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Snowboard-Stars vor Saison mit Hindernissen

09.12.2020 14:53
Ramona Hofmeister will wieder angreifen
© Stida/Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de
Ramona Hofmeister will wieder angreifen

Die deutschen Snowboard-Stars Ramona Hofmeister und Selina Jörg starten am Wochenende mit Verzögerung in die neue Saison. Diese ist wegen Corona gekennzeichnet von großer Unsicherheit.

Am Mittwochmittag hat Ramona Hofmeister in ihrer neuen Wohnung in Bad Reichenhall dann mal ihre Tasche packen können. Endlich. "Ja," betont die weltweit beste Snowboarderin des vergangenen Winters vor der Abreise zu den ersten Weltcup-Rennen der Saison in Cortina d'Ampezzo, das "tut dann schon gut." Es verschafft nicht nur ihr nach einem Sommer und einem Herbst, die stark geprägt waren von Corona, ein bisschen Sicherheit in Zeiten großer Ungewissheit.

Das Virus hat bei der überragenden Gesamtweltcup-Siegerin Hofmeister einiges über den Haufen geworfen, außerdem stärker, als bislang angenommen. Bei einem Lehrgang am Stilfser Joch im Oktober steckte Selina Jörg, Weltmeisterin und Olympia-Zweite 2018 im Parallel-Riesenslalom, die damalige Zimmerkollegin an: "Das ist", berichtet Hofmeister (24) im Gespräch mit dem "SID", "im ersten Moment schon ein Schock". Zum Glück blieb es bei ihr bei leichten Symptomen.

Für Jörg war die Sache gleich doppelt unangenehm. Erst der positive Test, "da haut's einem schon die Kinnlade runter, und dann auch noch die Zimmerkollegin angesteckt", das alles sei dann "psychisch schon herausfordernd". Ein bisschen nervös ist Jörg noch immer vor jedem Pflichttest - und diesmal kam noch weitere Aufregung hinzu: Die Teststation in Österreich, die Deutschlands Snowboarder am Mittwoch ansteuern wollten, war eingeschneit, also: Alle nochmal schnell daheim zum Test.

WM-Absage "ein Schlag in die Magengrube"

Die Auswirkungen der Pandemie prägen somit weiter den Alltag Besonders einschneidend für Hofmeister und Jörg: Die WM 2021, die auf dem Olympia-Berg für die Spiele 2022 in Peking hätte stattfinden sollen, wurde vergangene Woche abgesagt - ob und wo und wie sie trotzdem ausgetragen wird, ist unklar. "Diesen Traum habe ich erst mal gestrichen", sagt Hofmeister betrübt, "ich würde mich riesig freuen, wenn die WM stattfinden würde, aber ich stelle mich jetzt nicht darauf ein."

Für Jörg (32) war die Absage der WM sogar "ein Schlag in die Magengrube", wie sie im Gespräch mit dem SID berichtet. "Ich habe mich hundertprozentig darauf gefreut", denn: Der Hang dort "kommt mir extrem entgegen", die WM "wäre für mich der absolute Höhepunkt gewesen", eine Medaille "war das Ziel". Deshalb habe sie die Absage im ersten Moment "schon ziemlich runtergezogen, das war echt bitter". Aber: "Hilft ja nichts, wir müssen es jetzt eben so nehmen, wie es kommt."

Für Hofmeister wäre eine WM "eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass die vergangene Saison nicht einmalig war - was ja viele Leute gesagt haben". Sechs Einzelsiege im Weltcup, zwei in den Teamwettbewerben - das sind Dimensionen, wie sie nur Superstar Ester Ledecka (Tschechien) erreicht hat. Und dennoch betont Hofmeister: "Ich glaube schon, dass ich das nochmal schaffen kann." Sofern Corona es zulässt. "Ich nimm's, wie's kommt. Ich kann's eh nicht ändern", sagt die Olympia- und WM-Dritte.

Eines stellt Hofmeister aber schon mal klar: "Ich sehe mich nicht als die Gejagte. Auch für mich geht es wieder bei null los." Druck verspürt sie angeblich keinen, diese so grandiose vergangene Saison gebe ihr eher Grundvertrauen in das eigene Können, "eine Leichtigkeit und zusätzliche Motivation". Und damit ein wenig Gewissheit in Zeiten großer Unsicherheit.