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Alle Herausforderer im großen Titel-Check

Darum versagen BVB und Co. bei der Bayern-Jagd

19.01.2021 17:46
Mats Hummels hat den FC Bayern mit dem BVB mal wieder aus dem Blick verloren
© Jan Huebner
Mats Hummels hat den FC Bayern mit dem BVB mal wieder aus dem Blick verloren

Trotz einiger Schwächen scheint der FC Bayern auch in dieser Saison wieder hervorragende Aussichten auf die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga zu haben - vor allem, weil keiner der vermeintlichen Verfolger nachhaltig in Schwung kommt. Was fehlt Gladbach, BVB, Bayer Leverkusen und RB Leipzig?

"FC Bayern, Deutscher Meister, ja so heißt er, mein Verein, ja so war es und so ist es und so wird es immer sein", lautet die wohl bekannteste und durchaus provokante Zeile der Bayern-Vereinshymne "Stern des Südens" , die der Münchner Künstler Willy Astor 1998 etablierte. Über 20 Jahre später muss man sagen: Astor behielt Recht.

Seit 2013 stellte der FC Bayern die im deutschen Profi-Fußball beispiellose Serie von acht Meisterschaften in Folge auf. Welcher Klub sich auch immer Hoffnungen machte, dem Branchenprimus die Schale abzujagen, scheiterte. Auch wenn der Rekordmeister 2020/21 bislang nicht immer sattelfest wirkt, deutet wenig daraufhin, dass die Titel-Serie endet.

Die Gründe für die Probleme bei den aussichtsreichsten Herausforderern sind vielschichtig:

  • Borussia Mönchengladbach: Das Prunkstück lahmt

Dem Vierten der Vorsaison trauten ohnehin nur Optimisten zu, den FC Bayern vom Thron zu stoßen, Platz acht nach 16 Spieltagen kann aber nicht der Anspruch der Fohlen-Elf sein.

Zumal man die prominent besetzte Offensive vor der Saison noch einmal aufpoliert hat. Das Prunkstück des Teams um Jonas Hofmann, Kapitän Lars Stindl, Alassane Pléa, Breel Embolo und Marcus Thuram wurde angesichts der Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Pokal und Champions League durch die Leihen von Hannes Wolf und Valentino Lazaro namhaft ergänzt. Dumm nur, dass der Plan bislang nicht aufgeht.

Wolf traf in seinen 23 Einsätzen erst dreimal, Lazaro kämpft immer wieder mit Verletzungen und Pléa glänzt zwar in der Königsklasse (5 Tore, 4 Vorlagen in 6 Spielen), zeigt seine Klasse im tristen Liga-Alltag aber zu selten (2 Tore, 1 Vorlage in 12 Spielen).

Dass sich Thuram mit einer Spuckattacke (5 Spiele Sperre) und Embolo (Gerüchte um Mega-Party während des Corona-Lockdowns) zuletzt selbst aus dem Spiel nahmen, passt ins Bild, das ohne die seit Wochen bestens aufgelegten Stindl und Hofmann deutlich trüber aussehen würde.

Ärgerlich: Gladbach hat eigentlich ausgiebig bewiesen, dass man die absolute Elite in die Schranken weisen kann. Gegen den FC Bayern drehte man unlängst einen 0:2-Rückstand, in der Champions League steht die Borussia trotz der Vorrunden-Gegner Donetsk, Inter Mailand und Real Madrid im Achtelfinale.

  • Bayer Leverkusen: Formknick wegen des FC Bayern

Nachdem die Werkself im Sommer Kai Havertz und Kevin Volland zu Geld machte, schien fraglich, ob man 2020/21 im oberen Tabellendrittel mitmischen konnte. Platz drei nach 16 Spieltagen beweist allerdings, dass der Aderlass abgefedert wurde.

Hoffnung schürt vor allem der 17-jähirge Florian Wirtz, der den Verlust von Havertz bislang mit fünf Treffern und sechs Vorlagen auffängt, Sorge bereitet die Formkurve.

Grüßte Bayer nach zwölf Spieltagen noch ungeschlagen von der Tabellenspitze, rangiert man vier Runden später sieben Zähler hinter dem FC Bayern "nur" noch auf Rang drei. Für das Ende der Überform sorgte ausgerechnet das Münchner Starensemble höchstpersönlich, das Leverkusen am 13. Spieltag durchaus glücklich mit 2:1 niederrang. Seitdem gelang kein Liga-Dreier mehr.

Böse Zungen könnten behaupten, dass die eigene Erwartungshaltung das Team lähmt. Man wolle und könne es mit dem FC Bayern aufnehmen, tönte Klubchef Fernando Carro nach der knappen Pleite und verkündete, er sei lediglich unzufrieden, wenn das Konto am Ende der Hinrunde weiterhin 28 Punkte aufweisen würde - seitdem ist gerade einmal ein Zähler hinzugekommen ...

  • BVB: Immer dieselbe Leier

Trotz Gerüchten um irre Ablösen ließ der BVB die Leistungsträger Jadon Sancho und Erling Haaland nicht ziehen, stach den FC Bayern stattdessen im Poker Jude Bellingham aus und richtete damit auch eine klare Botschaft an den Rekordmeister. 

Die Kampfansage untermauerten die Dortmunder zum Saisonstart mit einem 3:0 gegen Gladbach - um dann in alte Muster zu verfallen: Steht kein absolutes Topspiel auf dem Plan, blamieren sich die Dortmunder gerne gegen vermeintliche Laufkundschaft.

Beim 0:2 gegen den FC Augsburg, 1:2 gegen den 1. FC Köln, dem 1:5 gegen Aufsteiger VfB Stuttgart und zuletzt dem 1:1 gegen den FSV Mainz ließ man überraschend Punkte liegen. Dass es gegen die großen Gegner Bayern (2:3), Wolfsburg (2:1) und Leipzig (3:1) mal wieder deutlich besser läuft, verstärkt nur den Eindruck, dass gegen die "Kleinen" die nötige Ernsthaftigkeit fehlt.

Auffallend: Auch Neu-Coach Edin Terzic konnte den Trend nicht umkehren. Auf Siege gegen Bremen, Wolfsburg und Leipzig sowie der Pleite gegen Überraschungsteam Union Berlin folgte der Dämpfer gegen Mainz.

  • RB Leipzig: Timo Werner schmerzlich vermisst

Einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde ist RB Leipzig auf Rang zwei, vier Zähler hinter dem FC Bayern und drei Punkte vor dem BVB und Leverkusen, der aussichtsreichste Bayern-Jäger - auf den ganz großen Angriff deutet allerdings wenig hin.

Das Problem der Sachsen liegt auf der Hand: Der Wechsel von 28-Tore-Stürmer Timo Werner zum FC Chelsea hat eine große Lücke in den Kader gerissen. Stellte Leipzig mit 81 Treffern 2019/20 noch den drittbesten Angriff der Liga, stehen aktuell nur 28 Buden zu Buche. Die Offensiv-Neuzugänge Alexander Sörloth (17 Spiele/2 Tore), Hee-chan Hwang (8/1) und Justin Kluivert (13/2) können Werner bislang nicht einmal im Ansatz ersetzen.

Zudem bilden die Roten Bullen eine Art Gegenentwurf zum BVB: Gegen die Underdogs meist souverän, lässt man gegen die Top-Klubs zu viele Punkte liegen. Gegen Leverkusen (1:1), Gladbach (0:1), Bayern (3:3) und Dortmund (1:3) gelang kein Sieg.

Marc Affeldt

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