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Vettel und Hamilton mittendrin

Pulverfass Formel 1: Die Brandherde der Königsklasse

23.02.2021 08:05
In der Formel 1 gibt es 2021 einige potenzielle Brandherde
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In der Formel 1 gibt es 2021 einige potenzielle Brandherde

Neue Kräfteverhältnisse in der Formel 1 erwarten die meisten Teams, Fahrer, Experten und Fans im Jahr 2021 nicht. Dafür birgt das neue Jahr an manchen Stellen großes Konfliktpotenzial.

Knapp drei Wochen sind es noch bis zu den ersten Testfahrten der Formel-1-Saison 2021. Bis dahin halten die Teams die Fans mit den Präsentationen ihrer neuen Boliden bei Laune (hier gibt es eine Übersicht der neuen Wagen sowie die Vorstellungstermine).

Die Saison hingegen, da sind sich fast alle einig, wird sportlich zumindest an der Spitze nur wenig Neues bringen. Und dennoch verspricht die Saison große Spannung. Nicht zuletzt, weil es im Hintergrund bei zahlreichen Teams knistert. Fünf potenzielle Krisenherde der Königsklasse in der Übersicht:

  • Silberne Zukunft als graue Theorie

Die Zukunft des Weltmeisters ist vorerst geklärt. Aber eben auch nur vorerst. Mit dem Einjahresvertrag für Lewis Hamilton hat Mercedes mitnichten für Ruhe in den eigenen Reihen gesorgt. Die ersten Fragen nach der gemeinsamen Zukunft werden schon nach wenigen Rennen auf Toto Wolff und auch Hamilton einprasseln. Unruhe, die den Kampf um die WM vielleicht nicht entscheidet, ihn aber erschwert, ist vorprogrammiert.

Ähnlich sieht es im Fall von Valtteri Bottas aus. Der Finne beschwerte sich in den letzten Jahren regelmäßig und lautstark über die Hinhaltetaktik von Mercedes im Vertragspoker. Da auch sein aktueller Kontrakt Ende 2021 ausläuft, gibt es hier frühzeitig Redebedarf, womöglich sogar Konfliktpotenzial.

Über allem schwebt zudem der Name George Russell, der, da sind sich alle Beobachter sicher, ab 2022 eins der silbernen Cockpits übernehmen wird. Die Frage ist: welches?

  • Das Pulverfass Nikita Mazepin

Das Thema Mazepin beschäftigt die Formel 1 seit Monaten und wird auch in Zukunft eine Rolle spielen. Der Russe hat seinen Kredit bei den Fans schon verspielt. Auch innerhalb der Formel 1 gibt es einige, die den Königsklassen-Einstieg des Milliardärssohn nicht begrüßen.

AlphaTauri-Teamchef Franz Tost hat sich Mazepin sogar schon öffentlich zur Brust genommen und infrage gestellt, ob der 21-Jährige über die nötige Intelligenz verfügt, um ein Formel-1-Fahrzeug unfallfrei und schnell vom Start bis ins Ziel zu steuern.

Die Zweifel sind mit Blick auf Mazepins sportliche Vergangenheit angebracht. Der Haas-Rookie fiel in anderen Rennklassen durch rücksichtslose und gefährliche Manöver auf, wurde nicht selten bestraft, manchmal sogar disqualifiziert (hier geht's zu Mazepins Skandal-Akte). Man darf davon ausgehen, dass für ihn auch in seinem ersten Formel-1-Jahr nicht alles reibungslos laufen wird.

  • Frischer Wind bei Red Bull

Red Bull ist neben Mercedes der einzige Rennstall, der in diesem Jahr zwei Grand-Prix-Sieger beschäftigt. Das steigert die eh schon hohen Erwartungen. Die Österreicher haben sich den WM-Titel auf die Fahnen geschrieben. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Konstellation bei Red Bull ist durchaus explosiv. Gibt es eine klare Hierachie? Ist Verstappen die unumstrittene Nummer eins? Steckt Sergio Pérez im Fall der Fälle freiwillig zurück? Diese Fragen musste sich der Rennstall in den letzten Jahren nicht stellen. Sowohl Pierre Gasly als auch Alex Albon steckte Verstappen locker in die Tasche. Fühlt sich Pérez im RB16B wohl, wird es für den Niederländer nicht so leicht.

Wie ein schwerer Schatten liegt zudem Verstappens Vertragsklausel über dem Team. Diese ist leistungsgebunden. Heißt: Liefert Red Bull dem Niederländer kein "Weltmeister-Auto", könnte er den Rennstall am Ende des Jahres verlassen. Es wäre der Worst Case für die ambitionierten Österreicher.

  • Vettels große Sorge

Der Wechsel von Sebastian Vettel zu Aston Martin ist für den Deutschen nicht ohne Risiko. Nach seinem Katastrophen-Jahr 2020 sind viele Augen auf ihn gerichtet. Eine Niederlage im direkten Duell gegen Lance Stroll darf er sich eigentlich nicht erlauben.

Aber ist Vettel im Team auch gleichberechtigt? Der kurze Draht zu Lawrence Stroll hat Lance in der Vergangenheit einige Türen geöffnet. Einige Insider fürchten, dass der Heppenheimer vom Team benachteiligt werden könnte – ob in Form der Strategie oder auch, was neue Teile angeht. Der Grund liegt auf der Hand: Schlägt Lance Stroll einen vierfachen Weltmeister, würde das seinen Ruf enorm aufpolieren. Auch Vater Lawrence würde das sicher gefallen.

Noch ist das aber nicht mehr als graue Theorie. Für Vettel bleibt zu hoffen, dass dies auch so bleibt.

  • Brandherd Ferrari

Die Scuderia hat zwei desaströse Jahre hinter sich. Der Wagen war in diesem Zeitraum nie konkurrenzfähig, das Team patzte regelmäßig und zu allem Überfluss leistete sich Ex-Pilot Sebastian Vettel auch noch einige haarsträubende Fehler. Kurzum: Es kam einfach alles zusammen.

Das Team versucht nun schon im Vorfeld der Saison 2021, kleine Brötchen zu backen. Man werde die Lücke zu den besten Teams "nicht schließen", erklärte der nicht unumstrittene Teamchef Mattia Binotto. Wie so eine Aussage in einem motorsport-verrückten Land wie Italien ankommt, kann man sich denken.

So sehr sich die Ferrari-Verantwortlichen auch bemühen, die Erwartungen zu dämpfen: Läuft die neue Saison wie die alte, werden in Maranello Köpfe rollen. Binotto könnte der erste sein, der seinen Hut nehmen muss.

Christian Schenzel