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Vogt gibt Comeback: "Miss Punktlandung" fliegt wieder

21.01.2021 12:27
Gibt ihr Weltcup-Comeback: Skispringerin Carina Vogt
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Gibt ihr Weltcup-Comeback: Skispringerin Carina Vogt

Die erfolgreichste Skispringerin der Geschichte zurück: Carina Vogt feiert nach fast zwei Jahren Verletzungspause ihr Comeback.

Gepflegtes Mistwetter bei neun Grad und Dauerregen, dazu Geisterkulisse in einem slowenischen 1000-Seelen-Nest - kaum standesgemäß für das Comeback der erfolgreichsten Skispringerin der Geschichte. "Ljubno ist jetzt nicht gerade der Ort, den ich mir zum Wiedereinstieg ausgesucht hätte", sagt Carina Vogt: "Im Moment ist mir das aber ziemlich egal. Mit der Euphorie, die ich gerade in mir trage, wird das ziemlich cool."

Auf der "Logarska dolina", der zweitkleinsten Weltcupschanze, wird Vogt am Wochenende ihren ersten Wettkampf seit März 2019 bestreiten. Und schon das allein wertet die 28-Jährige als Erfolg. "Ich freue mich riesig, dass ich es nach fast zwei Jahren Pause wieder zurückgeschafft habe", sagt Vogt.

Im Juli 2019 war ihr beim Training in Stams das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen - zwei Wochen bevor in Andreas Wellinger ein anderer deutscher Skisprung-Olympiasieger die gleiche Verletzung erlitt. Wellinger feierte zu Saisonbeginn sein Comeback und springt chancenlos hinterher. Die ebenso ruhige wie realistische Vogt weiß daher, dass sie sich erstmal hinten anstellen muss.

"Es ist in den letzten beiden Jahren einiges passiert in unserem Sport, daher habe ich erst einmal keine große Erwartung", sagt sie: "Ich will einfach gut skispringen und das abrufen, was ich zuletzt im Training gezeigt habe. Dann sehen wir weiter."

Auch wenn ihr Comeback genau rechtzeitig zur WM in Oberstdorf (23. Februar bis 7. März) kommt, setzt Vogt auf Geduld. Und die musste sie zuletzt auch haben: Eigentlich war Vogt schon im Oktober startklar, musste dann aber ihren DM-Start wegen erneuter Knieprobleme absagen. Hinzu kam die coronabedingte Absagenflut im Weltcup. Beim Traum von der Heim-WM könnte es nun eine Punktlandung werden.

Jedoch: Mit Punktlandungen kennt sich keiner so gut aus wie die Polizeiobermeisterin aus Degenfeld. Nur zwei Weltcupspringen gewann Vogt, dem gegenüber stehen aber fünf WM-Titel (zwei im Einzel) sowie das historische erste Olympia-Gold für eine Skispringerin 2014 in Sotschi. Nicht schlecht für eine, die im Teenie-Alter als hoffnungsloser Fall galt.

"Als ich 2011 Bundestrainer wurde, hat mir niemand Carina empfohlen. Es hieß: Die hat kein Talent und weiß nicht, was sie will", sagte Andreas Bauer, der gewissermaßen Vogts Karriere rettete. "Er hat den Draht zu mir gefunden und mein Potenzial entdeckt. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier", sagte sie 2015 nach ihrem ersten WM-Titel im schwedischen Falun.

Bauer will Vogt wie dereinst nun alle Zeit der Welt zugestehen. "Bislang haben wir diese genutzt, um Carina über viel Individualtraining wieder heranzuführen - das freut mich am allermeisten: dass es uns nach vielen Rückschlägen im Sommer gelungen ist, sie jetzt innerhalb von vier Wochen so weit zu bringen, dass sie weltcuptauglich ist", sagt der einstige Weltklassespringer.

Und so ist Vogt wieder einmal in der Situation, aus der sie in ihrer Karriere am meisten herausgeholt hat: Eigentlich hat sie derzeit keine realistische Chance auf Topplatzierungen. Doch aus vermeintlicher Aussichtslosigkeit hat "Miss Punktlandung" die größte Titelsammlung im Frauen-Springen gemacht.

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