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Ehemalige Bundesliga-Profis im Rampenlicht

Fohlen-Retter schockt BVB-Gegner Brügge - VfB-Flop geht ab

04.11.2020 15:25
Igor de Camargo (r.) hat BVB-Gegner FC Brügge geschockt
© Vincent Kalut via www.imago-images.de
Igor de Camargo (r.) hat BVB-Gegner FC Brügge geschockt

Viele bekannte Gesichter aus der Bundesliga spielen inzwischen weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien im Ausland. Heute im sport.de-Rampenlicht: ein strauchelnder BVB-Gegner, ein Ex-Stuttgarter im zweiten Frühling und ein früherer St. Pauli-Knipser an der Spitze der Torjägerliste.

Am 19. Mai des kommenden Jahres dürfte manch ein Gladbach-Fan mit feuchten Augen auf den Kalender blicken. An jenem Mittwoch jährt sich der eminent wichtige 1:0-Sieg der Fohlen in der Bundesliga-Relegation gegen den VfL Bochum zum zehnten Mal.

Held des Abends war damals der in Brasilien geborene Belgier Igor de Camargo, der als Joker in der Nachspielzeit das Goldene Tor erzielte.

Mit dem Rückenwind des Hinspiel-Erfolgs erkämpfte das Team im Rückspiel ein 1:1 und verhinderte so mit letzter Kraft den Abstieg. Für viele Gladbacher war der Ligaerhalt 2011 ausschlaggebend für die grandiose sportliche Entwicklung der Folgejahre.

Mittlerweile ist die Borussia Dauergast im Europapokal - und de Camargo als Schütze des "Tor des Jahrzehnts" Teil der schwarz-weiß-grünen Geschichtsbücher.

Umso erstaunlicher ist es, was der heute 37-Jährige immer noch auf den Platz zaubert. Erst am Wochenende leitete de Camargo mit einem sehenswerten Hackentreffer zum 1:2 die Aufholjagd des belgischen Erstligisten KV Mechelen beim amtierenden Meister und BVB-Gegner Club Brügge ein.

Die Partie endete 2:2 - ein neuerlicher Rückschlag für die derzeit nur auf Rang vier liegenden Hausherren, die am Mittwochabend gegen Borussia Dortmund gefordert sind (ab 21 Uhr im LIVE-Ticker).

De Camargos ehemaliger Vereins- und Nationalmannschaftskollege Thomas Buffel stimmte im Anschluss an dessen Traumtor eine Lobeshymne an.

"Mit Igor in deinem Team triffst du das Tor immer, solange du ihn mit Flanken fütterst. Deshalb bin ich überzeugt, dass er auch jetzt noch für viele Top-Klubs ein Gewinn wäre", sagte der 39-Jährige der "Gazet Van Antwerpen".

VfB-Flop derzeit Top-Scorer Europas

Apropos Gewinn: Mit der Verpflichtung des Österreichers Raphael Holzhauser, in Deutschland noch aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart und beim FC Augsburg bekannt, hat der belgische Aufsteiger K Beerschot VA offenbar das große Los gezogen.

Der Liga-Konkurrent von Brügge und Mechelen steht nach elf Spieltagen sensationell gut da, nur ein Zähler trennt den Klub aus Antwerpen von der Tabellenspitze. Zudem stellt Beerschot mit 28 Treffern die beste Offensive der "Eerste klasse A".

Entscheidenden Anteil an diesem Fußball-Märchen hat Spätstarter Holzhauser, der mit 27 Jahren in der Form seines Lebens zu sein scheint. 15 Torbeteiligungen (acht Treffer, sieben Vorlagen) in elf Einsätzen sind nicht nur ligaweit, sondern in ganz Europa Top-Wert.


>> Die Scorerliste der belgischen Eerste klasse A


Auch beim jüngsten 4:2-Erfolg gegen Mitaufsteiger Oud-Heverlee Leuven steuerte der flexibel einsetzbare Offensivmann zwei Scorerpunkte bei.

Zur Belohnung durfte Holzhauser Anfang Oktober erstmals in der österreichischen Nationalmannschaft ran. Beim 2:1-Sieg gegen Griechenland stand er in der Startelf und durfte 66 Minuten mitmischen.

"Es ist schwer zu sagen, warum es so gut läuft", erklärte der 1,93 Meter große Profi unlängst im "APA"-Interview. Schließlich war Holzhauser jahrelang nicht mehr als ein Mitläufer gewesen.

2009 war der Linksfuß aus der Jugend von Rapid Wien in den Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart gewechselt, hatte sich bei den Schwaben aber trotz großer Vorschusslorbeeren nicht etablieren können. Auch eine Leihe nach Augsburg brachte keine Besserung.

Zurück in der Heimat lief es für Holzhauser besser: Bei Austria Wien sammelte er Selbstvertrauen und Spielpraxis, stieg nach drei Jahren gar zum Kapitän auf.

Nach einem eher unglücklichen Gastspiel bei den Grasshoppers Zürich in der Schweiz landete der 27-Jährige im Januar 2020 schließlich in Antwerpen. Eine kluge Entscheidung: Nur sechs Monate nach seiner Ankunft stieg Holzhauser mit dem Klub auf - heute ist er Top-Scorer Europas.

St. Pauli-Abgang knipst sich an die Spitze der Torjägerliste

Rund 250 Kilometer nördlich von Antwerpen sorgt ein anderer Profi mit eingebauter Torgarantie für Angst und Schrecken: Henk Veerman, der über zwei Meter große Goalgetter des niederländischen Erstligisten sc Heerenveen.

Erst Ende August hatte der 29-Jährige dem FC St. Pauli überraschend den Rücken gekehrt, um zum zweiten Mal in seiner Karriere für den Traditionsverein aus der Provinz Friesland aufzulaufen.

In Hamburg hinterließ der beliebte Sturmtank sportlich wie menschlich eine große Lücke. "Dein Tor im Derby wird natürlich für immer unvergessen bleiben!", schrieb der Kiezklub zum Abschied bei Twitter.

Zurück an alter Wirkungsstätte hat Veerman einen Top-Start hingelegt. Mit sieben Treffern, zwei davon beim 4:1-Auswärtssieg in Rotterdam am vergangenen Wochenende, führt der Routinier die Torjägerliste der Eredivisie aktuell an.

Auch abseits des Rasens geht Veerman couragiert voran. Aus gutem Grund: Nach seiner Unterschrift in Heerenveen wurde er - wohlgemerkt als Neuzugang - direkt zum Kapitän ernannt.

Heiko Lütkehus

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