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Kandidat Christian Balkheimer im exklusiven Interview

Balkheimer: "Es ist schwieriger, als es im Fernsehen wirkt"

03.11.2020 11:07
Christian Balkheimer war bisher in jedem deutschen Ninja-Warrior-Parcours unterwegs
© TVNOW / Markus Hertrich
Christian Balkheimer war bisher in jedem deutschen Ninja-Warrior-Parcours unterwegs

Christian Balkheimer ist seit der ersten Ninja-Warrior-Staffel dabei und fällt auf den ersten Blick vor allem durch sein Super-Mario-Kostüm ins Auge. Schnell wird allerdings klar: Der Sport hinter der Show steht für den 27-Jährigen, der eine eigene Ninja-Halle besitzt, im Vordergrund. Bei Ninja Warrior Germany zählt er stets zu den sicheren Anwärtern auf die Finalteilnahme.

In der vergangenen Staffel ging "Super Mario" bereits in der Vorrunde so früh baden, dass nach dem ersten Auftritt direkt Schluss war. Am kommenden Freitag ist er in der letzten Vorrundenshow zu sehen und will es besser machen. Im sport.de-Interview verrät Christian Balkheimer unter anderem, warum das frühe Aus im Vorjahr zu seinen liebsten Ninja-Warrior-Momenten gehört, wie er zu seinem Outfit gekommen ist und welche Fehler Ninja-Neulinge häufig machen.

Christian, du warst bei allen deutschen Ninja-Warrior-Staffeln und auch bei den Team-Shows dabei. Was ist für dich das Besondere an der Show und an dem Sport?

Aus einer Unterhaltungssendung ist eine internationale Sportart für Jung und Alt entstanden. Wo gibt es das in der Geschichte des Sports schon? Die Ninja-Community, die sich durch die Show gebildet hat, ist einzigartig. Von Kids bis zu Opis, von Hobby-Sportlern bis zu Wettkampfathleten, alle haben Lust auf neue Bewegungen und Herausforderungen.

Dabei treffen Menschen aus den verschiedensten Sportarten zusammen und jeder hilft jedem, sein individuelles Skillset zu erweitern. Von Kletterern bis zu Turnern, Freerunnern oder auch Kajakfahrern - es sind so viele Sportler in der Szene vertreten. Es kommt selten vor, dass eine Disziplin über den eigenen Tellerrand hinausschaut und immer offen für neue Techniken ist. Aber der Ninja-Sport entwickelt sich genau so ständig weiter. 

Das klingt sehr harmonisch. Letztlich ist die Show aber auch ein Wettbewerb, oder nimmst du das gar nicht so wahr?

Natürlich ist es einer sehr wettkampforientierte Sportart, aber es fühlt sich kaum wie eine an. Sicherlich geht es auch darum, die Zeiten der anderen zu schlagen. Aber letztlich steht man dem Parcours allein gegenüber und kämpft gegen sein eigenes Limit. Dabei fühlt sich jedes absolvierte Hindernis wie ein persönlicher Highscore an, egal wie man im Gesamtergebnis abschneidet.


Video: Christian Balkheimer hüpft durch den Ninja-Parcours in Staffel 3


Und wer hat nicht Bock, einmal durch einen Parcours wie in einem Videospiel zu hüpfen? Aber im Ernst: Das Schöne am TV-Format selbst ist, dass dort ist alles echt ist! Es wird nichts gefaked, alle Emotionen sind real und jeder Teilnehmer hat nur einen einzigen Versuch, egal ob Promi oder Leistungssportler. Vor dem Parcours ist jeder gleich. RTL schafft es in jeder Staffel, diesen Ninja-Spirit sehr authentisch in die Wohnzimmer zu tragen.

Wenn du auf alle Staffeln zurückblickst: Was war dein Lieblingsmoment?

Nach so vielen Shows ist es schwierig, einen einzigen Moment herauszusuchen, weil es so unendlich viele großartige Momente gab. Aber meine beiden Top-Highlights waren wohl in Staffel 1 und 4. In Staffel 1 habe ich das erste Mal den Buzzer gedrückt.

Damals war noch niemand so richtig spezifisch auf die Show vorbereitet, weil keiner genau wusste, wie das Format im deutschen Fernsehen umgesetzt wird. Ich war einer der wenigen, der schon vorher Hindernisse wie die Himmelsleiter in seinem Trainingsparadies nachgebaut hatte. Durch einen Flüchtigkeitsfehler in der Vorrunde habe ich dann aber das Wasser beim Cargo-Netz gestreift und mein Lauf war beendet, bevor er richtig angefangen hatte.

