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Neue Freude, neue Sorgen: BBL-Klubs zweifeln weiter

18.10.2020 12:11
In die Freude über die Zuschauer-Rückkehr im deutschen Basketball hat sich leichte Ernüchterung gemischt
© dpa
In die Freude über die Zuschauer-Rückkehr im deutschen Basketball hat sich leichte Ernüchterung gemischt

Neue Fragen, neue Herausforderungen: In die Freude über die lang ersehnte Zuschauer-Rückkehr im deutschen Basketball hat sich leichte Ernüchterung gemischt.

Beim BBL-Pokal in Weißenfels durften erstmals seit März wieder Fans zu nationalen Pflichtspielen, doch die rissen sich nicht gerade um die Tickets. Stimmung kam erst beim heimischen Syntainics MBC auf, der die letzten der 500 genehmigten Karten noch an der Abendkasse verkaufte.

"Es ist klar, dass das kein Selbstläufer wird", sagte Philipp Galewski, Geschäftsführer von Brose Bamberg. Dessen Auftaktsieg gegen Ulm - immerhin beides Halbfinalisten des Vorjahres - sahen in Weißenfels nur 150 Fans. Die Klubs müssen offenbar um jeden Gast kämpfen, die Verunsicherung scheint unerwartet groß zu sein.

"Diese Zeiten sind vorbei" 

"Als Verein ist man verwöhnt und erwartet, dass man die Plätze schnell verkauft bekommt. Aber diese Zeiten sind vorbei", meinte Galewski. "Die Fans sind nicht mehr gewohnt, in die Halle zu kommen. Da ist sehr viel Kommunikation erforderlich." Ähnliche Erfahrungen hatten bereits die Handball-Bundesligisten gemacht. Bamberg selbst hatte kürzlich 1200 Fans für ein Testspiel genehmigt bekommen, aber nur gut die Hälfte der Karten abgesetzt.

Nach Meinung seines Weißenfelser Amtskollegen Martin Geissler sind in der Kommunikation nicht ausschließlich die Klubs gefragt. "Wenn von Behörden und Politik von einer erhöhten Gefahrenlage gesprochen wird, würde ich mir auch überlegen, zu einem Großereignis zu gehen", sagte der 35-Jährige. Als Klub könne man zeigen, dass man alles für die Sicherheit der Zuschauer tue und sie so überzeugen.

Was das konkret bedeutet, war am Wochenende in der Stadthalle zu erleben. Diese war strikt in aktive (Teams) und passive (Zuschauer) Zonen unterteilt, es sah durch fast zwei Meter hohe Plexiglaswände zwischen Tribüne und Spielfeld teilweise aus wie beim Eishockey. Am Eingang bestand die Pflicht zum Fiebermessen, die Sitzanordnung in Zehnergruppen sollte die schnelle Nachverfolgbarkeit von Kontakten gewährleisten. Zwischen den Spielen wurden Plätze, Geländer, Gänge und selbst die Polsterungen der Werbebanden desinfiziert.

"Zum Leben zu wenig"

Dass Sport-Veranstaltungen nicht automatisch Superspreader-Events sind, hat der Fußball bisher gezeigt. "Dort hatten wir bereits über 200.000 Zuschauer in den Stadion und es sind keine Infektionen bekannt, die darauf zurückzuführen sind", sagte Florian Kainzinger. Er hatte bereits das Hygiene- und Sicherheitskonzept der BBL für das Final-Turnier Ende Juni in München maßgeblich mitentwickelt.

Dennoch könnten aufgrund der Infektionszahlen schon am nächsten Wochenende, wenn die Pokal-Spieltage zwei und drei ausgetragen werden, erneut Geisterspiele anstehen. Bei den Pokal-Turnieren in Bonn und Vechta war das bereits an diesem Wochenende der Fall.

Für die Klubs dürfte das wirtschaftlich nur einen kleinen Unterschied machen. "Wir nehmen die momentan erlaubten 20 Prozent gerne an. Aber finanziell ist das ehrlicherweise zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel", sagte Galewski. Er favorisiert eine Lösung, bei der die Hallen zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet werden dürfen. "Mit dieser Maßnahme könnte man die Sicherheit trotzdem gewährleisten und die Clubs würden nicht in Probleme kommen." Würden die Infektionszahlen dann irgendwann keine Fans mehr zulassen, werde man das akzeptieren.

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