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Einstiger Bayern-Star James geht unter

Rampenlicht: Ex-BVB-Keeper will Präsident werden

19.11.2020 16:43
George Forsyth war 2002/03 Keeper des BVB
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George Forsyth war 2002/03 Keeper des BVB

Viele bekannte Gesichter aus der Bundesliga spielen inzwischen weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien im Ausland. Heute im sport.de-Rampenlicht: Ein ehemaliger BVB-Keeper kandidiert als Präsident und eine historische Breitseite für einen Ex-Star des FC Bayern München.

George Forsyth Sommer ist in Venezuela geboren, Sohn eines peruanischen Diplomaten und einer Venezolanerin mit deutschen Wurzeln, ehemaliger Fußball-Nationaltorhüter, Ex-Spieler des BVB und bald vielleicht Präsident des von Krisen gebeutelten Peru. Der 38-Jährige, der für sein Vorhaben Mitte Oktober sein Amt als Bürgermeisters des Hauptstadtdistriktes La Victoria niederlegte, kandidiert bei den im April 2021 anstehenden Wahlen für die Restauración Nacional.

Die 2005 vom chinesischstämmige Fernsehprediger Humberto Lay Sun gegründete Partei steht für eine sehr traditionelle Familienpolitik, Wirtschaftsliberalismus, Anti-Abtreibung, Waffenbesitz und Skepsis am Klimawandel. Werte, die in Deutschland eher nicht die Zustimmung der breiten Masse erfahren würden. Forsyth führt die Umfragen im Vorfeld der peruanischen Präsidentschaftswahl allerdings seit Monaten an.

Wohl auch, da der Andenstaat verzweifelt nach einem Mann sucht, der die Interessen des Volkes glaubwürdig vertritt. Am 9. November wurde mit Martín Vizcarra der amtierende und in der Bevölkerung nicht unbeliebte Präsident infolge von Korruptionsvorwürfen abgesetzt. Manuel Merino, der übergangsweise als Staatsoberhaupt eingesetzt wurde, übte das Amt keine Woche aus. Zu groß waren die Proteste, zu brutal das Vorgehen der Regierenden gegen die Demonstranten. 

"Merino, jede Minute, die du deinen Rücktritt herauszögerst, verblutet PERU. Sie sind für dieses Unglück verantwortlich und werden im Gefängnis landen. Vor Gott und der Geschichte müssen Sie auch Rechenschaft ablegen!", twitterte Forsyth am 15. November, wenig später ließ Merino Taten folgen.

Deutlich weniger aufwühlend verlief die Zeit von George Forsyth bei Borussia Dortmund. Mit 20 Jahren wechselte er von Alianza Lima nach Deutschland, wo er hinter Jens Lehmann und Roman Weidenfeller den Posten des dritten Torwarts bekleiden sollte, es aber lediglich auf sechs Einätze für den BVB II brachte. 

Gegenüber "Spiegel Online" erklärte Forsyth 2007 dennoch, dass er sich gerne an seine Zeit in Deutschland erinnert. Von Jens Lehmann habe er "viel gelernt", nur mit Amateurcoach Horst Klöppel sei er nicht besonders gut ausgekommen. Wohl auch ein Grund für den Abschied nach nur einer Saison.

Es folgten die Rückkehr nach Lima, ein Gastspiel bei Atalanta Bergamo (2007/08 - ein Einsatz in der Coppa Italia) und erneut die Flucht in den Schoß von Alianza Lima, wo der Schlussmann bis zu seinem Karriereende 2018 über 150 Mal den Platz  zwischen den Pfosten einnahm. Sieben Mal spielte er für die peruanische Nationalmannschaft. Die Interessen seines Landes könnte er bald erneut vertreten - in deutlich schwerwiegender Position.

Historische Pleite für ehemaligen Star des FC Bayern 

Fußballerische Erfahrungen in Südamerika und Deutschland sammelte auch James Rodríguez, der Kolumbianer hinterließ und hinterlässt auf dem Rasen allerdings deutlich tiefere Spuren als Forsyth.

Der Offensivspieler wechselte im Sommer 2010 vom argentinischen Klub CA Banfield auf den europäischen Kontinent, wo er beim FC Porto (2010 - 2013) und der AS Monaco (2013/14) zum Superstar reifte und als Torschützenkönig der WM 2014 den Schritt zu Real Madrid wagte. Dort startete der Linksfuß verheißungsvoll, geriet mit der Zeit jedoch ins Hintertreffen.

Eine zweijährige Leihe zum FC Bayern sollte als Ausweg dienen, eine Heimat fand Rodriguez in München jedoch nicht. Im Sommer 2020 entschied sich der Linksfuß letztlich für einen Neustart beim FC Everton in der englischen Premier League. Ein Schritt, den er wohl nicht bereut. Sieben Torbeteiligungen (3 Treffer/4 Assists) in acht Pflichtspielen sprechen für sich. Unlängst hielt das Jahr 2020 allerdings einen krachenden Tiefpunkt für Rodríguez parat.

Am 4. Spieltag der südamerikanischen WM-Quali setzte es für James Rodríguez in Ecuador am Dienstag eine historische Niederlage: In Quito fegte die Auswahl Ecuadors Kolumbien mit 6:1 vom Rasen. Den Ehrentreffer Cafeteros erzielte Rodríguez in der 45. Minute vom Elfmeterpunkt. Höher verlor Kolumbien zuletzt am 09. März 1977 in Brasilien (0:6). 

"Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen, wir sind Gewinner. Die einzige Niederlage ist die Kapitulation. Alles andere ist Teil des Weges", twitterte Rodríguez nach der Partie.

An der Zeit aufzugeben, ist es auch noch lange nicht. Immerhin sieht die südamerikanische WM-Qualifikation 18 Partien vor. Derzeit trennen die Kolumbianer vom vierten Rang, der sicher zur Teilnahme an der Endrunde genügt, lediglich zwei Zähler.

Marc Affeldt

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