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Kein geeigneter Ersatz in Sicht

Wieso Müllers Ausfall den FC Bayern so hart trifft

23.02.2021 15:20

Thomas Müller ist für den FC Bayern unverzichtbar. Wie unverzichtbar, belegen die Top-Werte des Offensivspielers genauso wie die jüngsten Auftritte des Klub-Weltmeisters in der Bundesliga. Für das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Lazio Rom hat Cheftrainer Hansi Flick zwar einige Optionen, wirklich aufzufangen ist der Ausfall von Müller jedoch nicht.

Sextuple-Trainer Hansi Flick lässt sich nicht gerne in die Karten schauen, wenn es um mögliche Aufstellungen geht. Eine Gewissheit gibt es jedoch beim FC Bayern unter Flick nicht erst seit dieser Saison: Thomas Müller spielt. Immer.

Der 100-fache Nationalspieler war als einziger Bayern-Star 2020/2021 in jedem Pflichtspiel dabei, ehe ihn eine Corona-Infektion kurz vor dem Finale der Klub-WM bremste. Nur einmal stand er nicht in der Startelf, beim unwichtigen zweiten Gruppenspiel in der Königsklasse gegen Atlético Madrid. Flick brachte den 31-Jährigen im zweiten Durchgang und sah, wie dieser per Elfmeter noch den späten Treffer zum 1:1-Ausgleich erzielte. 

Die Zahlen zeigen seinen Wert noch etwas genauer: In 20 Liga-Spielen legte er 21 Scorer-Punkte hin, seine elf Vorlagen sind Bestwert im deutschen Oberhaus. Zusammen mit Joshua Kimmich ist er teamintern auch der beste Assistgeber in der Champions League.

Damit nicht genug: Niemand läuft beim deutschen Rekordmeister pro Liga-Spiel mehr als Müller (11,28 km). Zudem zählt er zu den effektivsten Angreifern, für seine zehn Saisontore benötigte er lediglich 32 Versuche. Damit liegt er auf einer Stufe mit Robert Lewandowski und Erling Haaland, den besten Torjägern der Liga.

Müller für FC Bayern nicht nur als Scorer wichtig

Auffällig, im positiven Sinn, wird Müller aber nicht nur, wenn er den Ball in Richtung gegnerisches Gehäuse befördert. Das Münchner Urgestein geht als Antreiber voran, gibt gerade den jungen Kollegen in der Mannschaft Anweisungen und Ratschläge. 

Nicht selten findet Müller zudem erst über seine kämpferische Einstellung ins Spiel, wie etwa im Halbfinale der Klub-WM gegen Al-Ahly (2:0, sport.de-Note 3,5), als er die gegnerischen Reihen konsequent im Pressing anging. Spielerisch wusste er zuletzt vor allem gegen Hoffenheim (4:1, sport.de-Note 2,5) und Schalke 04 (4:0, sport.de-Note 1,5) zu überzeugen.

Bayerns hängende Spitze sorgte in jenen Partien immer wieder für Überzahlsituationen und betrieb bei der Balleroberung enormen Aufwand. Die Belohnung: vier Tore in den letzten fünf Liga-Spielen. Gegen Hertha (1:0, sport.de-Note 3,5) verpufften Müllers Stärken allerdings, als er sich immer wieder an die Seite von Joshua Kimmich fallen und eine zu große Lücke zur vordersten Reihe offen ließ.

Müller-Ersatz fällt durch

Jene Lücken waren beim Münchner Erfolgsteam auch in den letzten Spielen gegen Arminia Bielefeld (3:3) und Eintracht Frankfurt (1:2) klar ersichtlich. Hansi Flick hielt an seinem 4-2-3-1-System fest und beorderte den noch offensiver denkenden Eric Maxim Choupo-Moting auf die Position von Thomas Müller - der Plan ging schief.

Der im Sommer von PSG als Backup verpflichtete Stürmer fiel in beiden Vergleichen durch, zu wenige Ideen gingen vom 31-Jährigen aus. Als der gebürtige Hamburger mal die Chance zum Abschluss bekam, entstand keinerlei Gefahr. Zudem ließ er die so wichtige Arbeit nach hinten vermissen. Für einen Startelfeinsatz in der Champions League gegen Lazio Rom (21:00 Uhr im Live-Ticker) hat er sich keineswegs empfohlen.

Genauso wenig Eigenwerbung betrieb aber auch Bayerns "Kronprinz" Jamal Musiala. Der hochgelobte offensive Mittelfeldspieler wäre vor wenigen Wochen noch der logische Ersatz gewesen. "Normal ist Musiala immer eine Option", so Cheftrainer Flick auf der jüngsten Presserunde, der einen Einsatz von Musiala in Rom zumindest nicht ausschließen wollte. 

Flick bekannte jedoch, dass es "immer mal Höhen und Tiefen" beim jungen Deutsch-Engländer gibt, der am 26. Februar seinen 18. Geburtstag feiert. Eine Wunschlösung ist Musiala daher derzeit wohl nicht.

Es gibt keinen Ersatz für Müller beim FC Bayern

Da auch Serge Gnabry, der sich im Finale der Klub-WM als Müller-Ersatz probierte, verletzungsbedingt fehlt, könnte es möglicherweise auf Leon Goretzka ankommen, die Lücke zu schließen und von der Achter- oder gar Zehner-Position aus für Torgefahr sorgen.

Goretzka könnte, sollte neben Joshua Kimmich erneut Marc Roca im defensiven Mittelfeld auflaufen, in dieser Rolle helfen, die zuletzt fehlende Abstimmung zwischen Defensive und Offensive wieder herzustellen. Zwar stellte er schon mehrfach unter Beweis, dass er auch im Angriff die nötigen Akzente setzen kann. So torgefährlich wie Müller ist der 26-Jährige aber bei Weitem noch nicht.

Bis Thomas Müller zurückkehrt, womöglich erst im Spiel gegen den BVB am 6. März, steht fest: Einen richtigen Ersatz gibt es beim FC Bayern nicht. Auch das ist wohl eine, bittere, Gewissheit.

Gerrit Kleiböhmer

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