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Die Angst vor dem "Krieg der Sterne 2.0"

Warum Mercedes weiterhin auf Valtteri Bottas setzt

21.01.2021 14:15
Valtteri Bottas ist die klare Nummer zwei bei Mercedes
© HOCH ZWEI via www.imago-images.de
Valtteri Bottas ist die klare Nummer zwei bei Mercedes

Während der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten noch ohne Vertrag für die kommende Saison dasteht, hat Mercedes bei Valtteri Bottas schon früh Nägel mit Köpfen gemacht. Der Finne wird auch 2021 im Silberpfeil sitzen. Die Frage ist: Warum eigentlich?

In der Formel 1 gibt es derzeit einige herausragende Fahrer. Valtteri Bottas zählt offenkundig nicht dazu. Obwohl der Finne seit vier Jahren im nachweislich besten Auto sitzt, spielt er im Kampf um die WM im Prinzip keine Rolle. Neun Siege in 79 Rennen, dazu 16 Poles: Zu wenig für einen Mercedes-Piloten, zu wenig für einen Fahrer, der Weltmeister werden will. Zum Vergleich: Hamilton gewann im gleichen Zeitraum (78 Starts) 42 Grands Prix und stand 37 Mal auf der Pole.

Mercedes hätte den Finnen mit Blick auf die Saison 2021 problemlos ersetzen können, schließlich haben die Silberpfeile mit George Russell den nächsten Formel-1-Stern schon im eigenen Stall. Doch die Verantwortlichen entschieden sich gegen den jungen Briten und für ein weiteres Bottas-Jahr.

Dabei ist Russell mutmaßlich nicht nur der talentiertere Fahrer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht der Mann mit der deutlich besseren Perspektive. Eine Paarung Hamilton/Russell hätte massig Schlagzeilen und damit Einnahmen (und Action auf der Strecke) garantiert. Warum also hält Mercedes weiterhin an Bottas fest?

Mercedes und die Angst vor dem "Krieg der Sterne 2.0"

Zum einen haben die Silberpfeile aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Einen zweiten "Krieg der Sterne" soll es nie wieder geben. Zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton flogen in den vier gemeinsamen Jahren derart die Fetzen, dass sich die negative Stimmung auf das ganze Team auswirkte und die gemeinsamen Ziele gefährdete. "Die Negativität hat den ganzen Raum runtergezogen", erinnerte sich Teamchef Toto Wolff einmal an die gemeinsame Zeit. Mit Bottas, so viel ist nach vier Jahren klar, besteht dieses Risiko nicht.

Der Finne gilt als umgänglicher Typ, ist gleichzeitig aber auch, obgleich er nicht zur Crème de la Crème der Königsklasse gehört, ein absolut verlässlicher Fahrer. Die drei Zehntel, die ihm regelmäßig auf Lewis Hamilton fehlen, würden vielen anderen Fahrern vermutlich auch fehlen. An sehr guten Tagen kann er einen durchschnittlichen Hamilton sogar schlagen. Gegen einen Hamilton in Topform ist er dafür hoffnungslos unterlegen. 

Dass Bottas schlicht nicht die Klasse besitzt, um die Nummer 44 dauerhaft zu gefährden, spielt dem Team und auch dem Finnen selbst letztlich sogar in die Karten. Der 31-Jährige hat sich als "perfekter" Teamkollege erwiesen: Zu schwach, um die Hierarchie ins Wanken zu bringen, aber gut genug, um die nötigen Punkte für die Teamwertung einzufahren. Hätte ein George Russell dieses Anforderungsprofil auch erfüllt? Möglich, aber nicht sicher. 

"Kampf mit Lewis kostet Kraft"

Bottas selbst glaubt noch immer an seine Chance im Duell mit Lewis Hamilton. "Manchmal bin ich nah dran, manchmal schlage ich ihn", stellte der Finne während der letzten Saison treffend fest. "Aber vier Jahre in Folge in der WM geschlagen zu werden, ist schwer zu akzeptieren", machte der ehemalige Williams-Fahrer aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. 

Wie lange er noch an seine Reserven gehen will, um dieses scheinbar aussichtslose Duell zu bestreiten, weiß Bottas nicht: "Es ist kein Geheimnis, dass der Kampf mit Lewis viel Kraft kostet, wenn ich jedes Mal 100 Prozent aus mir herausholen muss." 

2021 bekommt er noch einmal die Chance dazu - aller Voraussicht zum letzten Mal. George Russell scharrt bereits mit den Hufen und hat eine Hand am Mercedes-Lenkrad. Er wird Bottas früher oder später ablösen und sich in den Kampf mit Lewis Hamilton stürzen, wenn die Nummer 44 ihren Vertrag bis dahin denn endlich mal verlängert hat ...

Christian Schenzel

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