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Australien und das Grand Final vor 30.000 Zuschauern

23.10.2020 11:19
Um diesen Pokal geht es am Samstag
© DARREN ENGLAND via www.imago-images.de
Um diesen Pokal geht es am Samstag

Es klingt irgendwie unglaublich, was sich da am Samstag am anderen Ende der Welt abspielen wird. Es findet statt: ein Endspiel, das ein ganzes Land in seinen Bann zieht - das "Grand Final" der Australian Football League (AFL) steht im Rang eines Feiertags. Das Bemerkenswerte: Es wird vor Publikum ausgetragen. Immerhin 30.000 Zuschauer sind gestattet im "Gabba", dem Cricket Ground der Millionenstadt Brisbane an der australischen Ostküste.

Zehntausende in einem Stadion? In Neuseeland üblich. Schon seit Mitte Juni finden Rugby-Spiele in vollen Stadien statt, am Sonntag wohnten 45.000 Besucher dem Spiel gegen Australien im beinahe ausverkauften Eden Park von Auckland bei. Immerhin knapp 12.000 Besucher dürfen derzeit in das Global Life Field in Arlington bei Dallas im US-Bundesstaat Texas. Dort spielen die Los Angeles Dodgers und die Tampa Bays Rays die Finalserie der nordamerikanische Baseball-Profiliga MLB aus.

Das aufstrebende Brisbane liegt im Bundesstaat Queensland, es ist beileibe nicht so, dass sie dort nicht mit dem Coronavirus in Berührung gekommen sind, aber sie sind gut weggekommen. Am Donnerstag meldeten die Behörden: keine neuen Fälle in den 24 Stunden zuvor, derzeit nur vier Infizierte, seit Ausbruch der Pandemie nur sechs Tote. Also kein Vergleich zum Bundesstaat Victoria, der mitsamt dem Hotspot Melbourne noch immer vom Rest das Landes abgeriegelt ist.

Finale erstmals außerhalb von Victoria

Die Einwohner von Melbourne sehen dem Grand Final allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Millionen-Metropole und ihre Vororte sind die Wiege von "Footy", bis 1986 hieß die AFL deshalb sogar Victorian Football League, dort ist ein Großteil der 18 Mannschaften dieser rasanten Sportart beheimatet. Jetzt findet das Grand Final erstmals seit 122 Jahren und damit auch überhaupt außerhalb von Victoria statt. Und erst zum zweiten Mal seit 75 Jahren nicht im Melbourne Cricket Ground.

In den "MCG" passen 100.000 Menschen, er ist Wallfahrtsort für die Fans und Endstadion Sehnsucht der Klubs, mehr noch als das Berliner Olympiastadion beim DFB-Pokalfinale: Vorerst bis 2058 ist das riesige Oval als Finalstadion vorgesehen. Diesmal aber wird dort nur der Sänger Mike Brady wie üblich die Footy-Hymne "Up There Cazaly" anstimmen und live nach Brisbane übertragen werden. Die übliche Parade vor dem Spiel: fällt logischerweise aus. Die Feierlichkeiten im Anschluss: ebenfalls.

Lieferdienste reiben sich die Hände

Für die Melburnians wird der Samstag trist werden. All das, was ihnen lieb und teuer ist am Tag des Grand Final: diesmal nicht möglich. Was umso bitterer ist, weil die Tigers aus dem Stadtteil Richmond gegen die Cats aus der knapp 65 Kilometer südwestlich gelegenen Hafenstadt Gelong ihren dritten Titel in vier Jahren gewinnen können. Freuen werden sich allenfalls die Lieferdienste: Sie erwarten ein Umsatzplus von mindestens 15 Millionen Dollar im Umfeld des Spiels.

Dass das Grand Final in Brisbane stattfindet, ist auch ein Dankeschön an die Stadt und den Bundesstaat, der während der Pandemie praktisch die gesamte AFL beherbergte, beinahe alle Teams siedelten dorthin über, um die Saison spielen zu können, in einem Jahr, in dem Footy "eine rare Quelle der Freude" war, wie der TV-Sender "ABC" feststellte. Derweil hoffen die Menschen in Melbourne darauf, dass sie wenigstens im Januar wieder ins Stadion dürfen: zu den Australian Open der Tennisspieler.

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