieler nach Blitz-Rot am Pranger: "Selbstmord am Fußball"

25.02.2021 10:47
Tobias Stieler rückte in Bergamo unfreiwillig in den Fokus
© CB via www.imago-images.de
Tobias Stieler rückte in Bergamo unfreiwillig in den Fokus

Heftiger Gegenwind für Schiedsrichter Tobias Stieler: Nachdem der Unparteiische in der Champions-League-Partie zwischen Atalanta Bergamo und Real Madrid bereits nach 17 Minuten die Rote Karte zückte, wurde ihm vom Trainer der betroffenen Mannschaft ein Berufswechsel nahegelegt.

Die Champions-League-Hoffnungen von Atalanta Bergamo bekamen im Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid schon nach 17 Minuten einen herben Dämpfer verpasst. Was war passiert? Nachdem Reals Ferland Mendy den Ball kurz vor dem Strafraum am Schweizer Mittelfeldspieler Remo Freuler vorbeilegte, kam es zwischen den beiden zur Berührung. Schiedsrichter Stieler wertete das ungeschickte Einsteigen von Freuler als Verhinderung einer klaren Torchance und zückte glatt Rot.

Ex-Schiri Urs Meier bestätigte die Entscheidung des Deutschen in der Halbzeitpause und sagte im Schweizer Fernsehen: "Mendy legt den Ball ganz clever in den Sechzehner, damit Freuler mit dem langen Bein nicht hinkommt. Das Schweizer Herz mag da bluten – aber der Schiri hat keine andere Wahl. Er verhindert eine klare Torchance."

"Das ist Selbstmord am Fußball"

Bergamo-Coach Gian Piero Gasperini sah die Situation völlig anders. Für ihn war der Platzverweis, der seine Mannschaft für rund 70 Minuten in die Defensive zwang, eine glasklare Fehlentscheidung. "Das ist Selbstmord am Fußball. Aber ich sage nichts weiter dazu, sonst schmeißt mich die Uefa für zwei Monate raus", wütete der Coach gegenüber "Sky Italia" nach dem Abpfiff. 

"Es sollte keine Schiedsrichter geben, die nicht selbst gespielt haben und nicht den Unterschied zwischen einem Tackling und einem Foul erkennen. Wenn sie das nicht können, sollten sie einen anderen Beruf ausüben. Es ist keine Raketenwissenschaft und man muss kein Nasa-Ingenieur sein, um das zu verstehen", nahm sich Gasperini den erfahrenen Bundesliga-Schiedsrichter zur Brust. 

Auch die italienischen Zeitungen sahen eine überzogene Rote Karte, zumal Mendy nicht auf direktem Weg zum Tor und neben Freuler noch ein weiterer Verteidiger zur Stelle war. "Ein falsches Rot verändert das Spiel", schrieb etwa die "Gazzetta dello Sport". Der "Corriere dello Sport" sah eine "absurde Herausstellung" und titelte: "Mendy und der Schiedsrichter verurteilen Atalanta". Die Turiner Tageszeitung "La Stampa" urteilte: "Real siegt mithilfe des Schiedsrichters. Der mittelmäßige deutsche Referee Stieler hat das Match ruiniert."

"La Repubblica" kommentierte unterdessen: "Stieler zerstört einen Traum. Ein derartiges Verhalten hätte vor der Videobeweis-Epoche noch erduldet werden können, jetzt nicht mehr." 

Videoassistent Bastian Dankert hatte sich nach dem Platzverweis nicht eingeschaltet. Trotz langer Überzahl sorgte aber erst in der 86. Minute Mendy für Reals Erlösung und eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am 16. März in Spanien.

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