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Prestige-Duell mit dem BVB "war kein Derby"

Neururer ruft "Abstiegskampf" auf Schalke aus

27.10.2020 07:56
Entsetzt nach Pleite des FC Schalke 04 beim BVB: Peter Neururer
© RHR-FOTO/Tim Rehbein via www.imago-images.de
Entsetzt nach Pleite des FC Schalke 04 beim BVB: Peter Neururer

Der frühere Bundesliga-Trainer Peter Neururer sieht seinen Ex-Klub FC Schalke 04 nach der bitteren 0:3-Niederlage im Revierderby beim BVB in akuter Abstiegsgefahr schweben.

"Wenn es am Freitag im Bundesliga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in die Hose geht, dann habe ich schlimme Befürchtungen. Schalke 04 wird, sollte es auch gegen den VfB schiefgehen, mit Abstiegskampf konfrontiert", sagte Neururer der "WAZ"

Die Ausrede, die Saison sei nach fünf Spieltagen noch jung, will der 65-Jährige nicht gelten lassen. "Noch ist kein Abstand in der Tabelle zu erkennen, aber es gibt gewisse Tendenzen. Und diese Tendenzen nimmst du mit", erläuterte Neururer.

Auf die Leistung der Königsblauen im Derby beim BVB blickt der Kult-Coach mit großem Unverständnis zurück. "Für Schalke ist das Spiel in Dortmund noch glimpflich ausgegangen. Irgendwann musste es mal im Kasten klappern, das hatte sich angedeutet. Und ehrlich gesagt: Für mich war das kein Derby. Du kannst sicherlich gegen Borussia Dortmund verlieren, aber nicht so."

In solchen Spielen müsse man "sich wehren, alles reinhauen und auch selbst etwas probieren", so Neururer. "Da muss auch mal ein langer Ball geschlagen werden, sonst komme ich hinten nämlich nicht raus. Da muss ich eben andere Mittel wählen, um das zu ändern."

Der BVB sei "in allen Belangen überlegen" gewesen, unkte der erfahrene Fußball-Lehrer. "Die Torwart-Position nehme ich da mal heraus. Die konnte man nämlich nicht überprüfen, weil der BVB-Keeper ja keinen einzigen Ball auf sein Tor bekommen hat."

Verliert der FC Schalke 04 sein "Gesicht"?

Die Reaktionen auf die aktuelle Talfahrt der Schalker mit 21 sieglosen Spielen in Folge erreichten laut Neururer bereits "die erste Stufe vor dem Bereich, den du eigentlich nicht erreichen darfst: dem Mitleid."

Vergleiche zu Tasmania Berlin, 1965/66 sogar 31 Spiele ohne Sieg, seien aus Schalker Sicht der "Hyper-Hammer", sagte Neururer, der die Knappen grundsätzlich immer noch als "Riesenadresse im deutschen Profi-Fußball" sieht.

Indirekte aber deutliche Kritik äußerte Neururer auch an der Vereinsführung. "Es geht aktuell nicht nur um das Thema Klassenerhalt. Wir verlieren immer mehr unser Schalke-Gesicht. Und das finde ich richtig schlimm. Jeder, der sich mit Schalke auseinandersetzt, fragt sich: Was ist unsere Philosophie?"

Neururer kritisierte in diesem Zusammenhang die Transfer-Politik von Sportvorstand Jochen Schneider und Co. "Warum leihe ich einen Kilian Ludewig für ein Jahr, bilde ihn hier weiter aus und gebe ihn dann wieder ab? Die eigenen Leute bei uns sind außen vor. Warum haben wir denn eine Knappenschmiede?"

Neururer weiter: "Man hätte das vor der Saison auch ganz anders lösen können. In dem man sagt: Liebe Fans, wir spielen brutal gegen den Abstieg. Und wir machen das verstärkt mit unseren Jungs aus dem eigenen Talentbereich."

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