Anzeige

Sportlich "in Schlagweite" zum FC Bayern

Watzke: BVB droht hoher Verlust, "kein Dissens" mit Favre

19.11.2020 13:27
Spricht zu den BVB-Aktionären: Hans-Joachim Watzke
© Martin Hoffmann Berliner Str.31 via www.imago-imag
Spricht zu den BVB-Aktionären: Hans-Joachim Watzke

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat sich auf der virtuellen Hauptversammlung von Borussia Dortmund erneut zu den schwerwiegenden finanziellen Folgen der Corona-Krise geäußert. Sportlich sieht er den BVB im Vergleich zum FC Bayern München nahezu auf Augenhöhe. Und auch zur anhaltenden Diskussion um die Zukunft von Trainer Lucien Favre hat sich der Dortmunder Chef geäußert.

"Die Situation bleibt schwierig", sagte Watzke mit Blick auf die wegbrechenden Einnahmen in Folge der Pandemie, insbesondere durch die anhaltenden Geisterspiele. "Es können bei uns auch mehr als 70 bis 75 Millionen Euro Verlust werden."

Der BVB sei aber "mit ausreichend Liquidität versorgt", sodass dem Klub Stand jetzt keine Gefahr drohe, ergänzte der 61-Jährige.

"Wenn wir die ersten Gruppen impfen können, wie die Angestellten aus dem medizinischen Bereich und die älteren Mitmenschen, wird der Fußball wieder zur Normalität zurückkehren. Der BVB wird dafür gerüstet sein", kündigte Watzke an.

BVB "in Schlagweite" zum FC Bayern - Gespräche mit Favre

Im Kampf um die deutsche Meisterschaft sieht der Klub-Chef die Schwarz-Gelben "in Schlagweite". Der FC Bayern sei zwar "die beste Mannschaft der Welt, aber wir sind ihnen näher gekommen", so Watzke.

"Aber", mahnte der BVB-Boss eindringlich, "es gibt eine Grenze und die liegt da, wo es wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt. Bayern kann doppelt so viel in seine Mannschaft investieren wie wir. Und wird werden nichts Unvernünftiges machen, um mitzuhalten."

Der BVB habe "eine sehr talentierte Mannschaft", aber brauche noch Geduld mit seinen "17-, 18- und 20-jährigen" Spielern, so Watzke, der die sportliche Zukunft weiter mit Lucien Favre gestalten will.

So kündigte der BVB-Geschäftsführer Gespräche mit dem Trainer über eine Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags am Jahresbeginn an. "Ich werde hier keine Trainerdiskussion führen und möchte an dieser Stelle eine Lanze für Lucien Favre brechen. Eine Qualität an einer Meisterschaft zu messen, ist zu kurz gegriffen. Wir haben es als Gegner mit der besten Mannschaft der Welt zu tun. Es gibt keinen Dissens", sagte Watzke.


sport.de hat die wichtigsten Aussagen der BVB-Hauptversammlung zusammengestellt:

+++ Treß erläutert die Bilanz des BVB +++

Er als Finanz-Chef freue sich beim Blick in die Kassen nicht, sagt Treß. Hintergrund ist die deutlich gesunkene Liquidität des BVB. Dass der Klub neue Verbindlichkeiten aufnehmen musste, widerspreche "dem Geschäftsmodell", so Treß. Angesichts der Corona-Krise sei ein solches Vorgehen jedoch alternativlos.

"Wir haben unsere Kreditlinie von 60 auf 120 Millionen Euro erweitert, wollen davon aber auch schnell wieder runterkommen", sagt Treß.

Wenig überraschend wirken sich die Folgen der Pandemie auf nahezu alle vorgestellten und bereits aus dem Geschäftsbericht 2019/2020 bekannten Zahlen aus.

+++ Finanz-Chef Treß gibt Einblick in die BVB-Finanzen +++

Hans-Joachim Watzke hat das Podium verlassen. Nach einer kurzen Desinfektions-Aktion geht es mit Thomas Treß weiter, in der BVB-Geschäftsführung zuständig für die Finanzen. Auch er bedankt sich zunächst bei allen Mitarbeitern der Borussia, bei Peer Steinbrück und bei den restlichen Mitgliedern der Gremien. Treß will im Vorstand mit Watzke und Cramer "im Dreierpass" weiter erfolgreich zusammenarbeiten.