Das klingt noch nicht nach einem Highlight. Folgte noch ein Happy End?

Ja, aber ich war schon kurz davor, wieder heimzufahren. Durch meine gute Zeit bin ich dann aber gerade noch in die nächste Runde gerutscht. Bei meiner zweiten Chance konnte ich mir dann selbst beweisen, dass ich doch in der Lage war, die Stage zu bewältigen. Diesen Moment, als ich den Buzzer am Ende des Kamins gedrückt hatte und mir das Feuerwerk um die Ohren flog, werde ich wohl nie vergessen.

Vorher hätte ich niemals gedacht, dass ich durch mein spielerisches Herumspringen so viele Menschen begeistern und motivieren kann. Ohne diese Erkenntnis hätte mich das Ninja-Fieber wohl auch nicht so schnell gepackt.

Du warst danach in jeder weiteren Staffel dabei, im vergangenen Jahr allerdings nicht so erfolgreich. Was war denn ausgerechnet in der vierten Staffel dein Lieblingsmoment deiner Ninja-Karriere?

Das stimmt, ich bin da schon am dritten Hindernis in der Vorrunde gescheitert, an der Drehscheibe. Bestimmt wundern sich jetzt viele, warum das für mich ein Highlight gewesen ist. Als Ninja-Veteran hat man natürlich schon auch immer die Erwartung an sich, möglichst weit zu kommen - schließlich hatte man es ja die vorherigen Staffeln auch weit geschafft. Dann so früh zu scheitern, vor allem an einem Obstacle, das ich in meiner selbstgebauten Trainingshalle stehen habe, ist natürlich ein heftiger Schlag ins Gesicht.

Aber ich bin bis zum Finale vor Ort geblieben, um den Rest der Ninja-Family zu unterstützen. Die hat mich dann aufgefangen und mir gezeigt: Die Community mag dich nicht, weil du der Beste im Parcours bist, sondern weil du ein guter Mensch oder sogar Freund bist. Fehler passieren, vor allem im Ninja-Sport, aber man lernt aus jedem Fehltritt mehr als aus jedem Erfolg. 

Apropos Fehltritt: Gibt es ein Hindernis, das du am liebsten aus dem Parcours streichen möchtest?

Natürlich gibt es Hindernisse, die mir mehr liegen als andere. Tendenziell habe ich richtig Bock, alles mal auszuprobieren. Das Erfolgserlebnis ist auch größer, wenn man ein Hindernis meistert, von dem man nicht gedacht hätte, dass man es schafft oder vor dem man Angst hatte.

Mir gefallen vor allem die Hindernisse, die ein vielseitiges Skillset benötigen. Wenn das Obstacle auf einmal eine einzigartige Bewegung erfordert, die nicht in den klassischen Sportarten vorkommt, dann sind wieder alle gleich vor dem Parcours. Das Schlimmste ist immer, wenn man wegen eines Flüchtigkeitsfehlers scheitert und nicht bis an seine Leistungsgrenze gehen kann...

...wie bei dir in Staffel 4. Ein Angst-Hindernis ist daraus aber nicht entstanden?

Nein. Das schwierigste Hindernis für mich ist tatsächlich das teilweise lange Warten vor dem eigenen Run. Man bereitet sich das ganze Jahr auf diesen einen Moment vor. Und wenn es dann soweit ist, kann man es gar nicht richtig realisieren. Dort ruhig zu bleiben und sich auf sich selbst zu konzentrieren, ist ein Problem, mit dem viele Athleten in der Show zu kämpfen haben.

Natürlich ist auch der Umgang mit den eigenen Fehlern nicht leicht. Das ganze Jahr nach der Show versucht man sich immer wieder zu erklären, warum man diesen einen Sprung jetzt nicht gehalten hat. Trotzdem weiterzumachen und sich nicht ausbremsen zu lassen, erfordert sehr viel Motivation und Ehrgeiz - und genau das liebe ich so sehr an dieser Show.

Die Zuschauer kennen dich vor allem in deinem Super-Mario-Kostüm. Wie kam es dazu? Würdest du das Kostüm noch einmal wählen, wenn du in diesem Jahr zum ersten Mal teilnehmen würdest?

