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Probleme mit der MGU-K bei beiden Weltmeister-Autos

Warum die Mercedes-Fahrer nicht Bescheid wussten

15.12.2020 09:22
Gegen Max Verstappen (M.) war für Mercedes in Abu Dhabi kein Kraut gewachsen
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Gegen Max Verstappen (M.) war für Mercedes in Abu Dhabi kein Kraut gewachsen

Das Mercedes-Team hat den Sieg beim Formel-1-Saisonfinale 2020 in Abu Dhabi nicht wegen den technischen Problemen mit der MGU-K verloren. Davon ist der Leitende Renningenieur Andrew Shovlin überzeugt: "Wir haben das Rennen schon am Samstag verloren", analysiert er. "Um eine Chance auf den Sieg zu haben, hätten wir auf Pole stehen müssen."

Doch dafür hat letztendlich die Pace gefehlt. Max Verstappen hatte auf der Ziellinie 16,0 Sekunden Vorsprung auf Valtteri Bottas. Das heißt, dass er ab dem Re-Start in Runde 14 um durchschnittlich 0,38 Sekunden schneller war als der bestplatzierte Mercedes.

Ergo können auch die technischen Probleme mit leistungsgedrosselten MGU-K nicht entscheidend gewesen sein, denn: "Das hatte nur geringe Auswirkungen auf die Rundenzeit", erklärt Shovlin. "Das hat sicher für das Rennergebnis keinen Unterschied gemacht. Wir reden da von deutlich weniger als einer Zehntelsekunde. Also sicher nicht der Unterschied zwischen Erster und Zweiter."

Das erklärt womöglich auch, warum Mercedes den Fahrern offenbar nicht einmal mitgeteilt hat, dass es in Zusammenhang mit der MGU-K überhaupt ein Problem gab. Toto Wolff verriet dies am Samstag im deutschen Teil seiner Zoom-Medienrunde. 

Peinliche Situation in der FIA-PK

Die dürfte dann Verstappen aufgeschnappt haben, und der überrumpelte die beiden ahnungslosen Mercedes-Fahrer in der FIA-Pressekonferenz nach dem Rennen damit: "Vielleicht wollen sie euch das einfach nicht sagen!" Bottas und Hamilton saßen leicht bedröppelt daneben und wussten nicht, was sie sagen sollten.

Wie dem auch sei: Technisch habe man das Problem "noch nicht ganz verstanden", räumt Shovlin ein, "aber es gab in den letzten Rennen bei den Mercedes-Motoren einige Defekte in Verbindung mit der MGU-K". Daher habe man die Leistung der MGU-K "so konservativ" betrieben, "wie wir können, um etwaige Probleme zu verhindern".

"Wenn du die Ursache eines Problems nicht ganz genau verstehst, bleibt dir nichts anderes übrig als ein bisschen konservativ zu sein. Also haben wir versucht, die Last im Rennen marginal zu reduzieren. Es stimmt, dass die Fahrer das vielleicht gar nicht mitbekommen haben. Das war ein Thema, das wir im Hintergrund versucht haben zu regeln."

Shovlin unterstreicht, dass Red Bull "das ganze Wochenende die Oberhand hatte", die Ursachen dafür aber seiner Meinung nach nicht im Bereich der Power-Unit zu suchen sind: "Überraschend war, dass wir am Freitag noch gut ausgesehen haben. Wir sind unser eigenes Programm mit den 2021er-Reifen gefahren, und das war ein bisschen anders als das, was alle anderen gemacht haben."

Alle anderen Teams spulten die Pflichtübung mit den 2021er-Pirelli-Prototypen gleich zu Beginn ab. Mercedes hingegen drehte zwar auch zu Beginn einen Run, ging aber am Ende der Session, als der Grip am höchsten war, noch einmal damit raus. So konnte man repräsentativere Daten sammeln als alle anderen.

Reifentests nicht für Formtief verantwortlich

"Wären wir am Freitag im Hintertreffen gewesen, könnte man sagen, dass wir diesen Reifen zu viel Zeit gewidmet haben. Aber dem war ja nicht so - wir waren im Gegenteil sehr schnell. Noch dazu wurde Lewis eine Runde gestrichen. Er hat durch die Track-Limits nicht groß Zeit gewonnen, aber das wäre eine sehr schnelle Runde gewesen. Also waren wir am Freitagabend ganz entspannt."

Das einzige Fragezeichen, das am Freitagabend noch offen war, war die Longrun-Pace, erklärt Shovlin. Das ging aber allen anderen Teams auch so, wegen der Unterbrechung des zweiten Freien Trainings nach dem Motorenfeuer bei Kimi Räikkönen.

"Aber das böse Erwachen kam am Samstagmorgen", erinnert sich Shovlin. "Wir gingen raus und wir waren langsam, obwohl wir nicht viel umgestellt hatten. Wir wussten, dass der Soft ein heikler Reifen ist, den wir manchmal ins richtige Temperaturfenster bekommen, manchmal auch nicht. Aber der ganze Samstag war ziemlich schwierig."

"So gesehen finde ich, dass Zweiter und Dritter, so knapp hinter der Pole, ein gutes Ergebnis war. Aber es war ein Rennen, bei dem man auf Pole stehen musste, wenn man es gewonnen wollte. Auch wenn wir sehr optimistisch waren, dass unser Renntempo stark sein würde. Normalerweise ist unser Renntempo ja stark, der Reifenverschleiß dafür aber hoch."

"Es stellte sich heraus, dass wir nicht den Speed hatten, um es mit Red Bull aufzunehmen. Also steckten wir auf dem zweiten und dritten Platz, ohne denen das Leben wirklich schwierig machen zu können", sagt Shovlin. "Vor dem Wochenende hätten wir damit nicht gerechnet. Aber Red Bull hat gute Arbeit geleistet, und wir müssen schauen, was wir in Zukunft besser machen können."