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Kejeta nach WM-Gala im siebten Himmel

18.10.2020 14:58
Melat Kejeta sorgte für einen echten Paukenschlag
© Tilo Wiedensohler via www.imago-images.de
Melat Kejeta sorgte für einen echten Paukenschlag

Der Ritterschlag für Melat Kejeta kam vom aktuell größten Laufstar der Leichtathletik höchstpersönlich. "Es war eine Ehre, dich zu treffen. Herzlichen Glückwunsch zur Silbermedaille, auf dass in Zukunft noch viele Erfolge hinzukommen", kommentierte der 5000- und 10.000-m-Weltrekordler Joshua Cheptegei ein gemeinsames Bild auf Kejetas Instagram-Account.

Mit ihrem Sensationssilber bei der Halbmarathon-WM im polnischen Gdynia und ihrer Fabelzeit über die 21,0975 Kilometer verdiente sich die 28-jährige Deutsche die Anerkennung der ganz Großen ihrer Sportart.

In 1:05:18 Stunden stellte Kejeta dabei nicht nur einen deutschen Rekord sowie einen Europarekord in reinen Frauenrennen auf, sie sorgte auch für eine der ganz großen Überraschungen des Leichtathletik-Jahres. "Klar, ich wollte mein Bestes geben, aber mit diesem Ergebnis hätte ich nicht gerechnet", sagte Kejeta, die die erste deutsche WM-Medaille über diese Distanz gewann.

25 Jahre stand die deutsche Bestmarke von Uta Pippig (1:07:58) wie in Stein gemeißelt, ehe sie von Kejeta pulverisiert wurde. Mehr als zweieinhalb Minuten blieb die Läuferin aus Kassel in einem äußerst schnellen Rennen unter Pippigs Zeit - und selbst zur Siegerin Peres Jepchirchir fehlten nur zwei Sekunden.

"Besser hätte es gar nicht laufen können"

"Das ist eine Hausnummer und absolute Weltspitze. Besser hätte es gar nicht laufen können. Ich fand vor allem den Mut beeindruckend, von Anfang an dieses hohe Tempo mitzugehen", sagte Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig über ihren Schützling, der im "Vorbeilaufen" auch noch einen deutschen Rekord über 10 km aufstellte: "Hut ab, sie hat alles richtig gemacht." Zur Krönung gab es für Kejeta und das deutsche Team noch Bronze in der Mannschaftswertung.

Für Kejeta war es ein Debüt wie gemalt im Trikot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Im vergangenen Jahr bekam die gebürtige Äthiopierin, die 2013 aus politischen Gründen ihr Heimatland verließ, die deutsche Staatsbürgerschaft, der Weltverband World Athletics (WA) erteilte ihr im März 2020 die Starterlaubnis für Deutschland - doch dann kam die Corona-Pause, und auch sie musste ihre Olympia-Hoffnungen erst einmal aufschieben.

Tokio ist das große Ziel. Dann allerdings über die Marathon-Distanz, denn der Halbmarathon ist nicht olympisch. Und dass Kejeta auch dort beeindrucken kann, bewies sie im vergangenen Jahr in Berlin. Als sie dort im Vorfeld eine Weltklasse-Zeit von 2:22:00 Stunden als Ziel ihres Debüts ausgab, meinten nicht wenige Zuhörer, sie falsch verstanden zu haben. Doch dann wurde sie Sechste, in 2:23:57. Das war nicht nur deutlich unter der Olympianorm, sondern auch die zweitschnellste Zeit einer deutschen Marathon-Läuferin überhaupt.

Für Cheptegei verlief die WM im Übrigen weniger erfolgreich als für Kejeta, er kehrte als Vierter ohne Einzel-Medaille nach Hause zurück.

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