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Ferrari-Kollege mit gleichen Reifen deutlich schneller

Vettel brutal ehrlich: "Sehe kein Land" gegen Leclerc

24.10.2020 19:21

Sebastian Vettel hat es ausgesprochen. Bei "Sky" sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister: "Im Moment sehe ich gar kein Land [gegen Charles Leclerc]."

Sein Ferrari-Teamkollege schlage ihn derzeit nicht nur, "das ist ja wie eine andere Klasse", meint Vettel. Auch im Qualifying zum Portugal-Grand-Prix in Portimao blieb Vettel deutlich hinter Leclerc zurück.

Während Leclerc den vierten Startplatz eroberte, kam Vettel nicht über Position 15 hinaus. Abstand: etwas mehr als eine halbe Sekunde in Q2.

Und Vettel gibt sich ratlos: "Ich probiere alles, was ich kann. Ich denke, die Runden, die ich treffe und mit denen ich zufrieden bin, die sind trotzdem noch zu langsam. Mehr bleibt mir im Moment nicht übrig als das rauszuholen, was in mir steckt."

Hat sich Vettel bei der Reifenwahl vertan?

Oder hat sich Vettel in Portimao schlicht bei den Reifen vertan? Nach den ersten Runden in Q1, die Vettel noch mit der Soft-Reifenmischung absolviert hatte, ließ er in Q2 plötzlich Medium ans Auto montieren - und schied im zweiten Qualifying-Segment auf dem letzten Platz liegend aus. Allerdings: Leclerc wählte genau die gleiche Reifentaktik und kam durch.

Im Gespräch mit "RTL" verteidigt Vettel die Reifenentscheidung. Er sagte: "Im ersten Versuch hatte ich [damit] eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Den hatte ich gut erwischt. Im zweiten Versuch aber kamen die Reifen irgendwie gar nicht auf Temperatur. Ich hatte direkt in Kurve 3 ein stehendes Rad. Dann war die Runde auch schon verkorkst."

Erklären könne er nicht, warum der Medium-Reifen für ihn nicht funktioniert habe. O-Ton: "Ich weiß nicht, wieso ich mich so schwer damit tue, die Reifen auf Temperatur zu bringen, dass es sich jedes Mal ein bisschen anders anfühlt."

Leclerc mit gleichen Reifen deutlich schneller

"Wie gesagt: Beim ersten Versuch fühlte sich das Auto gut an. Ich dachte, mit dem Medium kann ich locker die Zeit von Q1 fahren. Das war die Vorgabe, aber war dann doch nicht so locker."

Zum Vergleich: In Q1 erzielte Vettel eine Rundenzeit von 1:17.446 Minuten und wurde zwei Hundertstel hinter Leclerc auf P8 abgewinkt. In Q2 aber blieb ihm mit 1:17.919 Minuten nur P15 als Schlusslicht der Teilsession. Leclerc kam derweil mit Medium auf 1:17.367 Minuten, war knapp ein halbes Zehntel schneller als in Q1 auf Soft.

Von einer Reifen-Fehlentscheidung will Vettel jedoch nicht sprechen, sondern bemerkt nur: "Im Nachhinein sagt es sich leicht. Ich hatte halt Schwierigkeiten damit, die Reifen zum Arbeiten zu bringen. Und das war's dann."

Vettel beklagt nicht vorhandene Ferrari-Konstanz

Er sei daher "überhaupt nicht zufrieden" mit seinem Abschneiden, so Vettel weiter. "Ich hatte Probleme damit, die Dinge auf die Reihe zu kriegen."

"Es fällt einem schon schwer, einen Rhythmus zu finden, wenn es praktisch bei jeder Runde anders ist. Das hängt normal mit der Reifentemperatur zusammen. Bisher an diesem Wochenende scheint das einen großen Unterschied zu machen."

Speziell mit der Soft-Variante von Pirelli stehe er in Portimao auf Kriegsfuß, sagt Vettel bei "Sky Italia". Er habe sehr schnell Graining gehabt, was im Qualifying ebenfalls für Medium gesprochen hätte. "Der Medium-Reifen", meint Vettel, "schien eben haltbarer zu sein."

Keine großen Hoffnungen für das Rennen

Und jetzt macht sich Vettel keine großen Hoffnungen mehr für das Rennen. "Man kann eh nichts mehr ändern. Es wird ein schwieriger Tag morgen, wenn man von so weit hinten losfährt. Das Problem ist: Wir hängen morgen im gesamten Rennen im Verkehr fest. So wie schon bei den Rennen davor."

Auf die explizite Nachfrage von "RTL", ob er sich trotzdem auf das Rennen freue, sagte Vettel: "Nächste Frage!" Dann lachte der viermalige Formel-1-Weltmeister und sagte: "So natürlich nicht. Ich meine: Heute war wieder kein gutes Qualifying. Das Rennen wird dann wieder irgendein Murks sein."

"Ja ... Morgen ist ein neuer Tag. Dann versuche ich das Beste draus zu machen. Aber natürlich ist es, wenn man da hinten drin steht, immer wieder was anderes."

Wurz: Von einem mehrfachen Champion mehr erwartet

Für Formel-1-Experte Alexander Wurz vom "ORF", früher selbst Grand-Prix-Fahrer, ist all das bezeichnend für den Saisonverlauf von Vettel. Er meint: "Zumindest geht er mit sich selbst ins Gericht und sagt, er erwartet mehr von sich selbst. Wir erwarten von einem mehrfachen Champion auch mehr, müssen wir ganz ehrlich sagen. Und da kommt jetzt gerade nicht sehr viel."

"Er hat es bis jetzt nicht geschafft, das Auto auf sich abzustimmen. Da geht halt nix. Das ist hart. Und er hat ja selbst keine Antworten mehr auf die Fragen."

Fakt ist: Leclerc hat das Ferrari-Teamduell im Qualifying in Portimao auf 10:2 zu seinen Gunsten gestellt. Vettel hatte einzig im zweiten Spielberg-Qualifying und am Hungaroring den besseren Startplatz. In Ungarn erzielte Vettel zudem zum bisher einzigen Mal in diesem Jahr, wenn beide Ferrari-Fahrer im Ziel waren, ein besseres Rennergebnis als Leclerc.

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