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Stamm-Innenverteidiger vor ablösefreiem Abgang

Bayerns unnötiges Risiko mit Alaba und Boateng

13.11.2020 07:27
Werden den FC Bayern wohl verlassen: David Alaba (l.) und Jérôme Boateng
© Sammy Minkoff via www.imago-images.de
Werden den FC Bayern wohl verlassen: David Alaba (l.) und Jérôme Boateng

Paukenschlag beim FC Bayern: Nach David Alaba steht auch Jérôme Boateng vor einem Abschied vom deutschen Rekordmeister. Warum die Münchner Chefetage riskiert, gleich zwei zuletzt gesetzte Abwehrspieler ablösefrei zu verlieren, ist unklar.

In den vergangenen Wochen ließen Jérôme Boateng und sein Umfeld keinen Zweifel an ihrem Interesse an einer Verlängerung beim FC Bayern aufkommen.

"Ich kann es mir vorstellen", sagte Boateng dem "kicker" im Oktober. "Meine Kinder fühlen sich hier wohl. Mit Hansi Flick als Trainer und diesem Team macht es extrem viel Spaß."

Mehr noch: "Im Endeffekt bin ich froh, noch beim FC Bayern zu sein. Ich habe wieder Spaß am Fußball", hob der Innenverteidiger hervor.

Ähnlich klangen die Worte seines Beraters. "Wir sind offen für Vertragsgespräche. Wir freuen uns, wenn wir die Gespräche mit Bayern führen. Jérôme fühlt sich unglaublich wohl hier. Die Mannschaft ist unglaublich fokussiert und professionell. All das passt zu Jérôme", erklärte Damir Smoljan bei "Sport1".


Mehr dazu: Bestätigt: Boateng will beim FC Bayern bleiben


Umso überraschender kam nun die von "Bild" verbreitete Meldung, wonach der FC Bayern Boateng mitgeteilt habe, den im Sommer auslaufenden Kontrakt nicht verlängern zu wollen.

Boateng zuletzt eine der großen Konstanten beim FC Bayern

Über diese Entscheidung sei der 32-Jährige "enttäuscht", hieß es. Schließlich habe er dem Klub mehrfach signalisiert, dass er gerne an der Säbener Straße bleiben würde.

"Sport1" zufolge wurde Boatengs Seite von der Meldung überrascht. Den Spieler und sein Management traf die Berichterstattung demnach "völlig unerwartet".

Tatsächlich ist der Zeitpunkt verwunderlich. Im gesamten Kalenderjahr 2020 war Boateng eine der größten Konstanten beim Champions-League-Sieger. Auch Trainer Hansi Flick wurde nicht müde, die Bedeutung des Routiniers für das Team hervorzuheben.

"Wir sind alle froh, dass er die letzten Monate an sich gearbeitet und aufgeholt hat", betonte der 55-Jährige nach dem 6:2 (2:1) des Rekordmeisters im Champions-League-Gruppenspiel bei RB Salzburg.

Dennoch soll Boateng gehen, ebenso wie Abwehrpartner David Alaba, dessen Zöger-Taktik unlängst zum großen Knall führte, als die Münchner Verantwortlichen ihr Angebot zur Verlängerung öffentlichkeitswirksam zurückzogen.

Wer könnte beim FC Bayern das Herz der Viererkette bilden?

Fest steht: Der FC Bayern geht mit den jüngsten personellen Maßnahmen ins Risiko. Kritiker meinen, dass dies ohne große Not geschieht.

Zwar verfügt der Prachtkader des Tabellenführers auch ohne das (voraussichtlich) scheidende Duo Boateng/Alaba über viel Defensiv-Qualität, bei genauerer Betrachtung wären Baustellen allerdings unvermeidlich.

Wer könnte beim FC Bayern künftig das Herz der Viererkette bilden? Der Top-Kandidat ist sicherlich Niklas Süle, der vor seiner Kreuzbandverletzung 2019 unumstritten war. Ihn fest einzuplanen, wäre sicher kein Fehler.

Komplizierter ist die Situation bei den französischen Weltmeistern Lucas Hernández und Benjamin Pavard. Beide wurden als Innenverteidiger geholt, überzeugten bislang aber eher auf den Außenbahnen. Zieht man sie dort weg, entstehen Lücken auf den Flügeln.

Perspektivisch könnten die Abwehrtalente Tanguy Nianzou und Chris Richards mehr in den Fokus rücken, noch fehlt beiden aber die nötige Erfahrung, um auf allerhöchstem Niveau mithalten zu können.

"Lame Ducks" in der Abwehr des FC Bayern

Entsprechend wahrscheinlich ist es, dass Hasan Salihamidzic und Co. im kommenden Sommer auf dem Transfermarkt aktiv werden müssen, um den Verlust von Boateng und Alaba zu kompensieren. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Dayot Upamecano von RB Leipzig.

Mysteriös bleibt derweil, warum der FC Bayern seine Stammverteidigung überhaupt abgeben will. Während in der Causa Alaba noch allgemeines Verständnis für die Ablehnung horrender Gehaltsforderungen herrschte, gab und gibt es bei Boateng keinerlei Anzeichen für Größenwahn.

So oft der Ex-Nationalspieler angeblich schon vor dem Abschied aus München stand - Boateng ist stets geblieben und hat sich aus jedem noch so tiefen Loch zurückgekämpft. Die kolportierte Absage der Entscheidungsträger ist ein Schlag ins Gesicht für den stolzen Profi.

Ob sich das Risiko für den FC Bayern letztlich auszahlen wird, steht in den Sternen. Ideal sind zwei "Lame Ducks" in der Abwehr des Triplesiegers aber sicher nicht.

Heiko Lütkehus

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Torjäger 2020/2021