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Schalke-Krise "kolossal belastend"

Schneider gibt Fehler bei Wagner zu - Endspiel für Baum?

13. Dezember 2020 08:58
Jochen Schneider schleißt einen Rücktritt beim FC Schalke 04 aus
Jochen Schneider schleißt einen Rücktritt beim FC Schalke 04 aus
Foto: © Elmar KREMSER/SVEN SIMON

Nach 18 Spielen ohne Sieg trennte sich der FC Schalke 04 im September 2020 von Trainer David Wagner. Knapp drei Monate später warten die Königsblauen immer noch auf einen Dreier. Sportvorstand Jochen Schneider blickte nun selbstkritisch auf das Wagner-Aus zurück, deutete zudem ein Endspiel für Nachfolger Manuel Baum an und gab emotionale Einblicke in seine Gefühlswelt.

"Rückblickend betrachtet war es nicht die richtige Entscheidung", sagte Schneider mit Blick auf das lange Festhalten an Wagner in einem Interview mit der "Bild am Sonntag".

"In der Situation selbst war ich davon überzeugt, mit David Wagner weiterzumachen und damit den richtigen Weg zu gehen, insbesondere wenn die Mannschaft wieder komplett und top fit ist", erklärte der 50-Jährige weiter.

Im Nachhinein sei man "immer schlauer. Aber ich bin keiner, der sagt: Ich mache keine Fehler oder ich treffe keine falschen Entscheidungen", betonte Schneider.

Doch auch unter Nachfolger Baum bleibt der S04-Erfolg aus. Seit 26 Spielen wartet der Revierklub nun auf einen Sieg. Die Partie gegen den FC Augsburg am Sonntag könnte bereits zum Endspiel für den neuen Schalke-Coach werden.

Auf die Frage, wie viele Punkte Baum gegen Augsburg, den SC Freiburg und Arminia Bielefeld holen müsse, um nicht gefeuert zu werden, antwortete Schneider: "Für mich geht es jetzt nicht um diese drei Spiele als Block. Es geht jetzt allein um die Partie in Augsburg. Nur darauf liegt unser aller Fokus." Klingt nicht danach, als hätte Baum bei einer weiteren Niederlage noch eine Zukunft als Schalke-Trainer.

Schneider schließt Rücktritt aus

Die Talfahrt des FC Schalke 04 belastet Schneider auch in seinem privaten Leben. "Das macht schon viel mit einem. Das komplette Leben leidet darunter, wenn man in so einer langen Serie der Erfolglosigkeit steckt", gab der Sportvorstand offen zu.

Das betreffe jeden Fan und jeden, der für Schalke arbeitet. "Es ist schon kolossal belastend. Ich merke, wie die Situation mein komplettes Leben belastet", so Schneider.

Ein Rücktritt kommt für den 50-Jährigen allerdings nicht in Frage. "Aufgeben ist für mich keine Option. Ich werde nicht davonrennen", stellte er klar: "Ich spüre die Verantwortung für den Verein, für die Mitarbeiter, für die Fans und auch für die Spieler."

Dass Schneider nach wie vor Vertrauen vom Verein genießt, ist für ihn nicht selbstverständlich. "Ich hätte jegliches Verständnis, wenn man sagt, dass ist nicht gut genug", betonte er.

Plant der FC Schalke 04 schon für die 2. Bundesliga?

Mit gerade einmal drei Punkten aus zehn Spielen rangiert Schalke auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Aus sportlicher Sicht verschwenden die Knappen aber noch keinen Gedanken an die 2. Bundesliga.

"Die andere Ebene ist, dass ein Zweitliga-Szenario für Schalke und viele andere Bundesligisten nichts Unbekanntes ist", stellte Schneider klar. Im Zuge der Lizensierung im März jeden Jahres reiche der Revierklub, wie auch viele andere Erstligisten, ein Zweitliga-Szenario ein, wenn ein Abstieg rein rechnerisch noch möglich ist.

"Im Rahmen dessen werden auch die notwendigen Zahlen und Maßnahmen zusammengetragen, um gegebenenfalls einen Spielbetrieb in der zweiten Liga realisieren zu können", erklärte Schneider: "Natürlich kann niemand erwarten, mit einem Erstliga-Etat in die 2. Liga zu gehen - dazu ist eine deutliche Reduzierung der Kostenstrukturen notwendig. Wir arbeiten intensiv an Lösungen und tun alles dafür, in beiden Szenarien gut aufgestellt zu sein."

 

Schneider erklärt Harit-Verlängerung

In dem Interview sprach Schneider auch über Problem-Profi Amine Harit. Erst vor einem Jahr hatte Schalke mit dem Marokkaner verlängert, seitdem ist er immer wieder durch Undiszipliniertheiten negativ aufgefallen.

"Weil Amine ein junger Spieler mit großem Potenzial war - und ist -, der damals nur noch anderthalb Jahre Vertrag hatte", erklärte der Funktionär die Verlängerung mit dem 23-Jährigen: "Das heißt, er wäre im Sommer 2020 in seine letzte Saison gegangen. Wenn er dann im Sommer 2021 möglicherweise ablösefrei gegangen wäre, hätten Sie gefragt: Warum haben Sie mit Jungen nicht verlängert?"

Mit der Tatsache, dass es bei Harit "nicht so gelaufen ist, wie sich das alle vorgestellt haben", müsse man auf Schalke leben. "Amine hat, wie auch alle anderen, kein gutes Jahr hinter sich. Wir sind alle angehalten, insbesondere Amine, wieder die Leistung zu zeigen, die dazu geführt hat, dass er vor einem Jahr einen neuen Vertrag unterschrieben hat", nahm Schneider den Angreifer in die Pflicht.

Schneider wehrt sich gegen Kritik der Ultras

Die Kritik der Ultras Gelsenkirchen an der Vereinsspitze hat Schneider erneut teilweise zurückgewiesen. "Kein Verständnis" habe er, "wenn ein Einzelner herausgepickt wird und dann verantwortlich gemacht wird. Insbesondere im Fall von Alexander Jobst, der einen überragenden Job in seinem Bereich macht und sicherlich zu den allerbesten zählt, die es auf dem Gebiet in der Bundesliga gibt", sagte der Sportvorstand.

Teile der Fans des Tabellenletzten hatten die Klubführung zu personellen Konsequenzen aufgefordert und besonders Marketing-Vorstand Jobst angegriffen. Die Fangruppierung verwies zudem auf die rassistischen Äußerungen des mittlerweile zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies und die "Härtefallregelung" für die Erstattung bereits gezahlter Eintrittsgelder für die Geisterspiele. Der Schalker Vorstand hatte bereits zuvor Angriffe vor allem auf den Marketingvorstand Jobst energisch zurückgewiesen.

"Wofür ich allergrößtes Verständnis habe, ist für den von den Ultras oder anderen Fans geäußerten Unmut über die sportlichen Leistungen und Ergebnisse der letzten Monate", sagte Schneider. Gleiches gelte "für einige Fehler, die wir außerhalb des Rasens zu verantworten haben". Der 50-Jährige hofft auf eine Klärung durch ein Gespräch mit den Fans. "Das ist immer möglich, diesen Raum für Kritik muss es geben", sagte er.

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