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Erneut keine Bundesliga-Rückkehr?

Das schockierende Déjà-vu des HSV

24.02.2021 06:57

Im dritten Anlauf soll die Mission Wiederaufstieg dem Hamburger SV endlich gelingen. Doch die Rothosen haben in der 2. Bundesliga ihren Vorsprung auf die Verfolger verspielt. Beim HSV werden böse Erinnerungen wach.

Rückblick I: In der ersten Zweitliga-Spielzeit der Klubgeschichte gilt der HSV als klarer Aufstiegsaspirant, steht nach der Hinrunde sogar auf Platz eins. Durch eine unterirdische zweite Saisonhälfte mit nur 19 Punkten steht bereits am vorletzten Spieltag fest, dass das Saisonziel nicht erreicht wird.

Rückblick II: Auch in 2019/2020 liegt der HSV bis zum 31. Spieltag auf einem Aufstiegsrang. Doch im Endspurt zeigen die Rothosen Nerven, holen in den letzten drei Spielen nur einen Punkt. Der geplante Aufstieg misslingt erneut.

Die Gegenwart: Vieles deutet derzeit auf einen neuerlichen Einbruch in der entscheidenden Phase hin. In den letzten drei Pflichtspielen konnte der HSV nur drei Punkte holen. In der Rückrundentabelle stehen die Hanseaten sogar mit gerade einmal sechs Punkten aus fünf Partien auf Platz neun.

Die peinliche Pleite bei Schlusslicht Würzburger Kickers (2:3) am vergangenen Wochenende ist der vorläufige Tiefpunkt der Saison.

"Wir waren nicht richtig im Spiel und haben die nötige Einstellung etwas vermissen lassen", bilanzierte Kapitän Tim Leibold folgerichtig: "Im Endeffekt war es heute einfach viel zu wenig von uns, einfach ein schlechter Auftritt."

Auch Trainer Daniel Thioune haderte mit der Leistung seiner Mannschaft: "Wir haben über weite Strecken der Partie nicht zu unserem Spiel gefunden, hatten nicht das nötige Tempo in unseren Aktionen, waren zu statisch und waren nicht klar genug, um uns Torchancen zu erspielen."

Dem HSV fehlt die Stabilität

In der Tat fehlt es dem HSV zumindest in diesem Jahr an Stabilität, wodurch sich immer wieder Unsicherheiten einschleichen.

So ist zum Beispiel Neuzugang Sven Ulreich im Tor nicht der erhoffte Leistungsträger und Anführer, als der er vom FC Bayern verpflichtet wurde. Zusätzliche Unruhe im Umfeld des Vereins dürfte durch die von "Bild" aufgeworfene Torwart-Frage entstehen.

Auch die Innenverteidigung der Hamburger wirkt alles andere als stabil, der verletzungsbedingte Ausfall von Abwehrchef Toni Leistner wiegt schwer. Mit insgesamt 28 Gegentoren stellt der HSV die schlechteste Defensive aller Top-Vier-Teams.

Gefährliche Abhängigkeit von Terodde

Damit nicht genug, auch der Angriffsmotor des HSV geriet zuletzt ein wenig ins Stocken. Nach den ersten fünf Spieltagen hatten die Rothosen bereits 13 Tore auf dem Konto. Nach fünf Partien der Rückrunde stehen acht zu Buche.

Besonders auffällig: Die zahlreichen Treffer der eigentlichen Tormaschine Simon Terodde fehlten zuletzt. In den jüngsten sieben Partien erzielte der 32-Jährige "nur" drei Treffer. Eine Ausbeute, die angesichts seiner 19 Saisontreffer sicher ausbaufähig ist.

Einen ähnlich gefährlichen Schützen hat der HSV nicht in seinen Reihen. Sonny Kittel (5 Tore), Bakery Jatta (4 Tore) und David Kinsombi (4 Tore) kommen nicht einmal annähernd an die Quote von Terodde heran. Diese Abhängigkeit birgt gerade im Saisonendspurt eine große Gefahr. Eine Verletzung oder ein anhaltendes Formtief des Stürmers würde bei HSV-Anhängern und -Verantwortlichen wohl für Schweißausbrüche sorgen.

Rücktritt des Präsidiums sorgt für zusätzlichen Zündstoff beim HSV

Die sportliche Misere der letzten Wochen spiegelt sich derweil abseits des Rasen wieder. So sorgt längst ein Machtkampf für Wirbel, auf den der HSV wohl nur zu gerne verzichten würde.

Der Rücktritt des Präsidiums um Präsident Marcell Jansen, Vize Thomas Schulz und Schatzmeister Moritz Schäfer kommt zu einem äußert ungünstigem Zeitpunkt, in dem die Hamburger ihre volle Konzentration eigentlich darauf legen sollten, die sportliche Talfahrt zu stoppen und mit gebündelten Kräften in Richtung Aufstieg zu gehen.

Sowohl auf als auch neben dem Platz stehen dem HSV daher wegweisende Wochen bevor. Und während der Traditionsklub auf der Suche nach einer neuen Vereinsführung ist, blickt das Thioune-Team drei Topspielen entgegen.

Am Montag tritt der HSV im Stadtderby beim FC St. Pauli an, danach empfängt der Nordklub Holstein Kiel und gastiert beim VfL Bochum. Will der HSV den Aufstieg nicht ein drittes Mal verspielen, muss er sich schleunigst aus der Negativspirale befreien. Ansonsten droht ein erneutes Déjà-vu.

Lissy Beckonert

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