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DTB räumt Fehler im Chemnitzer Turnskandal ein

22.01.2021 14:06
DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl
© Michael Weber IMAGEPOWER via www.imago-images.de
DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl

Ein unabhängiges Gutachten hat die Anklagen mehrerer Kunstturnerinnen, von der Chemnitzer Trainerin Gabi Frehse mit psychischer Gewalt unter Druck gesetzt worden zu sein, weitgehend bestätigt. Dem Deutschen Turner-Bund werden Versäumnisse bei der rechtzeitigen Klärung der Situation vorgeworfen

Zeitgleich mit der Veröffentlichung eines unabhängigen Gutachtens zum Turnskandal um die Chemnitzer Trainerin Gabi Frehse hat der Deutsche Turner-Bund (DTB) eigene Versäumnisse eingeräumt und die betroffenen Athletinnen um Vergebung gebeten. "Ich möchte mich ausdrücklich für das entstandene Leid entschuldigen", sagte DTB-Präsident Alfons Hölzl am Freitag.

Aus der Untersuchung der Frankfurter Anwaltskanzlei Rettenmaier geht hervor, dass ein bereits 2018 durchgeführtes verbandsinternes Prüfverfahren der Situation in Chemnitz offensichtlich unzureichend gewesen ist. "Aufgrund des Inhalts und auch des Umfangs der Überprüfung war sie nicht geeignet, ein valides Bild von den Trainingsbedingungen zu erhalten", heißt es in dem Bericht.

"Der Spiegel" hatte im November die zweifelhaften Trainingsmethoden und Umgangsformen Frehses publik gemacht. Besonders die ehemalige Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer hatte ihre ehemalige Betreuerin beschuldigt, sie beleidigt, beschimpft und körperlich überfordert zu haben. Die juristischen Ermittlungen ergaben in 17 Fällen entsprechende Anhaltspunkte

"Im Ergebnis der Untersuchung müssen wir davon ausgehen, dass wir es mit psychischer Gewalt zu tun haben", sagte Hölzl, der sich vom Urteil der vier beauftragten Juristen in Zusammenarbeit mit einer Diplom-Psychologin betroffen zeigte: "Wir müssen jetzt sämtliche Strukturen auf den Prüfstand stellen."

Frehse sowie auch ihr niederländischer Kollege Gerrit Beltman sind mittlerweile nicht mehr mit Chemnitzer Kaderathleten in Kontakt Auch Sophie Scheder, Olympiadritte am Stufenbarren 2016 in Rio de Janeiro, wird neuerdings von zwei anderen Coaches betreut. Der DTB forderte die Stützpunktleitung sowie den TuS Chemnitz-Altendorf auf, sich von Frehse und Beltman zu trennen.

Die Missstände im ehemaligen Karl-Marx-Stadt haben mittlerweile auch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf den Plan gerufen. "Ich begrüße die weiterführende Untersuchung des DOSB am Olympiastützpunkt in Chemnitz", erklärte dazu Hölzl.

Hölzl schließt nationalen Alleingang nicht aus

Noch nicht involviert ist der Sportausschuss des Bundestags. Nach "SID"-Informationen wurde ein Antrag der SPD auf Behandlung des Themas durch eine Mehrheit aus CDU, AfD und Linken abgelehnt.

Erfolg um jeden Preis war und soll auch weiterhin nicht die Maxime von Hölzl sein. "Eine olympische Goldmedaille hat auch für den Verband keinen Wert, wenn der Athlet hinterher von seinem im Training erlittenen Leid spricht", erklärte der Jurist aus Regensburg, der selbst im Nachwuchsbereich als Trainer tätig ist.

Der zweitgrößte deutsche Sport-Fachverband will als Reaktion auf die Vorkommnisse in Sachsen auf internationaler Ebene die Heraufsetzung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre forcieren. Damit einhergehen sollen Reduzierungen im Trainingsprogramm von Nachwuchsathleten.

Hölzl wollte sogar einen nationalen Alleingang nicht ausschließen, falls es für diese Reform beim Turn-Weltverband FIG keine Mehrheit geben sollte. Man müsse aber auch dafür sorgen, so der 52-Jährige, dass dann für die deutschen Athleten kein Wettbewerbsnachteil entsteht.

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