Anzeige
powered by n-tv

Halo rettet dem Haas-Piloten das Leben

Grosjean hätte sich für den Tod entschieden

30.11.2020 15:10
Das Halo hat Romain Grosjean das Leben gerettet
© Andy Hone via www.imago-images.de
Das Halo hat Romain Grosjean das Leben gerettet

Als Romain Grosjean aus dem Flammenmeer klettert, ist nach bangen Sekunden klar: Einer der dramatischsten Unfälle der jüngeren Formel-1-Geschichte geht glimpflich aus. Auch, weil es ein System gibt, auf das die Fahrer eigentlich keine Lust hatten.

Es sind furchtbare Bilder, die der Grand Prix von Bahrain am Sonntag produziert: Schon wenige Sekunden nach dem Start des Nachtrennens schießt der Haas von Romain Grosjean mit 221 Kilometer pro Stunde in die Leitplanke, der Wagen wird in zwei Teile zerfetzt und geht in Flammen auf. Der Teil des Boliden, in dem der Franzose saß, steckt in der Leitplanke.

Nach quälend langen Sekunden rettet sich Grosjean aus dem Flammeninferno, nahezu unverletzt, während der deformierte Wagen völlig ausbrennt. Die Leitplanke ist völlig verformt, aufgerissen vom Auto. Am Ende rettet Grosjeans Leben wohl ein Bügel, über dessen Einführung 2017 sich viele Fahrer bitter beklagt hatten - auch und nicht eben leise: Romain Grosjean selbst. Der Franzose kann froh sein, dass er nicht selbst über Leben und Tod entscheiden durfte.

"Vor 15 Jahren wäre so ein Unfall anders ausgegangen", urteilte der ehemalige Formel-1-Pilot Ralf Schumacher über den Unfall. "Ohne Halo wäre der Fahrer hier wohl geköpft worden." RTL/ntv-Formel-1-Experte Felix Görner legte sich ebenfalls fest: "Der Cockpitschutz Halo hat ihm das Leben gerettet." Das Halo wird erst seit der Saison 2018 genutzt, es umgibt den Kopf des Fahrers und ist an drei Punkten mit dem Chassis verbunden.

"Verstehe nicht, warum wir es brauchen sollten"

Nun meldete sich auch Grosjean selbst vom Krankenbett - und bestätigte die Einschätzung der Experten. "Vor ein paar Jahren war ich nicht für den Halo, aber ich denke, er ist das Beste, was der Formel 1 passiert ist. Ohne ihn könnte ich jetzt nicht zu euch sprechen. Also danke." Max Verstappen, einst erbitterter Kritiker des Systems, gestand erleichtert ein: "Am Anfang war ich kein Fan von Halo, weil es nicht schön aussah, aber heute hat es ein Leben gerettet", betonte der Red-Bull-Pilot. Eine Diskussion über das System gibt es für ihn nicht mehr: "Nein, aus Sicherheitsgründen ist es sehr gut."

Der Kopfschutz war nach dem fatalen Unfall von Grosjeans Kollegen Jules Bianchi eingeführt worden. Der Franzose verunglückte im Oktober 2014 beim Großen Preis von Osaka und starb neun Monate später an den Folgen der Verletzungen.

Als 2017 Halo unter maßgeblichem Druck des FIA-Bosses Jean Todt ab der folgenden Saison verpflichtend verabschiedet wurde, waren die Fahrer aber alles andere als begeistert, allen voran Max Verstappen: "Ich mag es nicht, aber letzten Endes muss man natürlich die Entscheidung der FIA respektieren", sagte Verstappen damals und erklärte seine Ablehnung: Seit wir das Virtuelle Safety-Car eingeführt haben, ist das Risiko bei Gelben Flaggen deutlich kleiner geworden. Hinzu kommen die Halteseile für die Räder, die sehr stark sind, weshalb man nicht mehr so leicht ein Rad verliert. Wenn Teile auf das Auto zufliegen, hilft es uns ohnehin nicht wirklich. Deshalb verstehe ich nicht, warum wir es überhaupt brauchen sollten."

Den Holländer, in der laufenden Saison Dritter der Fahrerwertung, störte vor allem der ästhetische Aspekt: "Sobald ich dieses Ding auf meinem Auto habe, mag ich es nicht. Die Aufregung ist somit schon dahin, bevor ich überhaupt einsteige", schimpfte Verstappen.

"So was gehört nicht in die Formel 1"

Kevin Magnussen, schon damals Grosjeans Teamkollege bei Haas, sah es genauso: "Ich stimme Max zu. Dadurch geht ein Teil der Leidenschaft, die die Formel 1 ausmacht, verloren. Man muss sich nur anschauen, wie hässlich das Auto damit aussieht. Formel-1-Autos sollten aber nicht hässlich sein. Deshalb ist ein Ferrari ja auch aufregender als ein Mazda. Das hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Wenn es beschissen aussieht, dann ist es beschissen..."

Der Deutsche Nico Hülkenberg, der für 2021 auf eine dauerhafte Rückkehr in die Formel 1 hofft, hatte Anfang 2018 prophezeit: "Ich denke nicht, dass Halo lange in der Formel 1 überleben wird", kündigte er an und erklärte: "Die Leute werden bemerken, dass es nicht wirklich nötig ist."

Romain Grosjean persönlich, damals wie heute Vorsitzender der Fahrergewerkschaft, machte die Entscheidung der Fia traurig: "Ich persönlich finde, dass es ein trauriger Tag für die Formel 1 war, als die Entscheidung verkündet wurde. Ich bin nach wie vor dagegen. Ich finde nicht, dass so etwas in die Formel 1 gehört", fügte aber immerhin diplomatisch an: "Aus meiner Sicht als GPDA-Mitglied und Vorsitzender muss ich der FIA für die Untersuchungen danken. Die waren wirklich aufwändig. Halo ist in vielerlei Hinsicht ein starkes Teil." Die FIA hatte zuvor über Jahre verschiedene Systeme getestet und sich schließlich für Halo, das offiziell den Namen "secondary roll structure" trägt, entschieden.

Nun, der Wirksamkeit des "starken Teils", von dem zahlreiche Fahrer 2017 alles andere als begeistert waren, verdankt der Franzose nun sein Leben. Der französische TV-Kommentator Julien Febreau berichtete von einer Nachricht, die er während des Rennens von Bianchis Mutter erhalten haben soll: "Was der Tod meines Sohnes damals angestoßen hat, hat heute seinen Freund Romain gerettet."

© n-tv
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige