Anzeige
powered by Formel1.de

Ex-Mercedes-Boss gesteht: "Ich bin mitschuldig"

Haug würde DRS am liebsten "wegzaubern"

21.11.2020 07:59
Norbert Haug ist kein Freund der Überholhilfe DRS in der Formel 1
© Gruppe C / Hoch Zwei
Norbert Haug ist kein Freund der Überholhilfe DRS in der Formel 1

Am Samstag um 17:00 Uhr steigt auf den YouTube-Kanälen von Motorsport-Total.com und Formel1.de die Premiere eines ganz besonderen Motorsport-Talks: Der ehemalige Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat sich im "Mototsport-Talk2 von "Motorsport-Total.com" und "Formel1.de" über die Zukunft des Motorsports geäußert und sich als Gegner des DRS-Systems deklariert.

An dem Punkt, an dem den Talk-Teilnehmern der "Zauberstab" in die Hand gegeben wird, mit welchen drei Maßnahmen man Autorennen in Zukunft attraktiver gestalten könnte, schießt sich Haug auf den klappbaren Heckflügel DRS (Drag-Reduction-System) ein, den er eigenen Angaben nach am liebsten "wegzaubern" würde.

DRS hat zuletzt in Portimao und Istanbul dafür gesorgt, dass die schnellsten Autos in einer zunächst durcheinandergewürfelten Reihenfolge letztendlich relativ kampflos an die Spitze kamen. Das sorgte für die Kritik in internationalen Medienkommentaren, zum Beispiel auch in der Kolumne "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat".

Haug kritisiert in dem Video: "Ich denke, dass die Überholmanöver nicht so richtig ernst genommen werden. Warum soll ich als Fahrer an der Ecke X irgendetwas versuchen, was mir auf der anschließenden Gerade Y sofort gelingt?"

Haug: DRS reduziert Risikobereitschaft der Fahrer

"Wir alle wissen ja, so rennerfahren sind wir: Wenn wer auf die Gerade reinfährt mit dem und dem Abstand, dass er am Ende der Gerade nicht mehr der Führende sein wird. Ich weiß nicht, wie kontraproduktiv das für die Spannung ist."

Tatsache ist: So sehr fehlende Überholmanöver in der Formel 1 jahrelang kritisiert wurden, so gibt es doch epische Duelle in der Historie, die mit DRS nicht möglich gewesen wären. Man denke nur an Fernando Alonso gegen Michael Schumacher in Imola 2005: Statt rundenlang Rad an Rad zu fighten, hätte Schumacher einfach den DRS-Knopf gedrückt und wäre vorbeigefahren.

Haug fällt noch ein weiteres Beispiel ein: "Das Überholmanöver Mika Häkkinen und Michael Schumacher auf der langen Kemmel-Gerade in Spa 2000. Wir würden heute nicht mehr drüber sprechen, wenn das mit DRS zustandegekommen wäre."

Anfang 2009 wurde erstmals eine Variante des Drag-Reduction-Systems eingeführt. Zunächst konnte der Front- statt Heckflügel geklappt werden. Seit 2011 ist das DRS in seiner heutigen Variante in der Formel 1 erlaubt.

"Ich bin mitschuldig, ich konnte es nicht verhindern", bedauert Haug. "Es war in meiner Zeit, als das DRS beschlossen worden ist. Aber manchmal werden Dinge beschlossen, die nicht deine persönliche Zustimmung finden."

Haug über DRS: "Ich war nie ein Freund davon"

Er habe "noch nie" einen echten DRS-Fan getroffen, erzählt der ehemalige Mercedes-Motorsportchef, und unterstreicht: "Ich war nie ein Freund davon, und bin's heute als echter Racer nach wie vor nicht. Vielleicht kann man das in der Zukunft, bei neuen Regularien, berücksichtigen."

Ein Wunsch, der Gehör finden könnte. Denn Haugs früherer Wegbegleiter im Mercedes-Werksteam, Ross Brawn, ist heute für alle sportlichen Belange der Formel 1 zuständig, im Auftrag von Rechteinhaber Liberty Media. Und Brawn will DRS ebenfalls abschaffen.

Bereits 2018 hat Brawn erstmals seine Hoffnung öffentlich erklärt, "dass wir einen Zeitpunkt erreichen, wo DRS nicht mehr so unverzichtbar ist". Das war Stand damals für das Reform-Reglement 2021 geplant. Weil das inzwischen auf 2022 verschoben wurde, gibt's also mindestens noch eine weitere Formel-1-Saison mit DRS.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige