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Porsche stellt zu GT3-DTM klar: "Für 2021 keine Änderung"

28.10.2020 13:11
Der Porsche 911 GT3 R des Rowe-Teams gewann eben erst die 24 Stunden von Spa
© MST
Der Porsche 911 GT3 R des Rowe-Teams gewann eben erst die 24 Stunden von Spa

Was wird aus Porsche in der für 2021 geplanten GT3-DTM? Das ist die große Frage, denn bis heute hat sich kein Verantwortlicher der Volkswagen-Tochter zum Thema geäußert.

Doch jetzt stellt Porsches Motorsportchef Fritz Enzinger, der beim Mutterkonzern auch für den gesamten Motorsportbereich verantwortlich zeichnet, klar, dass der Ball ausschließlich bei potenziellen Rennställen liegt. "Einige Porsche-Kundenteams haben grundsätzliches Interesse am Einsatz eines 911 GT3 R in einer möglichen GT3-DTM 2021 signalisiert", sagt er im Gespräch mit "Motorsport-Total.com".

"Sollte es dazu kommen, wird Porsche Motorsport den Einsatz und Unterstützungsmöglichkeiten entsprechend bewerten. Diese Einsätze wären ein klassisches Kundensport-Thema." Der Kundensport-Bereich, der bei Porsche von Michael Dreiser geleitet wird, ist im Gegensatz zu anderen Herstellern äußerst profitabel. Derzeit sind weltweit rund 100 Stück des 911 GT3 R in Umlauf.

"Das GT3-Reglement gibt Kunden weltweit die Möglichkeit, Motorsport auf hohem Niveau zu betreiben", verweist Enzinger auf die Kundensport-DNA von Stephane Ratels GT3-Konzept. Der Schweizer Fach-Rennstall, der bereits zu den Stammteams in diversen Porsche-Cups zählt und im Vorjahr ein BMW-Kundenteam in der DTM auf die Beine stellen wollte, hat sich bereits als Interessent für einen DTM-Einstieg mit dem Boliden in Stellung gebracht.

"Wenn DTM mehr Leistung will, ist Porsche ausgeschlossen"

Dennoch ist nach wie vor unklar, ob der 911 GT3 R den Vorstellungen von DTM-Boss Gerhard Berger entspricht, die Autos über eine Balance-of-Performance (BoP) auszureizen und damit leistungsstärker zu machen. Denn der kleine Boxermotor im Heck des Boliden liefert rund 520 PS, während den DTM-Verantwortlichen eine Leistung im Bereich von 600 PS vorschwebt, die mit den meisten GT3-Fahrzeugen erreichbar ist.

"Ich glaube nicht, dass es sich eine ITR erlauben kann, eine Firma wie Porsche auszuschließen", meint Teamchef Alex Fach. "Und wenn sie sagen, sie wollen mehr Leistung, dann ist Porsche ausgeschlossen."

In Hinblick auf diese Problematik wurde bereits mit der DTM-Dachorganisation ITR kommuniziert, offenbart Enzinger. "Wir stehen in Kontakt mit der ITR und haben den Verantwortlichen auf Anfrage alle Unterlagen zum aktuellen 911 GT3 R zukommen lassen", sagt der Österreicher. Von möglichen Anpassungen, damit das Auto ins DTM-Konzept passt, nimmt er aber Abstand: "Eine Weiterentwicklung oder technische Veränderung des bestehenden 911 GT3 R wird es nicht geben."

GTE-Motor würde erforderliche Leistung bieten

Damit ist auch die Idee vom Tisch, ein spezielles Motoren-Kit an Kundenteams zu verkaufen, um für mehr Leistung sorgen. Denn die GTE-Variante 911 RSR, wie sie bei den 24 Stunden von Le Mans oder in der IMSA-Serie eingesetzt wird, verfügt über einen Mittelmotor, der zwar mit dem gängigen Luftmengenbegrenzer auch nicht über 515 PS kommt. Wenn man ihn allerdings offen fährt, wäre eine Leistung von an die 600 PS nicht unerreichbar.

"Aber wenn du ein Porsche-Kundenteam machst - und du hast ein Auto und musst auch noch ein Kit mit Motoren und so weiter dazukaufen, damit du überhaupt mitfahren kannst -, dann stellt sich die Sinnfrage noch mehr", sagt Gottfried Grasser, der mit seinem Lamborghini-Team an der GT3-DTM Interesse hat und daher anhand der Kosten weiß, wie schwierig es ist, ein entsprechendes Projekt auf die Beine zu stellen.

Aber ist es nun möglich, den aktuellen GT3-Boliden DTM-fit zu machen? "Der passt gar nicht rein", antwortet Ex-DTM-Pilot Manuel Reuter, der der Meinung ist, dass die "Leistung mit dem jetzigen GT3-Motor standfest kaum zu erbringen ist".

Hätte der 911 GT3 R ein Zweikampf-Problem?

Könnte man das Auto über eine Gewichtsreduktion angleichen? "Das ist nicht unmöglich, aber auch wieder mit sehr viel Aufwand verbunden", meint Reuter, der als Sportdirektor mit seinem GT-Masters-Team Rutronik auf den Audi R8 LMS setzt. "Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Da ist das Auto am Anschlag, wenn man bedenkt, wofür es entwickelt wurde. Und dann muss ich extrem viel Geld in die Hand nehmen."

Zudem sieht Reuter ein Problem im direkten Duell mit anderen Autos: "Wenn ich ein Autokonzept habe, das viel weniger Leistung hat und viel leichter ist, dann kann ich es zwar über die BoP in Hinblick auf die Rundenzeit angleichen, aber nicht für einen Zweikampf. Dieses Auto hat auf den Geraden immer eine gewisse Schwäche. Und in den Kurven stehen mir die anderen im Weg herum."

Hält ITR an zusätzlicher Leistung fest?

Für Rowe-Teamchef Hans-Peter Naundorf, dessen Rennstall eben erst mit dem 911 GT3 R die 24 Stunden von Spa-Francorchamps gewonnen hat, ist ebenfalls klar, dass der Bolide nicht auf allen Strecken konkurrenzfähig wäre: "Der Porsche ist, wenn es um Maximalleistung geht, sicher am unteren Ende der Fahnenstange angesiedelt. Man müsste auch schauen, inwiefern man das Gewicht reduzieren kann, um dann auf eine gleichmäßige Rundenzeit zu kommen."

Doch auf kurvigen Strecken könnte der wendige, kompakte Bolide womöglich sogar die Nase vorne haben, meint der ebenfalls an einer GT3-DTM interessierte Teamchef: "Auf einer Strecke wie Macao würde ich wahnsinnig gerne mit einem Porsche fahren. Er ist dafür wie gemacht." Einziges Problem: Es sieht derzeit nicht danach aus, als wäre eine vergleichbare Rennstrecke im kommenden DTM-Kalender.

Zudem plant die DTM eine BoP, die für die gesamte Saison gilt - und nicht von Strecke zu Strecke angepasst wird. Auch das macht es für den Porsche nicht unbedingt einfacher, auf allen Kursen konkurrenzfähig zu sein. Man darf nun gespannt sein, ob die ITR mit der zusätzlichen Leistung auch das letzte fahrzeugtechnische Unterscheidungsmerkmal zum GT-Masters fallen lässt - und damit die Türe für die zahlreichen potenziellen Porsche-Teams öffnet.

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