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Luitz will zurück in den "Drecksau"-Modus

15.10.2020 12:49
Stefan Luitz gehört zu den erfahrenen Athleten im DSV
© Sammy Minkoff via www.imago-images.de
Stefan Luitz gehört zu den erfahrenen Athleten im DSV

Viktoria Rebensburg ist zurückgetreten, beim Saisonstart der Ski-Rennläufer kommt es aus deutscher Sicht auf Stefan Luitz an. Und der hat sich einiges vorgenommen.

Es ist unbestritten, dass Stefan Luitz ein begnadeter Ski-Rennläufer ist. Dass er auch gewinnen kann, hat er allerdings nur einmal bewiesen bislang, und das ist nun auch schon fast zwei Jahre her. Luitz weiß, dass er es besser hätte machen können. Vor allem die vergangene Saison, gesteht er, "war brutal zäh". Er hat freilich auch einen Plan, wie er künftig aus seinem Talent wieder das Beste machen kann: "Ich muss wieder ein bisschen mehr die Drecksau sein."

Die erste Gelegenheit, kompromissloser Ski zu fahren, hat Luitz am Sonntag beim Weltcup-Auftakt in Sölden, wo Frauen (Samstag, 10:00/13:00 Uhr) und Männer (Sonntag, 10:00/13:15 Uhr) wie üblich einen Riesenslalom fahren. Die Erwartungen sind nicht allzu groß, schließlich ist der Allgäuer auf dem Rettenbachferner nie unter die besten 15 gefahren. Alpinchef Wolfgang Maier aber versichert: "Wir sind besser, als es die Ergebnisse zuletzt gezeigt haben."

Das gilt mit Ausnahme von Abfahrer Thomas Dreßen, der erst im Dezember in Val d'Isere seine ersten Rennen vor sich hat, für die ganze deutsche Mannschaft. Wie gut Luitz sein kann, hat er im Dezember 2018 beim Riesenslalom in Beaver Creek bewiesen: Sein erster Sieg wurde ihm wegen der leidigen Sauerstoffaffäre zunächst aberkannt und erst im März 2019 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wieder zugesprochen. In der Zwischenzeit hatte er sich bei der WM in Are schwer verletzt.

All das machte Luitz doch schwer zu schaffen, zu Beginn des vergangenen Winters hatte er "die Sachen nicht so verarbeitet wie gedacht", er habe deshalb auch "ein bisschen einen Schritt zurück gemacht, ich bin zu sehr auf Sicherheit gefahren - aber das bin nicht ich". Nun aber, versicherte der 28-Jährige, sei er "wieder der Chef", er habe alles unter Kontrolle, das gilt auch für das Material. Also: Zeit, um wieder ein bisschen die Drecksau zu sein.

Dem Alpinchef käme das sehr gelegen. "Ich habe die Hoffnung, dass sich die männlichen Techniker stabilisieren", sagt Maier im Jahr zwei nach dem Rücktritt von Felix Neureuther. Für Luitz hieße das: Konstant unter die ersten Zehn fahren - und dann gerne mehr. Der Allgäuer klingt, als sollte dies machbar sein. "Man darf uns nicht unterschätzen", behauptet er, "ich hoffe, dass die deutsche Flagge schon vorne dabei sein wird." Das liegt freilich zu einem Großteil erst mal an ihm.

Was die Frauen angeht, bittet Maier nach dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg um Geduld. Mit zwei Siegen und zwei weiteren Podestplätzen war "Vicky ein Garant in Sölden", sagt er, zudem diente sie dem Rest der Mannschaft zugleich als "Schutzschild". Nun sind Spitzenresultate erst mal nicht mehr zu erwarten, nicht am Samstag und auch danach nicht. Aber, betont Maier: "Wir haben ein paar junge Mädels, die richtig gut Ski fahren. Das kriegen wir in den nächsten Jahren hin."

Aber erst mal hinterlässt Rebensburg "sehr große Fußstapfen", wie auch ARD-Experte Neureuther sagt: "Da wird in der nächsten Zeit sicher keine reintreten, am ehesten noch die Kira Weidle." Auch Weidle aber könnte dies erst im Dezember tun: Sie ist Abfahrerin.

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