+++ Watzkes Danksagungen an die BVB-Gemeinde +++

"Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern, beim Betriebsrat und bei allen Gremien bedanken. Auch bei den Aktionären möchte ich mich für das Vertrauen bedanken. Der Kurs hat ihnen zuletzt nicht so viel Freude gemacht, ist aber nach Ankündigung der Impfungen ja schon wieder deutlich gestiegen."

+++ Watzke würdigt Peer Steinbrück +++

"Du warst zehn Jahre ein großartiges Mitglied des Aufsichtsrats. Ich bin froh, dass wir uns auch in Zukunft regelmäßig sehen werden."

+++ Watzke blickt auf die Zukunft des BVB nach Corona voraus +++

"Wenn wir die ersten Gruppen impfen können, wie die Angestellten aus dem medizinischen Bereich und die älteren Mitmenschen, wird der Fußball wieder zur Normalität zurückkehren. Der BVB wird dafür gerüstet sein. Es ist kein Selbstläufer, dass alle Fans ins Stadion zurückkehren. Wir müssen um Akzeptanz kämpfen, Gespräche führen, auch schauen, was der Fußball falsch gemacht hat. Ich bin aber sehr sicher, dass der BVB wieder vor ausverkauftem Hause spielen wird. Ich glaube, wir finden zu einer größeren wirtschaftlichen Stärke als vor Corona und stehen vor einer großen sportlichen Zukunft."

+++ Watzke lobt die BVB-Stars +++

"Die Mannschaft möchte ich auch für den Gehaltsverzicht loben, der zum 31.12. ausläuft, aber hoffentlich noch einmal verlängert wird. Sie hat in der Krise auch viel Disziplin gezeigt. Wir hatten erst zwei Corona-Fälle in der Mannschaft."

+++ Watzke über die Rivalität zum FC Bayern +++

"Jeder in Deutschland erwartet, dass wenn dann Borussia Dortmund die Dominanz des FC Bayern brechen kann. Wir sind ihnen zuletzt deutlich näher gekommen. Aber es gibt eine Grenze und die liegt da, wo es wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt. Bayern kann doppelt so viel in seine Lizenzspielermannschaft investieren als wir. Und wird werden nichts Unvernünftiges machen, um dort mitzuhalten. Da auch in Leipzig, Gladbach und Leverkusen gute Arbeit gemacht wird, reüssiert der deutsche Fußball international und ist sportlich auf einem guten Weg."

+++ Watzke über die sportliche Situation beim BVB +++

"Wir haben in den letzten zehn Jahren ununterbrochen international gespielt. Das gab es noch nie in der Vereinsgeschichte des BVB. Wir haben zwei Meistertitel gewonnen und zweimal den DFB-Pokal. Wir stehen in der Bundesliga auf Rang drei in Schlagweite, sind im Pokal und in der Champions League noch gut dabei. Wir haben eine sehr talentierte Mannschaft und können das Potenzial in den nächsten Jahren auch noch erhöhen. Wir haben 17-Jährige, 18-Jährige, 20-Jährige und brauchen noch etwas Geduld. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei Lucien Favre und seinem Trainer-Team bedanken, die uns zuletzt zu zwei Vizemeisterschaften geführt hat."

+++ Watzke über die Zahlen in den einzelnen Geschäftsbereichen +++

"Wir haben in den Einzelbereichen, beispielsweise im Sponsoring, sehr gute Zahlen vorzuweisen. Carsten Cramer macht da einen gute Job. Wir haben vor Corona noch gute Verträge abgeschlossen. Wir sind auch im internationalen Bereich gut aufgestellt. Dass die internationalen TV-Gelder  fließen, haben wir in erster Linie dem FC Bayern zu verdanken, in zweiter Linie aber dann auch dem BVB. Wir legen momentan viel Wert auf Digitalisierung und neue Medien. Im Merchandising haben wir trotz Corona steigende Zahlen. Und wir sind immer noch sehr stark im sozialen Bereich unterwegs."

+++ Watzke über die finanziellen Verluste des BVB +++

"Die Situation bleibt schwierig. Es können bei uns auch mehr als die 70 bis 75 Millionen Euro Verlust werden. Aber wir sind mit ausreichend Liquidität versorgt, als dass uns eine Gefahr droht."