Als ich mich für die erste Staffel beworben hatte, kannte mich niemand. Ich war ein Hobbysportler, der keine großartige Geschichte zu erzählen hatte. Jedes Jahr bewerben sich über 10.000 potenzielle Ninjas, Tendenz steigend. Dabei aus der Masse herauszustechen, wird immer schwieriger. Wenn man es in die Show schaffen will, muss man auf jeden Fall Eindruck machen - sei es durch die sportliche Leistung, einen speziellen Beruf, ein ausgefallenes Hobby oder eine Geschichte.

Da ich nichts davon erfüllen konnte, kam mir die Idee, im Kostüm anzutreten. Die Wahl auf Super Mario fiel schnell, weil ich auch leidenschaftlicher Old-School-Gamer bin und auch schon das eine oder andere Parkour-Video mit Kostüm gedreht hatte. Aber man sollte den Charakter, den man darstellt, auch verkörpern. Ich bin gerne ein Vorbild für die Kids. Ich glaube, ich komme mit dem Kostüm gut an, weil ich immer versuche, Spaß zu haben und trotzdem den sportlichen Hintergrund nicht aus den Augen verliere. Ich würde alles genauso wieder machen.

Welchen Rat würdest du denn heute den Ninja-Neulingen mit auf den Weg geben?

Der wichtigste Tipp: Geht erst einmal in eine Ninja-Halle und schaut, ob euch der Sport Spaß macht und auf welchem Leistungsstand ihr seid. Den häufigsten Spruch, den ich in meinem Gym von Newbies zu hören bekomme, ist: "Das ist ja viel schwerer als es im TV aussieht." Wer einmal dabei war oder vor Ort zugeschaut hat, weiß, wie groß die Abstände und Dimensionen des Parcours wirklich sind.

Ja, es ist schwieriger, als es im Fernsehen wirkt. Es sieht vielleicht sehr leicht aus, wenn ein Power-Tower-Gewinner wie Lukas Kilian durch die Stage spaziert und dabei noch ein Grinsen im Gesicht hat. Was man aber nicht sieht, sind die viele Trainingsstunden und Zeit, die er in den Hallen verbracht hat, die vielen Tage mit kaputten Händen oder massivem Muskelkater.

Heißt: Besser die Zeit nicht in die Kostümsuche, sondern ins harte Training stecken?

Die Vorbereitung auf die Show ist das A und O. Wenn jemandem erst zwei Wochen vorher einfällt, dass er noch trainieren muss, wird er es schwer haben, zum Buzzer zu kommen. Und das erlebe ich tatsächlich jedes Jahr in meiner Halle.

Ich empfehle jedem Neuling, erstmal etwas Wettkampf-Erfahrung zu sammeln und sich richtig vorzubereiten, zum Beispiel bei Wettkämpfen, die von verschiedenen Ninja-Hallen veranstaltet werden. Sucht euch am besten einen Trainingspartner oder jemanden, der den Sport schon betreibt und vielleicht schon in der Show war. Mittlerweile trifft man in fast jeder der bekannten Hallen auch auf einen bekannten Ninja-Sportler. Nutzt die Chance, euch zu vernetzen und Erfahrung zu sammeln - und bewerbt euch erst, wenn ihr euch bereit fühlt.

Worauf würdest du den Trainingsschwerpunkt legen?

Die Anforderungen des Ninja-Sports sind sehr breit gefächert. Da hilft es, sehr vielseitig zu trainieren und viele Sportarten einmal auszuprobieren und die Basics zu lernen. Das sind vor allem Parkour, Klettern und Trampolinspringen oder Turnen.

Man sieht immer wieder Teilnehmer, die zwar sehr starke Kletterer sind, aber dann nicht an einer Stange schwingen oder mit einem Trampolin umgehen können. Sehr viele Hindernisse benötigen spezifische Techniken, einfach nur jeden Tag Klimmzüge zu machen und Gewichte zu stemmen, wird kaum jemanden im Parcours weit bringen. Deswegen sollte vor allem das spezifische Obstacle-Training im Fokus liegen.

Aber vielleicht noch ein kurzer Realitätscheck als Beispiel: Wer keinen einzigen explosiven Klimmzug schafft, hat kaum eine Chance, die berühmt-berüchtigte Himmelsleiter zu meistern.

Das Gespräch führte Maike Falkenberg

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