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Wechsel-Spiel in der Offensive als großes Plus

Drei Kniffe: So coacht Favre den BVB zum Erfolg

27.11.2020 15:08
Lucien Favre hat nicht nur ein System beim BVB im Sinn
© Revierfoto via www.imago-images.de
Lucien Favre hat nicht nur ein System beim BVB im Sinn

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern eindrucksvoll die Kurve bekommen. Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln (Samstag, 15:30 Uhr) ist der BVB in bestechender Form - auch dank dreier Kniffe von Trainer Lucien Favre.

Wer spielt wo? Diese jede Woche wiederkehrende Frage der Medienvertreter zum Matchplan schmettert Lucien Favre ohne müde zu werden stets gekonnt ab. Mitunter wird die Frage gar nicht erst gestellt, so niedrig sind die Aussichten auf Antworten.

Der Schweizer hat gute Gründe dafür: Natürlich will er dem gegnerischen Trainer, in diesem Fall Kölns Markus Gisdol, keinerlei Anhaltspunkt zur Aufstellung geben. Natürlich will er sein System nicht verraten.

Zudem lässt sich Favre bis unmittelbar vor Spielbeginn gerne alle Optionen offen, Eindrücke aus den Trainingseinheiten kurz vor der Partie fließen mit in die Entscheidungen. Und so ist das Vorausahnen einer Anfangself des BVB, vor allem im Offensivbereich, dieser Tage beinahe schwieriger als ein Gewinn im Lotto.

Kniff eins: BVB-Offensive ist unberechenbar

Auf der Pressekonferenz vor dem 9. Spieltag zählte Favre die ganze Palette an taktischen Möglichkeiten noch einmal genau auf: "Wir können ein 4-2-3-1 spielen, haben aber auch schon im 3-4-3 und 3-5-2 gespielt. Wir können auch im 4-3-3 spielen."

In den letzten fünf Pflichtspielen der Borussia gab es somit fünf komplett unterschiedliche Offensivreihen. Fixpunkt, darauf kann sich der gegnerische Trainer sehr wohl einstellen, ist zweifelsfrei Erling Haaland. Der Norweger verpasste aus den letzten fünf Spielen lediglich den 2:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Gegen den Aufsteiger übernahm Julian Brandt die Rolle in vorderster Reihe, unterstützt von Thorgan Hazard (LA), Marco Reus (OM) und Jadon Sancho (RA).

Wenige Tage später im Hinspiel gegen Brügge in der Champions League waren es dann Haaland (MS), Reyna (LA), Brandt (OM) und Hazard (RA), die in der Startelf standen. Gegen die Münchner wurde der Norweger unterstützt von Reyna (LA), Reus (OM) und Sancho (RA). In Berlin agierten wiederum Reus und Brandt als offensive Mittelfeldspieler hinter Dortmunds Tormaschine. Erneut gegen Brügge ging Favre mit dem Quartett aus Haaland (MS), Hazard (LA), Reyna (OM) und Sancho (RA) ins Rennen.

Die taktische Vorgabe ist dabei stets dieselbe: Auch innerhalb einer Partie sollen die Spieler ihre Positionen fleißig wechseln. Für den Gegner ist der BVB so kaum ausrechenbar. Die Folge: 36 Tore in 13 Pflichtspielen in dieser Saison.

Zum einen kann sich Kaderplaner Michael Zorc auf die Schulter klopfen - vorausgesetzt Erling Haaland verletzt sich nicht. Zum anderen verdeutlichen die Tore die fruchtende Arbeit von Lucien Favre im täglichen Training mit seinen Spielern. Über das bisherige Resultat ist er bislang zufrieden, "wir haben viele Möglichkeiten".

Kniff zwei: Keine Verletzen, keine Murrer

Einerseits wird Favre derzeit jedem Angreifer im dicht besetzten Kader gerecht und gibt jedem seine Chance - den bislang meistens außen vor gelassenen Leihspieler Reinier einmal ausgenommen. Murrer innerhalb der Mannschaft, die vermeintlich nicht auf die erwartete Spielzeit kommen, gibt es nicht.

Andererseits manövriert der Coach dadurch seinen Kader zugleich durch den vollgepackten Terminkalender des BVB. Seit Wochen schon richtet der 63-Jährige immer wieder den Blick auf die notwendige Belastungssteuerung.

Durch die Personalrotation im großen Stil ging zuletzt auch die Zahl der Verletzten immer weiter runter. Favre erklärte, er und sein Trainerteam müssen diesbezüglich "intelligent" arbeiten, die "Rotation ist sehr wichtig".

Mit Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou kehrte derweil in den vergangenen Tagen ein wichtiger Spieler der Vorsaison zurück ins Training. Dem Coach bietet der Franzose somit bald auch defensiv weitere Optionen an.

Kniff drei: Die neue Stärke des BVB

Gearbeitet hat Lucien Favre außerdem mit seinem Team an der beinahe chronisch schlechten Ausbeute der Borussia bei ruhenden Bällen. Nach 14 Pflichtspielen haben die Dortmunder zwölf Standard-Tore auf der Habenseite. Der Wert aus der Vorsaison ist damit schon erreicht.

Aus Eckstößen etwa resultiert weitaus mehr Torgefahr als noch im Vorjahr, Abwehrspieler Mats Hummels kam so schon zweimal zu einem Saisontor. Auch an Variantenreichtum haben die Standards dazugewonnen, so führen auch kurz ausgeführte Ecken zum Erfolg, wie das 1:0 im Derby gegen Schalke 04 zeigte. Dort ging die schnelle Kombination über Sancho, Brandt und Guerreiro, dessen Schuss noch pariert werden konnte. Manuel Akanji versenkte den Nachschuss dann im Tor.

Jüngst gegen Brügge gelang Jadon Sancho obendrein ein seltenes wie schönes, direktes Freistoßtor. Der zuvor formschwache Engländer bedankte sich hinterher für das "Vertrauen" des Trainers und der Kollegen. Noch so eine Handschrift, so ein Kniff, von Lucien Favre.

Gerrit Kleiböhmer

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