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Straßer: "Da fängt man an, dumm oder deppert Gas zu geben"

21.02.2021 15:09
Linus Straßer konnte beim WM-Slalom nicht überzeugen
© GEPA pictures/ Patrick Steiner via www.imago-image
Linus Straßer konnte beim WM-Slalom nicht überzeugen

Linus Straßer fährt im Slalom weit an einer erhofften Medaille vorbei. Dennoch schneiden die deutschen Skirennläufer bei der WM viel besser ab als erwartet.

Der letzte Eindruck war der schlechteste. Linus Straßer, mit der berechtigten Hoffnung auf eine Medaille nach Cortina d'Ampezzo gekommen, bot zum Kehraus der Ski-WM ein erschütterndes Schauspiel: Im ersten Durchgang des Slaloms durchgereicht auf Platz 23, im zweiten daher chancenlos - und nach zwei völlig verkorksten Fahrten am Ende nur Platz 15. Und dabei, sagte Straßer, "war der ganze Tag wie geschaffen für mich: meine Verhältnisse, mein Hang. Ich wollte es wirklich unbedingt."

Doch genau das war auch der Grund, warum es nicht klappte. Ja, räumte auch Straßer ein, "das ist dann auch die Krux". Wenn alles wie geschaffen sei für einen, "da fängt man an, dumm oder deppert Gas zu geben und verlässt sich nicht mehr auf die Sachen, die einen eigentlich schnell machen." Und so war es wie so oft in der Vergangenheit: Sein Kopf spielte dem Münchner einen Streich. Als er nichts erwartet hatte wie zu Jahresbeginn in Zagreb, gewann er. Als er zu viel wollte, blieb ihm: nichts.

Es war dann Sebastian Foss-Solevaag, der im Ziel Tränen des Glücks vergoss - als erster norwegischer Slalom-Weltmeister seit Tom Stiansen vor 34 Jahren. Nach dem Sieg mit der Mannschaft beendete der 29-Jährige die WM außerdem als zweiter Doppelweltmeister neben Vincent Kriechmayr aus Österreich. Dessen Landsmann Adrian Pertl sicherte sich Silber für die erfolgreichste Nation in Cortina (5 Gold, 1 Silber, 2 Bronze), Bronze blieb dem Norweger Henrik Kristoffersen.

Der Slalom konnte den guten Gesamteindruck der deutschen Mannschaft freilich nicht mehr trüben. "Vier Medaillen sind deutlich mehr, als man sich von uns erwartet hat", sagte Alpinchef Wolfgang Maier, "wir haben uns selbst überrascht, selbst übertroffen, wir fahren erhoben Hauptes nach Hause." Die Resultate der Abfahrtsmannschaft bezeichnete er als "sensationell", die drei silbernen Medaillen von Romed Baumann (Super-G), Kira Weidle und Andreas Sander (beide Abfahrt), besäßen sogar "historischen Wert".

Doch dabei blieb es nicht. "Wir haben noch eins draufgesetzt mit der Teammedaille, das war auch ein kleines Highlight", sagte Maier und stellte fest: Es wäre sogar noch mehr möglich gewesen, "wir haben die ein oder andere Medaille im Schnee liegen lassen": Alexander Schmid etwa fuhr bei der ziemlich missratenen WM-Premiere des Parallelrennens als Vierter nur knapp an Bronze vorbei, im Riesenslalom kam er mit einer Medaille vor Augen im zweiten Lauf vom Kurs ab. Schmid, stellte Maier heraus, "wäre die eigentliche Überraschung gewesen".

Bemerkenswert vor allem: Beinahe allen Deutschen gelang es, ihre beste Leistung in diesem Winter bei der WM abzurufen. Maier zauberte zur allgemeinen Überraschung sogar die 17 Jahre alte Emma Aicher aus dem Hut, Tochter eines deutschen Vaters und einer schwedischen Mutter, die bis vor dieser Saison noch für den schwedischen Verband gefahren war. "Wir bekommen noch junge Leute nach, und die Emma ist ein Beispiel dafür, dass es welche gibt", sagte er. Aicher war Mitglied des Bronze-Teams.

Doch wo "Licht ist, da ist auch Schatten", gab Maier zu, vor allem im Riesenslalom und Slalom der Frauen. Wie er das ändern will? "Wir werden uns", versicherte er, "nicht ausruhen." Auf den vier Medaillen schon gar nicht.

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