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Athleten first? Impf-Debatte vor Olympia eröffnet

07.01.2021 13:36
© Martin Wagner via www.imago-images.de

Athleten first? Die Debatte um ein bevorzugtes Impfen von Athleten vor den Olympischen Spielen in Tokio ist in Deutschland im vollen Gange.

Trotz rasant wachsender Coronazahlen in Japan bleiben deutsche Athleten angenehm cool und drängeln sich in der Impf-Warteschleife nicht nach vorne.

Olympia-Gastgeber Japan verhängte nach Corona-Rekordwerten am Donnerstag den Ausnahmezustand für Tokio, doch der deutsche Sport hält sich gut ein halbes Jahr vor dem Olympiastart an die Abmachung.

"Für die Athletinnen und Athleten steht außer Frage, dass Angehörige von Risikogruppen und die Beschäftigten der Daseinsfürsorge zuerst geimpft werden sollten", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer des Vereins Athleten Deutschland, dem "SID" und erteilte Vorschlägen für eine Bevorzugung von Sportlern bei der Impfung eine klare Absage.

Gleichzeitig gelte es aber zu bedenken, dass die Sportler sich nicht erst in Tokio, sondern wegen häufiger Reisen zu Qualifikationswettkämpfen bereits jetzt oftmals in Gefahrensituationen begeben müssten. "Eine frühzeitige Impfung ist der beste Weg, die Athletinnen und Athleten dort zu schützen", sagte Herber.

IOC-Mitglied aus Kandada prescht vor

Ähnlich sieht es Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Sie wisse, wie sehr Sportler ihrem Olympia-Traum entgegenfiebern, dennoch habe sie bislang keine Forderungen nach einer bevorzugten Behandlung wahrgenommen.

"Offensichtlich sind sich die meisten sehr wohl ihrer Verantwortung für die hochgefährdeten Gruppen der Bevölkerung sehr bewusst. Ich teile die Einschätzung ausdrücklich", sagte Freitag dem "SID".

Zuvor hatte IOC-Mitglied Dick Pound eine Sonderbehandlung der Sportler im Vorfeld der Olympischen Spiele von Tokio (23. Juli bis 8. August) ins Gespräch gebracht.

"In Kanada haben wir vielleicht 300 oder 400 Athleten. 300 oder 400 Personen früher als geplant zu impfen, um Kanada bei einem Event dieser Größenordnung starten zu lassen, würde jetzt keinen großen Aufschrei in der Bevölkerung auslösen", sagte Pound "Sky News".

Es handele sich um eine Entscheidung, die jedes Land für sich treffen müsse, sagte der 78 Jahre alte Kanadier, der seit 1978 im IOC sitzt. Und es werde Leute geben, die sagen, dass sich in der Warteschlange welche vordrängeln. "Aber ich denke, das ist der realistischste Weg", meinte Pound.

Immer höhere Infektionszahlen in Japan

In Japan schnellen die Infektionszahlen weiter nach oben, am Donnerstag verhängte der Olympia-Gastgeber für den Großraum Tokio den Ausnahmezustand. Mit 2447 neuen Fällen an einem Tag wurde ein Höchstwert erreicht, 88 Prozent der Krankenhausbetten in der Hauptstadt sind belegt.

Trotz der schwierigen Lage gaben sich die Olympia-Macher zuletzt zuversichtlich, dass die Spiele im Sommer wie geplant stattfinden können. Sowohl Japans Premierminister Yoshihida Suga als auch IOC-Präsident Thomas Bach versprachen der Sportwelt zum Jahreswechsel "sichere Spiele".

Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sieht ebenfalls keinen Grund zur Panik und drängt auf eine Einhaltung der Abmachungen bei der Impfung. Man sei zu dem Fazit gekommen, "dass wir uns da nicht in irgendeiner Form vordrängen möchten", sagte Hörmann der Sportschau. Der 60-Jährige setzt vielmehr auf die Zulassung weiterer Impfstoffe verschiedener Hersteller, durch die eine Perspektive entstehen könnte.

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