powered by powered by N-TV
Heute Live
sport.de - powered by powered by N-TV

"Ja, wir sind gescheitert"

Vettel über einen Rücktritt, Hamilton, Mick und Ferrari

20.12.2020 09:46
Die Ära Sebastian Vettel bei Ferrari endete ohne Saisonsieg
© HOCH ZWEI/Pool/COLOMBO IMAGES
Die Ära Sebastian Vettel bei Ferrari endete ohne Saisonsieg

Für Sebastian Vettel lief das letzte Jahr bei Ferrari mehr schlecht als recht. Schon frühzeitig deutete sich an, dass die Ehe zwischen dem Heppenheimer und dem Traditionsrennstall unschön enden wird. Dass der vierfache Weltmeister der Formel 1 2021 dennoch erhalten bleibt, war nicht immer klar.

Dass Vettel und Ferrari am Ende der Saison 2020 getrennte Wege gehen würden, war schon lange vor dem ersten Saisonrennen in Österreich klar. Bereits im Mai verkündete der Rennstall das Ende der Zusammenarbeit, rund zwei Monate vor dem Saisonauftakt.

Der frühe Zeitpunkt hinterließ beim Heppenheimer durchaus Spuren, wie er in einem Interview mit dem Schweizer "Blick" erklärte: "Natürlich waren von diesem Tag an die Vorzeichen für die neue Saison schon anders als in den früheren Jahren." Noch trauriger, so Vettel, seien rückblickend allerdings die schlechten Leistungen in diesem Jahr gewesen: "Wir haben ja kein konkurrenzfähiges Auto gehabt."

Vettel über die Ferrari-Zeit: "Ja, wir sind gescheitert"

Sein großes Ziel, den WM-Titel mit Ferrari zu gewinnen, hat Vettel mehr oder weniger deutlich verpasst. "Ja, wir sind gescheitert. Das ist am Ende des Tages leider die Bilanz. [...] Aber man sollte den verpassten Zielen nie lange nachweinen", sagte der vierfache Weltmeister, der in der nächsten Saison für Aston Martin ins Cockpit steigen wird. 

Gerüchten, nach denen Charles Leclerc in dieser Saison das bessere Material zur Verfügung gestellt bekam und auch deswegen erfolgreicher war, widersprach Vettel eher halbherzig. "Theoretisch fahren wir natürlich zwei verschiedene Autos, aber irgendwo auch das gleiche. Sagen wir es mal so: ich gehe davon aus, dass wir das gleiche Material hatten." Er vertraue den Verantwortlichen und "möchte da niemandem etwas Böses anhängen", sagte der Deutsche.

Vettel dachte über Rücktritt nach

Nachdem sein Vertrag bei Ferrari nicht verlängert wurde, war Vettel viele Monate auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Nicht selten wurde gar über sein Formel-1-Aus spekuliert. Ein Gedanke, mit dem sich auch der Heppenheimer auseinandersetzte.

"Da ich bei Ferrari keine Zukunft mehr hatte, tauchte natürlich sofort die Frage auf: Was machst du 2021? Und da die großen Cockpits alle belegt waren, habe ich schon lange nachdenken müssen. Da schließt man natürlich auch einen Rücktritt nicht aus", gestand der 33-Jährige.

Letztlich sei er aber zu dem Entschluss gekommen, "dass noch etwas in mir schlummert. Und so kamen dann eben die Kontakte zum neuen Team von Aston Martin".

Vettel: Hamilton motivierte mich zum Weitermachen

In der vielleicht schwersten Saison seiner Karriere erhielt Vettel nicht nur von seiner Familie, sondern auch von einem Kollegen besondere Unterstützung. "Gerade nach den schlechten Nachrichten im Frühjahr hat mich Lewis angerufen. Wir führten dann noch einige Gespräche oder schrieben uns. Er hat mich immer aufgemuntert und zum Weitermachen motiviert", berichtete der vierfache Weltmeister. 

Grundsätzlich könne er die Kritik an seinen Leistungen nachvollziehen, sagte Vettel, aber: "Man ist nie so gut, wie die Leute sagen – und man ist aber auch nie so schlecht, wie die Leute sagen. Da muss man selbst die goldene Mitte finden. Klar, manchmal haben die Kritiker recht, aber manchmal eben nicht." Dass auch er einige Fehler gemacht habe, stehe außer Frage: "Darüber müssen wir gar nicht diskutieren."

Vettel erwartet Probleme für Schumacher

2021 wird Vettel nach einem "einsamen" Jahr in der Königklasse nicht mehr der einzige deutsche Pilot im Paddock sein. Mit Mick Schumacher gibt es einen Neuzugang, auf den sich auch der Heppenheimer freut: "Ich freute mich riesig, als er das Cockpit bei Haas bekommen hat. Ein verdienter Aufstieg nach dem tollen Formel-2-Meistertitel."

Allerdings, erklärte Vettel weiter, sei klar, "dass es kein einfaches Jahr werden wird, dass er nicht mit dem Knaller der Formel 1 unterwegs ist". Sollte Mick Schumacher Hilfe brauchen, so könne er "jederzeit zu mir kommen. Ich bin für ihn da – wie es einst sein Vater Michael für mich war. Jetzt kann ich etwas zurückgeben", sagte Vettel.