Anzeige
powered by Formel1.de

"Nichts gezeigt, bis das Okay kommt"

F1 verteidigt sich gegen TV-Kritik nach Grosjean-Crash

03.12.2020 12:48
Der Unfall wurde erst gezeigt, als klar war, dass es Romain Grosjean gut geht
© HOCH ZWEI/Pool/Kamran Jebreili
Der Unfall wurde erst gezeigt, als klar war, dass es Romain Grosjean gut geht

Die Formel 1 verteidigt ihre Entscheidung, nach dem Unfall von Romain Grosjean zahlreiche Wiederholungen gezeigt zu haben. Vor allem Daniel Ricciardo hatte sich nach dem Rennen in Bahrain kritisch gegenüber der Formel 1 geäußert und das Vorgehen als "abstoßend" und "respektlos" bezeichnet - auch vor dem Hintergrund, dass die Fahrer in Kürze wieder ins Auto steigen mussten.

Ein Sprecher der Königsklasse betont nun, dass man alle Protokolle eingehalten habe und erst Wiederholungen gezeigt habe, als klar war, dass Romain Grosjean ohne schwere Verletzung aus dem Auto gekommen ist.

"In der Formel 1 geht es dabei nicht um Entertainment. Es gibt ein paar Abläufe und Protokolle, bevor eine Entscheidung getroffen wird, eine Wiederholung zu zeigen", so der Sprecher. "Nach einem Unfall werden alle Onboards, Heli-Aufnahmen und so weiter gestoppt. Es gibt eine direkte Kommunikation zwischen Rennleitung und Übertragungszentrum."

Erst Okay, dann Replays

Bis zur Bestätigung, dass ein Fahrer okay sei, werde kein Material gezeigt. "In diesem Fall hat die Formel 1 Romain gezeigt, wie Romain ohne Helm bei den Einsatzkräften ist und mit Unterstützung läuft", so der Sprecher weiter.

Er erklärt: "Es gibt keine Replays von einem Unfall, bis es eine Bestätigung von der Rennleitung oder der FIA gibt, dass alle Personen (Fahrer, Streckenposten, Ärzte und so weiter) in Sicherheit sind. Erst dann laufen die Wiederholungen", heißt es im Statement.

Die Wiederholungen seien wichtig, damit sich der Zuschauer zusammen mit den Kommentatoren ein Bild machen kann, wenn über die Sicherheit von Grosjean, dem Halo, den Sicherheitsverbesserungen der FIA oder Updates aus dem Medical-Center gesprochen wird. "Es gibt einen dauerhaften Dialog zwischen der Formel 1 und der FIA und eine vernünftige Einschätzung für Zuschauer, Familien und Angehörige."

Steiner und Wolff verteidigen Vorgehen

Haas-Teamchef Günther Steiner kann in dem Vorgehen am vergangenen Sonntag nichts Falsches entdecken. "Man kann geteilter Meinung sein", sagt er, "aber meine Meinung ist: Wenn es gut ausgegangen ist und nichts Schlimmes passiert ist, warum sollte man es dann nicht zeigen, damit die Leute es verstehen?"

"Wie er da herausgesprungen ist, sah vielleicht ein bisschen dramatisch aus, aber es ging ja gut aus. Von daher ist das für mich in Ordnung", so Steiner. "Klar, wenn etwas Schlimmes passiert wäre, dann sollte man es nicht zeigen. Ich bin kein Experte in TV-Ethik, aber meiner Meinung nach war es gut, dass es gezeigt wurde."

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schließt sich den Worten an. Er meint, dass man in der modernen Welt ohnehin nichts mehr verstecken könnte. "Wenn die FOM es nicht zeigt, dann ist jemand mit einem Handy da und filmt es. Du musst transparent sein", sagt er. "Wenn du das nicht bist, dann riskierst du, dass jemand anderes etwas zeigt, das außerhalb deiner Kontrolle liegt."

Vettel: "Wir sind Menschen, keine Objekte"

Vielen Fahrern war jedoch vor allem ein Dorn im Auge, dass sie während der Unterbrechung quasi in Dauerschleife diesen Unfall zu sehen bekamen, obwohl sie in wenigen Minuten selbst wieder ins Auto steigen mussten. Nicht nur ein Fahrer hat nach dem Rennen zugegeben, dass er mit einem mulmigen Gefühl ins Auto geklettert ist.

"Ich finde nicht, dass man die Bilder immer und immer wieder zeigen muss", sagt etwa Sebastian Vettel. "Am Ende sind wir Menschen, die Rennen fahren, keine Objekte. Ich weiß, dass die Leute Autos in Flammen und Unfälle mögen, weil es aufregend ist. Im Auto selbst ist das aber nicht toll", ärgert sich der Ferrari-Pilot, der darauf verzichtete, sich die Bilder öfter anzusehen.

Max Verstappen hat derweil seine eigene Ansicht. Er kann nicht verstehen, wenn ein Fahrer nach dem Unfall von Grosjean gekniffen hätte: "Ich würde ihn rausschmeißen", stellt er klar. "Wenn der Kerl nicht fahren würde und ich Teamchef wäre, dann würde ich ihm sagen, dass er nie wieder in dem Auto sitzen würde."

"Ich hoffe, du wirst nie mein Teamchef", entgegnet Lewis Hamilton. "Ich hoffe, ich werde generell nie ein Teamchef", so Verstappen darauf. Dem kann Hamilton nur zustimmen: "Ich bedauere jeden, der in Zukunft für dich fahren wird."

Hamiltons Teamchef Toto Wolff hatte zuletzt bereits eingeräumt, dass sich Mercedes möglicherweise vom Rennen zurückgezogen hätte, wenn Grosjean bei dem Unfall etwas Schlimmeres passiert wäre.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige