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Das Leiden des Letzten

Einer muss es den Schalkern jetzt sagen

21.01.2021 15:46
Der FC Schalke liegt nach der Pleite gegen den 1. FC Köln wortwörtlich am Boden
© Maik Hölter/TEAM2sportphoto
Der FC Schalke liegt nach der Pleite gegen den 1. FC Köln wortwörtlich am Boden

Der FC Schalke 04 bleibt zum Hinrundenabschluss Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga. Die Königsblauen verlieren auch gegen den 1. FC Köln. Die Hoffnungen ruhen nun auf Klaas-Jan Huntelaar. Doch die Euphorie, die er ausgelöst hat, wurde vorerst sportlich jäh zertrümmert.

Was soll's, einer muss es den Schalkern ja sagen. Also gut: Liebe Schalker, nicht verzweifeln, es wird noch schlimmer. Und zwar bald. Sehr bald. Am Sonntag geht es gegen den FC Bayern. Über den Herbstmeister hört man zwar auch im Ruhrgebiet, dass immer mal was gehen könnte, wenn man den Ball sehr lang nach vorne spielt, hinter die hochstehende Abwehr, aber es ist eben auch so: Um lange Bälle hinter die so sehr hochstehende Abwehr der Münchner zu spielen, braucht man (a) Fußballer, die das präzise können und (b) Fußballer, die entsprechende Zuspiele verwerten. Zu (b) lässt sich sagen: Mit Matthew Hoppe scheint da durchaus jemand auf Schalke zu spielen, der diese Fähigkeiten besitzt.

Aber zu (a)? Schwierig, sehr schwierig. Zumindest gemessen an den Schmerzen bereitenden 90 Minuten an diesem Mittwochabend gegen den 1. FC Köln. Mit 1:2 ging dieses Duell um den Klassenerhalt verloren. Das ist ziemlich bitter, zumal ein Remis auf diesem sehr niedrigen Niveau auch möglich gewesen wäre. Aber leider, aus Sicht des Traditionsklubs im Revier, war da noch die 93. Minute, ein Konter der Kölner, eine eigene Abwehrleistung, die mit einer Abwehrleistung nichts zu tun hatte.

Und schließlich der gnadenlose Schock. Ein Schock, der sich in Zahlen so liest: Erstmals seit 27 Jahren schließt der Verein die Hinrunde als Letzter ab. Mit nur sieben Punkten waren lediglich drei Mannschaften in der Geschichte schlechter.

Nun ist noch keine Mannschaft am 17. Spieltag abgestiegen. Das ist allein mathematisch unmöglich. Aber der Weg von mathematisch unmöglich bis auf dem Platz noch möglich ist weit. Sehr weit. Sehr, sehr weit. Trotz Sead Kolasinac, der sich Mitte der zweiten Halbzeit gegen Köln auch noch verletzte. Und trotz Klaas-Jan Huntelaar, der gegen Köln noch Wade hatte. Nun sind es aber ausgerechnet diese Beiden, die allein für die Schalker Hoffnung stehen. Flankiert noch ein bisschen von Hoppe und dem wieder formstärkeren Amine Harit, bester Mann gegen Köln, sowie irgendeiner höheren Macht, die verhindert, dass Köln, Mainz und Bielefeld regelmäßig Punkte sammeln. So, und nur so, scheint der Abstiegs-GAU abwendbar.

Euphorie? Zertrümmert!

Jede Form der zarten Euphorie, die die Rückholaktionen vom malochenden Kumpel Kolasinac und vom alternden Starstürmer Huntelaar ausgelöst hatten, wurden an diesem Mittwochabend jäh zertrümmert. Und das in einem Spiel, das frei von jeder Kunst war, die Fußball heißt.

Fehlpässe, Missverständnisse und ein spektakulärer Mangel an Dynamik - alles, was Trainer hassen, lieferten beide Mannschaften in großen Mengen, bei all dem Engagement, das man erwarten darf und muss, wenn es in der Tabelle um alles geht. Die ersten beiden Tore, das der Kölner durch Rafael Czichos (31.) und das der Schalker durch Hoppe (57.), waren in ihrer Entstehung ein Höchstmaß an Aussetzern, Nachlässigkeiten und Zufällen. Lediglich beim Abschluss darf man jeweils sehr vernünftigen Vorsatz unterstellen.

Dass Huntelaar nach dem Spiel sagte, "dass die zweite Halbzeit sehr gut war", nunja, das sagten sehr viele andere nicht. Womit er recht hatte, in einer fernen Wahrheit: "Wir haben leider nicht gewonnen, waren aber kurz davor." Zumindest, wenn kurz davor meint, dass man kürzer davor war, als die Kölner. Die waren nämlich eigentlich gar nicht mehr daran beteiligt, irgendetwas Kreatives zum Spiel beizutragen, ehe sich in Minute 93 der Weg aus der königsblauen Belagerung ohne aber erdrückende Gefahr zum königsblauen Tor öffnete. Einfach öffnete.

"Das ist bitter", befand Schalkes Trainer Christian Gross. Aber auch er war nicht gänzlich unzufrieden. "Viele gute Momente" hatte er gesehen. Und so mache ihm dann auch der "mutige Auftritt der Mannschaft trotz der Niederlage zuversichtlich. Wir müssen den Blick nach vorne richten."

Ähmmm..., vielleicht besser nicht. Nicht Richtung Sonntag.

Tobias Nordmann

© n-tv
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