+++ Watzke über weitere Auswirkungen auf den BVB +++

"Wir haben beim BVB mit über 80.000 die größte Zuschauerkapazität in Europa. Jedes Spiel ohne Zuschauer kostet uns vier Millionen Euro. Ein Klub mit 20.000 Zuschauern im Schnitt hat natürlich deutlich kleinere Ausfälle. Wir haben in Deutschland den zweit teuersten Kader, mit großem Abstand zum FC Bayern. Dieser Kader will natürlich auch refinanziert werden. Der BVB hat keinen einzigen seiner 800 Mitarbeiter von März bis heute in Kurzarbeit geschickt. Das ist mir in der öffentlichen Diskussion zu kurz gekommen."

+++ Watzke über die Roller der Politik in der Corona-Krise +++

"Ich muss eine Lanze für die Politik brechen. Sie ist mit Sorgfalt und einer angemessenen Art mit diesen Dingen umgegangen, wie mit anderen Berufszweigen ebenfalls. Ein großes Kompliment auch an die Landesregierung Nordrhein-Westfalens. Sie war für uns ein guter Ansprechpartner."

+++ Watzke über die Auswirkungen der Corona-Krise für den BVB +++

"Wir waren bis Anfang März auf einem stabilen Wachstumskurs. Es gab keine Blaupause für das, was wir dann erlebt haben. Die Wochen und Monate des kompletten Lockdowns haben sich bei mir tief eingebrannt. Wir haben schnell festgestellt, dass wir den Zugang zu existenziell wichtigen Einnahmequellen wie den TV-Geldern brauchen. Wir wollten einfach nur unserem Beruf nachgehen. Die DFL hat ein viel beachtetes Hygiene-Konzept abgeliefert. Den Spielern müssen wir ein riesiges Kompliment machen, was sie danach während der Zeit der Geisterspiele abgeliefert haben, trotz der sterilen Atmosphäre in den Stadien."

+++ Watzke beginnt seine Ansprache an die BVB-Aktionäre +++

"Wir alle hätten lieber eine Präsenzveranstaltung gehabt. Aber es geht nicht anders. Ich hoffe trotzdem, das alles klappt."

+++ Aufsichtsrats-Vizechef des BVB zieht Fazit +++

Christian Kullmann bescheinigt dem BVB eine "sportlich zufriedenstellende Saison" und spricht von einem schwierigen Geschäftsjahr mit einem Verlust in Höhe von 44 Millionen Euro. Es soll in diesem Jahr keine Dividende für die Aktionäre geben.

Zudem würdigt Kullmann das Engagement von Peer Steinbrück im Aufsichtsrat. "So einen Menschen wünscht man sich als Ehemann", sagt Kullmann augenzwinkernd. Der SPD-Politiker Steinbrück scheidet nach zehn Jahren aus dem Gremium aus.

+++ Die Hauptversammlung des BVB ist eröffnet +++

(Fast) pünktlich hat Christian Kullmann, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, die Hauptversammlung des BVB eröffnet. Die Protagonisten, darunter die drei Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Thomas Treß und Crasten Cramer haben sich im Signal Iduna Park eingefunden. Auch der restliche Aufsichtsrat ist mit Ausnahme von Gerd Pieper (fehlt wegen gesundheitlicher Gründe) anwesend. Die Aktionäre sind in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nur per Video zugeschaltet.

+++ Wie hoch sind die Verluste des BVB in der Corona-Krise? +++

Auf rund 75 Millionen Euro bezifferte die BVB-Geschäftsführung bislang die zu erwartenden Defizite für die kommende Saison. Ist diese Prognose angesichts der aktuellen Entwicklungen und der womöglich noch Monate anhaltenden Geisterspiele zu halten? Oder muss Hans-Joachim Watzke die Anleger auf noch schlechtere Zahlen einstimmen?

+++ Horror-Zahlen für den BVB +++

Die Corona-Krise traf den BVB ebenso hart wie die meisten anderen Unternehmen und alle Profi-Klubs. 43 Millionen Euro betrug das Minus im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020. Wie erklärt Hans-Joachim Watzke den Aktionären diese Bilanz?

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Bundesliga Bundesliga
Anzeige
Anzeige