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BVB-Wunderkind von Schalker Fans beschimpft

Derby-Eklat um Moukoko: BVB-Bosse und DFB-Vize reagieren

19.10.2020 20:15
Youssoufa Moukoko erzielte drei Tore für den BVB beim FC Schalke 04
© TEAM2 via www.imago-images.de
Youssoufa Moukoko erzielte drei Tore für den BVB beim FC Schalke 04

Das U19-Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 in der A-Junioren-Bundesliga West ist von Schmähungen gegen Youssoufa Moukoko überschattet worden. Inzwischen äußerten sich sowohl Vertreter beider Klubs als auch das Top-Talent des BVB selbst zu den Vorfällen.

Youssoufa Moukoko versenkte den FC Schalke 04 im "kleinen Revierderby" nahezu im Alleingang. Drei Treffer gelangen dem 15-Jährigen gegen den Erzrivalen. Nach dem Spiel war aber nicht (nur) die sportliche Leistung des Youngsters Thema.

Dabei hatte Moukoko früh (10.) für die Dortmunder Führung gesorgt. Der 15-Jährige fing einen folgenschweren Fehlpass von Schalkes Abwehrspieler Luca Campanile ab und netzte sicher ein.

Direkt im Anschluss (11.) gelang Schalke der Ausgleich. Nach einer Flanke von Mehmet-Can Aydin bugsierte Göktan Gürpüz den Ball unglücklich ins eigene Tor.

Kurz vor der Halbzeitpause (39.) erhöhte Moukoko auf 2:1. Die Vorlage von Abu-Bekir Ömer El-Zein nahm der Youngster gekonnt mit der Brust an und ließt sein Können dabei mit einem schönen Treffer aus der Drehung heraus aufblitzen.

Auch in der zweiten Hälfte setzte Moukoko seinen Lauf fort und traf aus 20 Metern zum 3:1 (62.) - bereits sein sechstes (!) Saisontor im zweiten Spiel. Doch wieder ließ die Antwort der Schalker nicht lange auf sich warten. Durch einen kapitalen Fehlpass von BVB-Keeper Klußmann Leon konnte Vasilios Pavlidis nach rund einer Stunde auf 2:3 (64.) verkürzen. Zu mehr reichte es für die Königsblauen aber nicht mehr.

Youssoufa Moukoko von Fans des FC Schalke 04 beleidigt

Moukokos Gala wurde von wüsten Beschimpfungen und womöglich auch rassistischen Beleidigungen nach dessen drittem Treffer überschattet. Auf Videoaufnahmen sind deutlich Drohungen wie "Ich brech dir alle Knochen!" oder "Leg dich ins Grab!" zu hören.

Auch Schimpfwörter fallen, ein Zuschauer brüllt: "Verpiss dich, du schwa..." - der Rest ist nicht klar zu hören.

Der BVB zeigte auf Twitter ein Foto des jubelnd über den Rasen rutschenden Derby-Helden.

Dieses garnierte die Borussia mit einem Emoji, das die Schalker Pöbler mit Zeigefinger auf den Lippen zum Schweigen auffordert und den Hashtags: "NoToRacism" sowie "BorussiaVerbindet".

Reaktionen auf die Beleidigungen gab es während des Spiels ebenso wenig wie Konsequenzen für die entsprechenden Anhänger. Nach der Partie meldete sich Schalke aber bei Twitter zu Wort.

"Wir können uns bei Youssoufa Moukoko für die Aussagen einiger Fans nur entschuldigen", hieß es in dem Statement: "Bei allen Emotionen im Derby - solche Beleidigungen verurteilen wir aufs Schärfste und lehnen sie ausdrücklich ab." Der Klub kündigte an, er werde "die notwendigen Maßnahmen" ergreifen.

Moukoko selbst äußerte sich nach der Partie via Instagram. "Ich bin stolz mit dieser Hautfarbe geboren zu sein und werde immer stolz sein", schrieb er dort. Auch wenn ein Derby für Spieler und Fans emotional sei, "sollte der Sport uns verbinden und Spaß machen und keine Grenzen zwischen uns setzen".

BVB: Watzke nimmt Schalker Entschuldigung an

Dortmunds Jugendkoordinator Lars Ricken fand gegenüber "Ruhr Nachrichten" ebenfalls deutliche Worde: "So etwas hat in einem Bundesligaspiel nichts zu suchen und schon gar nicht in einem Spiel der U19. Das ist sehr traurig. Ich bin froh, dass wir eine sportliche Antwort auf dem Platz gegeben haben."

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, der erklärte, die Äußerungen während des Spiels nicht mitbekommen zu haben, sagte bei "Sky": "Es ist aufs Schärfte zu verurteilen, was da passiert ist. Das ist in der heutigen Zeit nicht in Worte zu fassen, was sich manche Menschen in unserer Gesellschaft erlauben." Man werde nun alles versuchen, die Sache aufzuklären. 

"Es waren nicht viele Leute im Stadion, es waren exakt 300. Wir werden versuchen, mit unserem Sicherheitsdienstleister diejenigen ausfindig zu machen, die sich so geäußert haben." Er habe BVB-Boss Hans-Joachim Watzke geschrieben und sich bei Moukoko und der Borussia entschuldigt, so Schneider weiter.

Watzke äußerte sich am Montag gegenüber dem "SID" zu den Vorfällen. Schneiders Entschuldigung bezeichnete der Dortmunder Geschäftsführer als "sehr anständig". Schalke werde das weiter verfolgen, so der BVB-Boss. "Ich habe die Entschuldigung angenommen."

DFB positioniert sich deutlich

Für den DFB-Vizepräsidenten Günter Distelrath sind die Beleidigungen unerträglich. "Das hier ist so ein Fall, bei dem wir uns gemeinsam positionieren und vor den Spieler stellen müssen." Ein klares Zeichen solle die unabhängige Sportgerichtsbarkeit setzen, sagte er am Montag.

"Man darf vor solchen Leuten nicht kapitulieren. Wenn möglich, ist es in meinen Augen immer besser, denjenigen, der da reingerufen hat, zu identifizieren und aus dem Stadion zu verbannen, statt das Spiel abzubrechen", sagte der Integrationsbeauftragte des DFB, Cacau, am Montag der "Deutschen Presse-Agentur".

Auf den Vorfall reagierte er mit Bestürzung. Es sei "immer traurig, wenn so etwas passiert". In den letzten Jahren habe die Zahl derartiger Vorfälle zugenommen.

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