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Mercedes-Teamchef warnt vor zu hoher Erwartungshaltung

Toto Wolffs wichtiger Ratschlag an Mick Schumacher

07.12.2020 21:26
Mick Schumacher (l.) wird 2021 als Formel-1-Stammfahrer bei Haas debütieren
© Hartenfelser
Mick Schumacher (l.) wird 2021 als Formel-1-Stammfahrer bei Haas debütieren

Nach dem Titelsieg in der Formel 2 am vergangenen Wochenende stehen bei Mick Schumacher alle Zeichen auf Königsklasse. Am kommenden Freitag wird er sein erstes Freies Training in einem Formel-1-Auto bestreiten, nachdem die geplante Premiere auf dem Nürburgring Anfang Oktober buchstäblich ins Wasser fiel.

Es wird auch das erste Mal sein, dass der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher den aktuellen Boliden des US-amerikanischen Haas-Teams pilotieren wird, bei dem für die kommende Formel-1-Saison als Stammfahrer unterschrieben hat.

Experten, Kollegen und Fans erwarten sein Debüt mit Spannung. Doch Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnt: "Wir dürfen Mick nicht zu sehr beschleunigen, weil dann wird die Erwartungshaltung der Fans viel zu hoch", sagt er bei einem Medientalk des Abosenders "'Sky".

Toto Wolff: Müssen Mick Schumacher Zeit geben

Für Fragen, wann der Schumi-Sohn zu Ferrari oder Mercedes wechseln werde, sei es schlichtweg zu früh. "Mick hat jetzt die Formel 2 gewonnen. Das ist wieder ein Zeichen, dass er in der Lage ist, ein guter Rennfahrer zu werden. Auch in der Formel 1. Jetzt muss man ihm mal ein bisschen Zeit geben, diese ersten Schritte zu machen."

"Er ist bei Haas in einem Team, das manchmal gute Akzente setzen kann, aber nicht regelmäßig", urteilt Wolff. "Simone Resta wird hoffentlich dazu beitragen können." Der aktuelle Leiter der Chassis-Abteilung bei Ferrari wechselt 2021 zu Haas.

Dort müsse sich Schumacher zunächst dem Vergleich mit dem eigenen Teamkollegen Nikita Masepin stellen, der ebenfalls ein Rookie ist. "Jetzt muss man ihm einfach zwei, drei Jahre geben, um sich dort zu entfalten. Vielleicht kriegt er dann ja eine Chance in einem Ferrari. So wie George Russell das bei uns bekommen hat."

Ralf Schumacher: "Sind bei Haas, nicht Mercedes"

Der Williams-Pilot ist Teil des Juniorprogramms von Mercedes und durfte am Wochenende für den positiv auf Corona getesteten Lewis Hamilton einspringen. Dabei schlug er sich beachtlich und verpasste den Sieg nur aufgrund von Fehlern des Teams.

Schumacher traut Wolff eine ähnliche Entwicklung zu: "Wie man so schön sagt: The World is his Oyster (Die Welt steht ihm offen; Anm. d. R.). Er hat so viel Zeit, sich zu entwickeln, und ich glaube, er kann eine Karriere in der Formel 1 machen."

Ralf Schumacher, Formel-1-Experte bei 'Sky', pflichtet ihm bei. Auch er warnt vor überzogenen Erwartungen. "Das liegt ja auch so ein bisschen an uns. Man muss ja nicht übertreiben, die Erwartung muss realistisch sein. Wir reden über Haas, nicht über Mercedes. Das darf man nicht vergessen", ordnet er die Situation ein.

Erstes Ziel: Den eigenen Teamkollegen schlagen

"Da wird sicherlich der erste Fokus sein, sich ans Team zu gewöhnen. In Günther Steiner hat er menschlich auf jeden Fall mal einen super Teamchef, der auf junge Fahrer eingehen kann und wird, der ihn da auch hinbringen wird. Dasselbe gilt für Masepin." Sich mit ihm teamintern zu messen und besser zu sein, darauf liege das Hauptaugenmerk.

Angesprochen auf den Titelgewinn in der Formel 2, der am Ende doch noch zur Zitterpartie wurde, sagt Ralf Schumacher: "Das letzte Rennen, hat er selbst gesagt, war schwer. Aber nicht nur für ihn. Das ging ja wirklich rauf und runter für alle Fahrer."

"Und er hat Nerven behalten, hat keine großen Fehler gemacht - ein paar Flatspots hat er sich eingefangen, war vielleicht etwas übermotiviert in den ersten zwei Kurven. Aber so ist das halt. Und ich muss sagen: grandiose Saison", lobt er seinen Neffen.

Timo Glock lobt Mick Schumachers Nervenstärke

"Am Anfang hat er es schwer gehabt und da gab es ja auch wirklich wieder eine Stimmung im Fahrerlager gegen ihn, die teilweise unter aller ... war. Und das hat er jetzt super gemacht: Er hat die Formel 3 gewonnen, die Formel 2 gewonnen, in der Formel 4 war er Vizemeister. Damit ist, glaube ich, beantwortet, dass er es verdient hat."

In dem Zusammenhang ordnet Timo Glock, der die Formel 1 bei Sky im Wechsel mit Ralf Schumacher begleiten wird, Micks Nervenstärke als besonders gut ein. "Der Druck, der schon auf ihm gelastet hat die letzten Jahre, war schon immens. Sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, das, finde ich, ist seine Stärke", findet Glock.

"Zu sagen, nein, ich lasse mich nicht unter Druck setzen nach dem ersten Jahr. Ich nehme mir das erste Jahr, versuche zu verstehen, wie ich die Dinge anzugehen habe, was ich brauche, um schnell zu sein. Das hat schon sehr gut gemacht und ist seinen Weg gegangen."

Haas das richtige Team, um sich einzugewöhnen

Von außen sehe es immer aus, "als würde er den Druck so wegschieben, und das kriegt er gefühlt ganz gut hin", sagt Glock weiter. "Klar, die Formel-2-Meisterschaft willst du natürlich auf einem anderen Wege gewinnen, nicht so. Aber trotzdem, er hat über das Jahr hinweg einen sehr, sehr guten Job gemacht und hat es verdient."

Mit Blick auf Schumachers Formel-1-Debüt stuft auch Glock Haas als gute Option ein, um Fuß zu fassen: "Er kommt von einem Formel-2-Team, da sind vielleicht fünf bis zehn Leute an seinem Auto. Das wird jetzt dreimal so viel sein. Da wird eine Menge von Daten und Informationen auf ihn einprasseln. Das muss man erstmal verarbeiten."

Mit Haas werde der Schumi-Sohn nächstes Jahr kein Podium einfahren. "Wenn sie gut aufgestellt sind vielleicht Punkte", glaubt der Experte. "Aber das ist der richtige Weg, in die Formel 1 reinzukommen und die Struktur und das Team zu verstehen, wie die Arbeitsabläufe sind. Das passt, glaube ich, für seinen Weg sehr, sehr gut."

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