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Endlich an der Weltspitze: Die Wandlung des Linus Straßer

14.01.2021 11:01
Linus Straßer gehört mittlerweile zur Weltspitze
© GEPA pictures/ Matic Klansek via www.imago-images.
Linus Straßer gehört mittlerweile zur Weltspitze

Jetzt also Flachau. Erst war ja vorgesehen, dass Linus Straßer am Samstag und Sonntag bei sich vor der Haustüre fährt. Er wohnt in Kirchberg gleich neben Kitzbühel und somit nahe am Ganslern, jenem legendären Hang, auf dem er einst das Skifahren erlernt hat und der sich wie "Heimat" anfühlt. Doch das Virus in seiner mutierten Version grassiert nun praktisch nebenan. Deshalb also: zwei Mal Slalom in Flachau statt in Kitzbühel.

Mal abgesehen von den Umständen: Straßer kommt die Verlegung nicht ungelegen. "Verkünstelt", sagt er im Gespräch mit dem "SID", hätten die Kitzbüheler den Ganslern in den vergangenen Jahren, hätten die vielen tückischen Wellen, die laufend den Rhythmus der Fahrer brechen, zusätzlich manipuliert. "Tolles Rennen. Aber zum Fahren macht's da keinen Spaß", erklärt Straßer. "Fünf Tore, Welle, Bruch. Fünf Tore, Welle, Bruch." Und so weiter.

Nichts stört Slalomfahrer mehr, als aus dem im Unterbewusstsein abgespeicherten Rhythmus gebracht zu werden - so gesehen ist Flachau eher ein Segen. Dort gibt es wenige Tücken. Weshalb Straßer, der Sieger von Zagreb und Zweiter von Adelboden, zu den Mitfavoriten zu zählen ist. Denn: Sechs Jahre nach einem fünften Platz in Schladming, seit dem er als Sieger von Morgen galt, ist er nun endlich an der Weltspitze angekommen. Weil er den Linus von damals hinter sich gelassen hat.

"So kann ich nicht weitermachen"

Die Lehrjahre waren hart. Straßer fuhr im Training Felix Neureuther und Fritz Dopfer um die Ohren, im Rennen aber, gibt er gerne zu, da "stand ich mir selbst im Weg". Will heißen: "Du kommst in eine Rennsituation und weißt, du musst es noch besser machen als im Training. Dabei weißt du aber auch: Das geht nicht, es kann nur schlechter werden."

Um dennoch besser zu sein, glaubte Straßer, im Rennen etwas ändern zu müssen. "Plötzlich greifst du in den Prozess ein" - und schon klappt nichts mehr, weil die abgespeicherten Bewegungsabläufe nun ein wenig anders sind. Und außerdem: Wer zu viel denkt bei der rasend schnellen Fahrt durch die Stangen, wird immer zu spät dran sein. Bei Straßer war bald "der Wurm" drin, vor drei Jahren habe er sich gesagt: "So kann ich nicht weitermachen. Entweder ich schaffe es, oder ..."

Dank harter Arbeit zum Erfolg

Er hat es geschafft. "Ich bin mir selbst extrem im Weg gestanden", wiederholt Straßer mehrfach, "es hat so wenig Spaß gemacht. Du hast es drauf und kannst es nicht zeigen, das ist das Deprimierendste im Sport." Weil er sich nicht "irgendwann in den Arsch beißen wollte, weil ich aufgegeben habe", begann er, zu arbeiten: an sich, seiner Einstellung, und nicht zuletzt an seinem Skifahren. Geholfen hat ihm Trainer Bernd Brunner, ein Österreicher.

Der Sieg vor eineinhalb Wochen in Zagreb hatte dann etwas "Befreiendes, es war ein cooles Ergebnis am Ende eines so langen Weges", sagt Straßer. "Ich will das auch wieder haben", betont er. Gerne in Kitzbühel. Nun aber lieber erst mal auf der "Hermann-Maier-Weltcuppiste" in Flachau.

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