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Neuer Vertrag beim FC Bayern?

Und plötzlich ist Boateng der beste Mann

26.11.2020 17:27
Boateng ist beim FC Bayern einer der zuverlässigsten Leistungsträger
© GEPA pictures/ Jasmin Walter via www.imago-images.
Boateng ist beim FC Bayern einer der zuverlässigsten Leistungsträger

Verträge machen den FC Bayern in diesem Jahr ziemlich wuschig. Verhandlungen mit Manuel Neuer und David Alaba verlaufen kompliziert. Und auch einer, mit dem gar nicht mehr verhandelt werden soll, wird zum Politikum: Jérôme Boateng. Der antwortet auf dem Platz.

Die "Sport Bild" hatte am Mittwoch einiges über den FC Bayern zu berichten. Es ging vorrangig um Niklas Süle, also um jenen Mann, dessen "Trainingsrückstand"-Fall in diesen Tagen unangenehm groß wird für die Münchner. Wie das Magazin berichtete, wachsen beim Rekordmeister die Zweifel an Süle, der doch eigentlich für die Rolle des neuen Abwehrchefs vorgesehen war. Es gibt demnach Zweifel daran, ob der 25-Jährige ein "Bayern-Profi" ist. Also jemand, der sich mit voller Professionalität seinem Job hingibt. Süle spiele daher in den kommenden Wochen auf Bewährung. Es geht auch um einen vorzeitig neuen Vertrag.

Verträge, die sind 2020 zu einem überraschenden Reizwort an der Säbener Straße geworden. Was in den vergangenen Jahren meist eher unter dem Radar der Öffentlichkeit ausgehandelt wurde, ist in diesem Jahr oft in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Und was da plötzlich auf dem medialen Meer Wellen schlug, das war wuchtig und für alle Beteiligten unangenehm.

Erst stressten sich die Verhandler mit Kapitän Manuel Neuer, dann folgte die schlammige Auseinandersetzung mit David Alaba (mit Thomas Müller lief's dagegen entspannt). Während eine weitere Zukunft mit dem Torwart trotz des ganzen und großen Unmuts ins Ziel gerettet werden konnte, sieht's bei Alaba eher schlecht aus. Und auch um Jérôme Boatengs Zukunft beim FC Bayern steht's laut "Sport Bild" nicht gut.

"Wissen, was er geleistet hat"

Doch das ist offenbar ziemlicher Kokolores. Oliver Kahn, der künftige Vorstandschef der Münchner, hält einen Verbleib von Boateng beim FC Bayern nämlich für möglich. "Natürlich sind wir in Kontakt mit Jérôme. Wir wissen, was er geleistet hat und was er in der Lage ist, zu leisten", sagte Kahn am Mittwochabend vor dem Champions-League-Spiel des Triple-Siegers gegen den FC Salzburg (3:1) bei "Sky" und kündigte an, "zum gegebenen Zeitpunkt Gespräche zu führen und zu einer fairen Lösung zu kommen."

Ähnlich hatte sich zuletzt bereits Sportvorstand Hasan Salihamidzic geäußert. Und Trainer Hansi Flick, der wünscht sich ohnehin, dass die Zusammenarbeit über den Sommer fortgesetzt wird.

Das kommt nicht überraschend, denn Boateng war in den vergangenen Monaten der beste Mann in der Abwehr. So auch beim Champions-League-Spiel gegen Salzburg. Gegen die eifrigen Österreicher war er stets entschärfend zugegen, lediglich beim späten Gegentreffer war er auch zu weit weg vom Torschützen Mërgim Berisha. Während Süle im Spiel nicht einmal auf der Bank Platz nehmen durfte - stattdessen strampelte er beobachtet von der "Bild" seine vermeintlich zu vielen Pfunde auf dem Ergometer weg - schwächelte Alaba in der Innenverteidigung links neben Boateng.

Er wirkte gerade in der ersten Halbzeit wackelig und nicht bei voller Konzentration. Wie etwa bei einer Salzburger Doppelchance in der 15. Minute, als er einen Fehlpass spielte, den der überragende Neuer gerade noch entschärfte. Es ist nicht der erste Wackler, den sich Alaba seit den geplatzten Verhandlungen mit seinem Noch-Arbeitgeber leistete. Flick lobte ihn via "Welt am Sonntag" zwar zuletzt noch: "David ist ein ganz feiner Mensch und genialer Fußballspieler. Er ist sehr beliebt in der Mannschaft und hält sie zusammen. David sollte Verantwortung übernehmen und selbst entscheiden, was für ihn wichtig ist." Doch weitere Aussetzer im Spiel werden auch dem Österreicher nicht auf Ewigkeit gestattet bleiben.

Boateng ist alternativlos

Geht es nach Trainer Flick, bleibt die Innenverteidigung so bestehen. Ohne Alaba und Boateng hätte der FC Bayern ab Sommer ohnehin ein Abwehrproblem - da stünden neue Einkaufstouren an. Denn mit Benjamin Pavard und Lucas Hernández haben die Münchner zwar zwei Defensive in ihren Reihen, die in der Innenverteidigung spielen können, doch sie werden eher auf den Außenbahnen gebraucht. Und Neuzugang Tanguy Nianzou ist (noch) keine Option, fehlte wochenlang wegen Oberschenkelproblemen.

Plötzlich hat Boateng also offenbar wieder beste Karten - trotz all der Turbulenzen in den vergangenen Wochen und Monaten (manche meinen gar Jahren). Seit mehr als neun Jahren ist Boateng beim FC Bayern, er hat mit dem Klub alles gewonnen. Er war Stammspieler, aussortiert, frustriert und von Ex-Präsident Uli Hoeneß zum "Fremdkörper" verurteilt, ist unter Flick wiedererstarkt. Damit hat er wohl mehr erlebt als die meisten seiner einfach immer guten Mitspieler. Womöglich bringt ihn das nun auch wieder weiter. Über das Lob von Flick - "Jérôme weiß mit Sicherheit Bescheid, wie ich das Ganze sehe und zu dem Ganzen stehe" - bis hin zu einem neuen Vertrag. Schließlich habe der FC Bayern laut Kahn immer ein Interesse daran, mit Spielern zu arbeiten, "die exzellente Leistungen zeigen - und Jérôme gehört dazu".

Tobias Nordmann/Anja Rau

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