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Wird Vetter Deutschlands erster Welt-Leichtathlet?

03.12.2020 13:16
Johannes Vetter hat noch einiges vor
© Chai von der Laage via www.imago-images.de
Johannes Vetter hat noch einiges vor

Auch ohne Olympia lieferte Speerwerfer Johannes Vetter die Saison seines Lebens ab, kratzte am Weltrekord - und kann jetzt als erster Deutscher Weltleichtathlet werden.

Johannes Vetter freut sich schon auf das Kaffeekränzchen. Der Speerwerfer mit dem bärenstarken rechten Arm wird seiner Schwester am Samstag zum Geburtstag gratulieren und "vielleicht gibt es auch ein Stück Kuchen". Ganz nebenbei könnte der 27-Jährige quasi auf dem Sofa auch noch Leichtathletik-Geschichte schreiben.

Denn Vetter, der trotz all der Widrigkeiten um Corona sportlich die beste Saison seiner Laufbahn hingelegt hat und ohne Olympia-Motivation reihenweise über 90 Meter schmiss, steht unter den fünf Finalisten bei der Wahl zum Weltleichtathleten des Jahres. Noch nie trug ein deutscher Athlet diesen Titel. Als Titelfavorit sieht sich der Ex-Weltmeister bei der virtuellen Gala des Weltverbandes (16 Uhr/Livestream auf dem Youtube-Kanal von World Athletics) aber nicht.

"Klar, in diesem erlesenen Kreis zu sein, ist eine enorme Wertschätzung meiner Leistung", sagte Vetter den "Stuttgarter Nachrichten": "Aber da sind so viele Hochkaräter dabei, dass ich mir keine großen Chancen ausrechne."

Doch verstecken muss sich Vetter vor Stabhochsprung-Überflieger Armand Duplantis (Schweden) oder dem neuen Laufstar Joshua Cheptegei (Uganda) auch nicht. Schließlich sorgte der Sportsoldat mit seinem Wurf auf 97,76 Meter im polnischen Chorzow für eine der spektakulärsten Leistungen des Jahres, nur Weltrekordler Jan Zelezny (Tschechien) warf mit dem neuen Speer jemals weiter - und das lediglich um 72 cm. Für Vetter gilt jetzt: Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Vetter spricht von "geilem Gefühl"

Einfach nur zu wissen, "dass ich in der Lage bin, Weltrekord zu werfen, ist schon ein absolut geiles Gefühl", sagte Vetter, der im vierten Jahr in Serie die magische 90-Meter-Marke knackte. Das gelang zuvor nur drei Werfern Längst ist Vetter, der sich in Offenburg für die Freien Wähler in der Kommunalpolitik engagiert, aber mit den Gedanken im Jahr 2021. In Tokio soll Olympia-Gold her. Im Optimal-Fall mit Weltrekord. "Allerdings würden mir dort auch 88 Meter reichen - wenn ich damit Gold hole", sagte Vetter, der hofft - wie in diesem Jahr - ohne größere Wehwehchen durch die Schinderei im Training zu kommen.

Olympia - das ist natürlich Vetters großes Ziel. Was ihm dieses Jahr wegen Corona verwehrt geblieben ist, soll 2021 folgen. In Tokio zählt nur der Platz ganz oben auf dem Treppchen. "Alles andere wäre unglaubwürdig", sagte der Weltmeister von 2017, der auch davon träumt, wie einst DDR-Athlet Uwe Hohn den Speer über 100 Meter weit zu schmeißen. "In Chorzow haben 2,24 Meter gefehlt, deshalb würde ich sagen: Bei optimalen Bedingungen und einem weitgehend perfekten Wurf sind 100 Meter machbar", sagte Vetter: "Die Frage ist nur, ob beides jemals zusammenkommt."

Vetter geht mittlerweile fest davon aus, dass die Spiele trotz der Pandemie stattfinden werden. Für seinen Traum würde er auch eine Impfpflicht für die Athleten akzeptieren. "Der Stellenwert Olympischer Spiele ist so hoch, dass es daran bei mir nicht scheitern würde", sagte Vetter, es wäre "ein kleines Übel".

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