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Friedrich will auch bei Olympia dominieren

15.02.2021 10:45
Bob-Star Francesco Friedrich steckt sich hohe Ziele für Olympia
© Sammy Minkoff via www.imago-images.de
Bob-Star Francesco Friedrich steckt sich hohe Ziele für Olympia

Francesco Friedrich will nach seinem WM-Double nur kurz durchschnaufen. Der Bob-Dominator hat längst Olympia im Kopf - und somit seine letzte noch fehlende Bestmarke.

Andre Lange spürt den heißen Atem seines Kronprinzen im Nacken. Den Weltcup-Rekord der deutschen Bob-Ikone hat Francesco Friedrich schon in diesem Winter einkassiert, alleiniger Rekordweltmeister ist der Sachse seit der Heim-WM in Altenberg ebenfalls. Es fehlt eigentlich nur noch diese eine Olympia-Bestmarke in Friedrichs Vita - und Lange ahnt, dass der aktuell unaufhaltsame Dominator ihm auch diese bald streitig machen könnte.

"Wir haben diesen Rekord ja irgendwann jemandem abgenommen. Jetzt kommt der nächste. Es ist ganz normal, dass sich Dinge entwickeln. Lewis Hamilton hat ja auch den göttlichen Michael Schumacher eingeholt", sagte der 47-jährige Lange, mit vier Goldmedaillen nach wie vor der erfolgreichste Bob-Pilot in der olympischen Geschichte.

Friedrich kann bisher "nur" seinen Doppelsieg bei den Spielen 2018 in Pyeongchang vorweisen. Es fehlen also noch zwei Goldmedaillen zu Lange, der außerdem auch noch einmal Silber gewann. Friedrich ordnet Olympia daher alles unter. Der 30-Jährige hatte nach dem fünften Double bei der Heim-WM im Osterzgebirge noch nicht mal seine Goldmedaille entgegengenommen, da drehte sich bei ihm schon alles um die Spiele 2022 in Peking.

Bob-Olympiasiege erster Gradmesser

"Gemessen wird man in erster Linie an den Olympiasiegen, da müssen wir noch etwas nachholen. Da muss es nächstes Jahr sitzen, das ist die höchste Auszeichnung, die man erreichen kann", sagte Friedrich. Seine einmaligen elf WM-Titel seien lediglich ein "Zubrot", nur eine Zahl. "Für mich hat sich nichts verändert", sagte der Perfektionist am Sonntag nach seiner Leistungsdemonstration im großen Schlitten, der Königsdisziplin.

79 Hundertstel betrug sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Österreicher Benjamin Maier, der Stuttgarter Johannes Lochner war auf Platz drei bereits eineinhalb Sekunden entfernt. "Da fehlen einem die Worte", sagte Bundestrainer Rene Spies angesichts der erdrückenden Dominanz seines Ausnahmepiloten. Lochner räumte resigniert ein: "Wir sind alle massiv chancenlos."

Doch in Peking, das betonte Friedrich, "wird neu gewürfelt". Für die Winterspiele in Asien wurde eine neue Bahn in Yanqing errichtet. Eigentlich sollte Friedrich bei der Homologierung im vergangenen Jahr dabei sein, ehe Corona dazwischengrätschte. Abgesehen von den von Lange gecoachten Chinesen hat niemand Erfahrung in dem mit rund 1600 m sehr langen Eiskanal.

Lange kennt Bahn in Peking

"Ich weiß, wie die Bahn in Peking ist. Ich weiß auch, dass es mal was anderes ist. Und ich weiß auch, dass unsere Sportler viel trainieren konnten aufgrund der besonderen Situation", sagte Lange in der MDR-Talkshow "Riverboat". Dennoch zähle Friedrich natürlich zu den "Top-Favoriten" auf den Titel.

Der Doppel-Olympiasieger von Pyeongchang hat riesigen Respekt vor der Aufgabe. Im Oktober wollen die deutschen Piloten erstmals nach China fliegen. "Wir müssen uns die neue Bahn erst erarbeiten", sagte Friedrich, der seit nun fünf Großereignissen ungeschlagen ist. Spies kündigte Testfahrten en masse an, auch ein Simulator soll bei der Vorbereitung helfen.

Bis es so weit ist, darf aber auch der Rekordweltmeister einmal tief durchatmen. Nach einer sehr speziellen Saison mit lediglich einer Niederlage freute sich Friedrich darauf, mit seiner Familie "einfach mal in den Tag hineinzuleben". Es dürfte allerdings nicht allzu lange dauern, bis der akribische Arbeiter seine nächste Rekordjagd vorantreibt.

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