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Eisenbichler sucht die Leichtigkeit

05.01.2021 11:58
Markus Eisenbichler will im Tournee-Finale noch einmal angreifen
© Oryk HAIST via www.imago-images.de
Markus Eisenbichler will im Tournee-Finale noch einmal angreifen

Kein Springer lebt die Vierschanzentournee so emotional wie Markus Eisenbichler, sportlich läuft sie aber ein wenig an ihm vorbei. Sieben Wochen vor der Heim-WM sucht der Weltmeister nach dem Schlüssel zum Erfolg.

Markus Eisenbichler macht Markus-Eisenbichler-Dinge. Ständig. Vor jedem Sprung, nach jedem Sprung. Er peitscht sich an, jubelt, schimpft, lacht, brüllt, wirbelt die Fäuste durch die Luft. Im Training, im Wettkampf. Emotionaler kann man eine Vierschanzentournee nicht bestreiten als das bayrische Gefühlsbündel. Und dennoch läuft diese Tournee ein wenig an Eisenbichler vorbei - die Leichtigkeit der ersten Saisonwochen ist verflogen.

"Eigentlich passt mir ja die Jägerrolle. Die habe ich schon von Anfang an seit Oberstdorf, als ich meinen ersten Sprung versaut habe. In der kann ich mich auf meine Sachen konzentrieren", sagt der Weltmeister: "Aber natürlich wäre es mir lieber, wenn ich ganz vorne stehen würde."

Vor dem letzten Springen am Mittwoch in Bischofshofen (16:45 Uhr) steht Eisenbichler gar nicht mal schlecht da, irgendwie aber auch im Niemandsland: Platz fünf, rund 18 Meter Rückstand auf den führenden Polen Kamil Stoch - die Erwartungen an ihn waren andere.

"Ich habe das Gefühl, dass Markus von allen am besten im Form ist", sagte Ex-Bundestrainer Werner Schuster kurz vor der Tournee über seinen früheren Schützling: "Wenn er gut springt, ist er der Beste. Es ist unglaublich, was er für Qualitäten hat."

Und auch der aktuelle DSV-Coach Stefan Horngacher gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über Eisenbichler spricht: "Er ist ein Flugkünstler, da ist er der Beste der Welt. Wenn er da einigermaßen reinkommt, dann geht es nur noch darum, ob er ganz weit runter oder nur sehr weit runter fliegt."

Das sagte Horngacher in Oberstdorf, seitdem läuft Eisenbichler ein wenig der Musik hinterher: Fünfter in Oberstdorf, Siebter in Garmisch-Partenkirchen, Sechster in Innsbruck. Abgesehen vom windbedingten Beinahe-Crash in Nischni-Tagil waren das seine schlechtesten Saisonergebnisse. Das spricht zwar für das hohe Grundniveau des 29-Jährigen, der mit zwei Siegen in die Saison gestartet war, der latente Niveauverlust ist beim Saisonhöhepunkt aber ärgerlich.

"Ich muss das akzeptieren und nach vorne schauen, mein Zeug erledigen und auf mich vertrauen", sagt Eisenbichler: "Ich werde mich nicht aufgeben, das ist einfach nicht meine Natur. Ich will angreifen, nicht hirnlos, aber selbstüberzeugt skispringen."

Eisenbichler fehlt die Lockerheit

Hirnlos springt Eisenbichler selten, allerdings läuft der Motor des "Instinktspringers" (Horngacher) immer auf Vollgas. Die Lockerheit fehle bei der Tournee mitunter, sagt der Bundestrainer, "und man will was erzwingen". Und das geht eben oft nicht gut.

Horngachers Vorgänger Schuster rät seinem alten Schützling ebenso wie dem zuletzt in Innsbruck hochemotionalen Karl Geiger, die ganz große Anspannung ein wenig abklingen zu lassen. "Es wäre gut, wenn alle ein bisschen runterkommen. Weniger ist oft mehr in solchen Situationen. Durchatmen, relaxen, neu angreifen", sagte der Eurosport-Experte.

Denn was Eisenbichler zu leisten vermag, wenn er in seinem berühmten lockeren "Flow" verweilt, hatte vor allem die WM 2019 gezeigt, als er in Innsbruck Weltmeister wurde. "Das war ein geiler Wettkampf, den sehe ich mir öfter noch auf Video an", sagte "Eisei" nun an der Stätte des Triumphes. Vielleicht entdeckt er dabei den Schlüssel zum Erfolg - sieben Wochen vor den kommenden Weltmeisterschaften in Oberstdorf wäre dies für das Projekt Titelverteidigung nicht das schlechteste.

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