Anzeige

Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert Bach

27.10.2020 12:01
GfbV kritisiert Thomas Bach
© AFP PHOTO / IOC/ GREG MARTIN/SID/GREG MARTIN
GfbV kritisiert Thomas Bach

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Präsidenten Thomas Bach dafür kritisiert, beharrlich zu schwersten Menschenrechtsverletzungen in China zu schweigen. In der vergangenen Woche hatte Bach davor gewarnt, die Olympischen Spiele zu einem "Marktplatz der Demonstrationen aller Art" werden zu lassen.

"Bach spricht von politischer Neutralität. Damit meint er, dass wir schwerste Menschenrechtsverletzungen stillschweigend hinnehmen sollten", erklärte Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung, am Dienstag. "Wenn er zu diesen Verbrechen schweigt, verhält er sich aber nicht neutral: Er unterstützt den laufenden Völkermord, indem er die Kommunistische Partei Chinas vor Kritik schützt."

Bach wolle, so die GfbV, blütenreine Kamerabilder aus dem Reich der Mitte liefern, während dort über eine Million Angehörige der uigurischen, kasachischen und kirgisischen Volksgruppen willkürlich interniert sind oder waren. "Das schwere Schicksal der muslimischen Nationalitäten sowie der Verfolgten in Tibet und der inneren Mongolei solle diese regime-freundlichen Bilder offenbar nicht stören", heißt es in der Erklärung der Gesellschaft.

Dass Bach aber jetzt, Jahre nach dem Bekanntwerden von chinesischen Umerziehungslagern für muslimische Nationalitäten, das Wort 'Uiguren' nicht einmal in den Mund nehmen mag, sei für die GfbV "nicht hinnehmbar. Frauen werden Opfer von Zwangssterilisierungen, Kinder werden von ihren Familien getrennt, und Herr Bach tut so, als würden die Olympischen Spiele in einem politikfreien Raum stattfinden. Die chinesische Regierung freut es."

Die Regel 50.2 der Olympischen Charta besagt, dass jegliche politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda bei den Spielen nicht gestattet ist. In den vergangenen Monaten ist der Druck auf das IOC jedoch gestiegen, nicht zuletzt nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA und der darauffolgenden weltweiten Protestwelle gegen Rassismus und für mehr Gleichberechtigung.

Großbritanniens Außenminister Dominic Raab hatte Anfang Oktober angesichts der Menschenrechtsverletzungen gegenüber den uigurischen Muslimen sogar einen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking nicht ausgeschlossen. In Kanada, Australien und den USA wird ebenfalls über einen Boykott debattiert.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige