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Corona-Sorgen überlagern deutschen WM-Auftakt

14.01.2021 14:04
Alfred Gislason und das DHB-Team starten Freitag in die WM
© Franz Waelischmiller / SVEN SIMO via www.imago-ima
Alfred Gislason und das DHB-Team starten Freitag in die WM

Alfred Gislason sprach mit belegter Stimme. Von großer Vorfreude oder gar einer WM-Euphorie war beim Bundestrainer wenig zu spüren. "Die Corona-Diskussion hängt über der WM - ob man will oder nicht", sagte Gislason kurz vor dem Turnierstart. Während in der ganzen Welt das Virus wütet, treffen die deutschen Handballer zum Auftakt am Freitag auf Uruguay.

Auch am Donnerstag ebbte die Kritik an der WM-Austragung und der zweifelhaften Sicherheit in der Turnier-Blase nicht ab. Doch Gislason und seine Mannschaft versuchten alles, um den Fokus irgendwie auf den Sport zu lenken. "Ich freue mich riesig, dass es endlich losgeht und wir spielen. Deswegen sind wir hier, das macht uns allen am meisten Spaß", sagte Gislason. Und auch Spielmacher Philipp Weber versicherte: "Ich versuche alle Nebenkriegsschauplätze irgendwie auszublenden und mich wirklich auf das Wesentliche zu konzentrieren."

Sportlich dürften die ersten Spiele gegen Uruguay und auch gegen Kap Verde am Sonntag für Kapitän Uwe Gensheimer und Co. keine Probleme darstellen. Für Gislason, der in sein erstes Turnier als Bundestrainer startet, zählt daher nur ein Sieg. "Man kann es drehen und wenden, wie man will", sagte Gislason: "Wir müssen gewinnen und die Spiele nutzen, um uns noch besser einzuspielen und unsere taktischen Varianten in Angriff und Abwehr ausbauen." Weber meinte: "Wir sind bereit."

"Skandal" schon im ersten Spiel der WM

Die Corona-Sorgen liegen aber weiterhin wie ein dunkler Schatten über dem Turnier in Ägypten, die Angst vor einem Ausbruch innerhalb der Blase ist allgegenwärtig. Für neue Kritik und Schlagzeilen sorgte am Donnerstag die Tatsache, dass beim WM-Eröffnungsspiel trotz Publikumsverbots Berichten zufolge mehrere Hundert Zuschauer in der Halle dabei gewesen sein sollen. Unter ihnen viele Prominente wie etwa der ägyptische Präsident Abdel Fatah al-Sisi und Weltverbandspräsident Hassan Moustafa.

"Ein Skandal", titelten das dänische "Ekstra-Bladet" sowie das schwedische "Aftonbladet". Nach einem Aufschrei der Spieler und einem Brief von 14 Kapitänen, darunter auch DHB-Anführer Uwe Gensheimer, hatte die IHF erst Anfang der Woche zugesichert, Zuschauer in den Hallen zu verbieten. Der Vorfall von Mittwochabend war nicht das erste Versprechen, das die WM-Organisatoren nicht einhalten konnten - oder wollten.

"Umstände, die wir uns anders vorgestellt hatten"

Auch im deutschen Lager sind die beim Weltverband beanstandeten Corona-Mängel längst nicht alle behoben. So erneuerte Gislason am Donnerstag die Kritik an den Hygienebedingungen im deutschen Teamhotel. "Das sind Umstände, die wir uns anders vorgestellt hatten und die uns anders zugesagt worden sind. Das ist so, es scheint nicht möglich, daran etwas zu ändern", sagte der 61-Jährige.

DHB-Sportvorstand Axel Kromer kündigte unterdessen den Besuch des ägyptischen Sportministers in Gizeh an. Es habe sich an der Situation im Teamhotel zwar schon "einiges verbessert", doch der oberste Sport-Funktionär Ägyptens werde darauf einwirken, dass das Hotel die Forderungen beispielsweise nach einem teaminternen Büfett zu den Mahlzeiten "auch wirklich umsetzt".

Für Erleichterung bei der deutschen Delegation sorgte unterdessen die Nachricht, dass die Mannschaft Kap Verdes trotz einiger positiver Coronabefunde im Vorfeld inzwischen angereist ist - und zunächst in einem anderen Hotel zur Quarantäne isoliert wurde. "Ich hatte bis gestern Nachmittag große Sorgen, ob Kap Verde überhaupt kommt", sagte Gislason.

Bob Hanning kann das Unbehagen von Spielern und Trainern nachvollziehen, geht aber davon aus, "von Tag zu Tag" mehr Sicherheit zu bekommen. "Das Risiko wird irgendwann ausgeschlossen sein", sagte der DHB-Vizepräsident. Momentan bestehe die größte Gefahr bei den Teams, "die zusätzlich nachreisen, weil sie sicherlich nicht in der Bubble-Konsequenz vorher gelebt haben", sagte Hanning: "Deshalb bin ich froh, dass man die Mannschaften erstmal außerhalb unserer Bubble untergebracht hat."

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