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Aus der Quarantäne zum "König von Oberstdorf"

Wie der "coole Hund" Geiger vom Tourneesieg träumen lässt

30.12.2020 13:45
Karl Geiger überzeugte beim Auftaktspringen
© via www.imago-images.de
Karl Geiger überzeugte beim Auftaktspringen

Phänomen Karl Geiger: Der Flug-Weltmeister gewann quasi aus der Quarantäne heraus das Auftaktspringen in Oberstdorf. Jetzt scheint der ganz große Coup möglich.

Die geliebte Allgäuer Heimat empfing Karl Geiger am Morgen nach der großen Siegesnacht mit purem Sonnenschein - und lästigen Alltagsaufgaben. "Auf zum Nasenbohren", kommandierte Stefan Horngacher den "König von Oberstdorf" und dessen Teamkollegen zum nächsten Coronatest. Der enge Zeitplan der Vierschanzentournee lässt Geiger keine Zeit zum Durchatmen - doch das nimmt er mit der Aussicht auf den ganz großen Coup gerne in Kauf.

"Es ist unglaublich, was da gestern passiert ist. Das macht mich überglücklich, ich kann nur noch so strahlen wie die Sonne hier", sagte Geiger, der aber sogleich den Blick auf die nächsten Aufgaben lenkte: "Wir schauen vorwärts. Das war nur die erste Schanze, jetzt kommen noch drei, und die haben alle ihre eigenen Herausforderungen."

Die nächste wartet in Garmisch-Partenkirchen, wo an Silvester die Qualifikation und an Neujahr das zweite Springen (jeweils 14:00 Uhr) ansteht.

Wird Garmisch-Partenkirchen zum Stolperstein?

Oft genug war die altehrwürdige Olympiaschanze von 1936 ein Stolperstein für deutsche Springer auf dem Weg zum Tourneesieg, seit Sven Hannawald am 1. Januar 2002 hat dort kein Deutscher mehr gewonnen. Hannawald sorgte damals fünf Tage später auch für den letzten deutschen Tourneesieg - die Chance, dass er endlich seinen Nachfolger findet, scheint nun groß wie nie.

"Man muss von Tag zu Tag schauen, und ich nehme die Favoritenrolle an", sagte Geiger nach seinem siebten Weltcupsieg. Das sind fünf mehr als sein Coach Horngacher hat, der seinem Topspringer den Riesen-Wurf zutraut: "Karl ist in einem Flow, und er hat natürlich das Zeug dazu, das jetzt durchzuziehen. Und so ein Auftaktsieg in Oberstdorf nimmt natürlich auch den Druck von der ganzen Mannschaft. Aber es gibt starke Konkurrenz. Stoch, Lindvik, Granerud - auch der Markus ist dran."

Der Markus, Eisenbichler nämlich, war der zweite große deutsche Gewinner des Auftaktspringens. Im zweiten Durchgang sprang er fünfeinhalb Meter weiter als jeder andere an diesem Tag, rettete sich damit noch auf Platz fünf und darf ebenfalls auf den Gold-Adler hoffen. Zunächst aber sieht sich Eisenbichler als Co-Pilot seines Kumpels Geiger. "Ich werde ihn unterstützen, wo ich kann", sagte "Eisei", den Geigers Wahnsinns-Auftritt schwer beeindruckte: "Der Karle ist einfach ein cooler Hund."

Geigers Wochen werden zum "Auf und Ab"

Und das ist wahrscheinlich nach dem turbulentesten Monat in Geigers Leben noch hoffnungslos untertrieben. Anfang Dezember stieg er kurz aus dem Weltcup aus, um bei seiner hochschwangeren Ehefrau Franziska zu sein, ließ sie dann kurz in Oberstdorf zurück, um mal eben in Planica Skiflug-Weltmeister zu werden.

Zwei Tage danach kam Töchterchen Luisa auf die Welt, wiederum zwei Tage später schickte ihn ein positiver Coronatest in Quarantäne, die Geiger im letzten Moment vor der Tournee beendete - um dann eiskalt zum Sieg zu springen.

"Ich weiß auch nicht, wie so etwas geht. Die vergangenen Wochen waren ein einziges Auf und Ab, es ist alles schwer in Worte zu fassen", sagte Geiger. Der einzige Wermutstropfen: Die Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2020 fand bereits bis Anfang Dezember statt - Geigers Wintermärchen kann also erst 2021 richtig gewürdigt werden.

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