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Reichen die Ideen für den Turnaround?

Vier konkrete Ansätze: So will Baum Schalke flott machen

16.10.2020 07:16
Gelingt Schalke am Sonntag mit Manuel Baum der erste Sieg?
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Gelingt Schalke am Sonntag mit Manuel Baum der erste Sieg?

Für Manuel Baum, den neuen Cheftrainer von Krisen-Klub FC Schalke 04, kam die Länderspielpause ganz recht. So konnte sich der Übungsleiter ein besseres Bild von seinem Team machen und erste Änderungen vornehmen.

Welche Ansätze verfolgt der S04-Coach? Und reichen die Ideen aus, um den Revierklub wieder nach oben zu führen?

  • Schalke 04: Taktik-Schulung für defensive Stabilität

Fünfzehn Gegentore kassierte Schalke 04 in seinen ersten drei Bundesliga-Partien und weist somit - wenig verwunderlich - die schlechteste Abwehr der Liga auf. Die Viererkette und der gesamte königsblaue Defensivverbund waren heillos überfordert, von einer klaren Struktur keine Spur.

Manuel Baum will sein Personal nun taktisch schulen, um die Probleme anzugehen. Im Training ließ er erst einmal das Herausspielen aus der Defensive proben, um knifflige Situationen spielerisch zu lösen. Panische Befreiungsschläge oder Rückpässe zum Keeper soll es fortan nur noch in Notfällen geben.

S04-Profi Mark Uth, einziger Schalker Torschütze der Saison, gab gegenüber "Sport Bild" einen Einblick in Baums Arbeit. Er halte die taktischen Vorgaben zunächst "noch so simpel wie möglich", um die Spieler nicht zu "überfordern". Mit der Zeit soll an der Taktik weiter gefeilt werden.

Der spielerische Ansatz des Trainers "gibt den Innenverteidiger natürlich Druck, dass sie Lösungen finden, und den Mitspielern, dass sie Angebote machen", so Uth. Klingt vielversprechend, gelingen kann das aber wohl nur mit einem gesteigerten Selbstvertrauen.

  • Schalke 04: Selbstvertrauen schaffen

19 Spiele sind die Knappen ohne Pflichtspielsieg, so etwas steckt tief in den Köpfen. Der kurz vor Toreschluss zur TSG Hoffenheim geflüchtete Sebastian Rudy bestätigte unlängst im "kicker", dass die Horrorserie bei den Schalkern "noch in den Köpfen ist". 

Eigentlich sind sich (Ex-)Spieler (Rudy: "Die Schalker Mannschaft hat sehr großes Potenzial."), Verantwortliche (Manuel Baum: "Ich bin von der Qualität unseres Kaders überzeugt.") oder TV-Experten (Lothar Matthäus: "Der Kader an sich ist nicht so schlecht.") einig, dass die Schalker Mannschaft nicht auf den 18. Tabellenrang gehört. Sie bringt die Leistung aber schlichtweg nicht auf den Platz.

Baum organisierte während der Länderspielpause daher ein Testspiel gegen den Zweitligisten SC Paderborn, um die Moral zu heben. Mit Erfolg: Schalke besiegte den Bundesliga-Absteiger mit 5:1. 

Zwar war längst nicht alles Gold, was glänzt - Paderborn brachte S04 etwa mehrfach in die Bredouille, der Sieg fiel insgesamt auch zu hoch aus. Ein wenig Erleichterung dürfte auf Schalke dennoch eingekehrt sein. Siegreich vom Feld zu gehen, scheint wieder möglich zu sein.

  • Schalke 04: Baum trifft Personal-Entscheidungen

Neuer Trainer, neuer Versuch. Das trifft im Fall Schalke wohl auf Mark Uth zu. Der unter David Wagner in der Saison 2019/2020 noch aussortierte und an Köln verliehene Angreifer soll im zweiten Anlauf den Durchbruch schaffen. Für Manuel Baum ist er nun einer der zentralen Akteure auf dem Feld - im wahrsten Sinne.

Gegen Paderborn ließ er Uth im zentral-offensiven Mittelfeld agieren. Dort fühlte sich der 29-Jährige prompt pudelwohl, zog die Fäden und erzielte obendrein drei Treffer. "Mark kann Strategien gut umsetzen, er ist enorm kreativ und ein Führungsspieler", folgte das Lob des Übungsleiters.

Notgedrungen und dennoch erwartbar hat Baum zudem einen Wechsel im Tor vollzogen. Gegen Leipzig ließ er zwar noch Stammkeeper Ralf Fährmann ran und Neuzugang Frederik Rönnow auf der Bank. Fährmanns Adduktorenverletzung hat den Wechsel im Tor nun aber beschleunigt.

Dass der Däne ohnehin gute Chancen auf die Nummer eins hat, hatte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic nach Transfer-Vollzug durchblicken lassen. Man wolle Rönnow "die Gelegenheit nicht verwehren, regelmäßig in der Bundesliga sein Können unter Beweis zu stellen, wofür Freddy auf Schalke aktuell die größeren Chancen sieht - nicht zuletzt, um sich für die Europameisterschaft im kommenden Jahr zu empfehlen". 

Wichtig vor allem: Die Diskussion über die T-Frage ist auf Schalke nun vorerst auf längere Sicht geklärt, zumal nicht klar ist, wann Fährmann zurückkehrt.

  • Schalke 04: Schluss mit Disziplinlosigkeiten

In der Vergangenheit war das Klima innerhalb der Mannschaft nicht immer das beste. Zahlreiche Spieler gerieten mit Disziplinlosigkeiten in die Schlagzeilen. Unter Manuel Baum soll das nun aufhören.

Es sind die vielen Einzelgespräche, mit denen der neue Coach das Vertrauen der Profis gewinnen will. Das Ziel: "Am Ende möchte ich einen gemeinsamen Wertekompass mit der Mannschaft entwickelt haben", verriet Baum der "Sport Bild".

Künftig sollen Begriffe wie "Verantwortung", "Respekt" oder "Ehrlichkeit" auf Schalke gelebt werden. Der Grundgedanke klingt vielversprechend: "Ich bin der festen Überzeugung, dass man als Trainer einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen sollte. Dass es nicht ausreicht, nur den Sportler mit Taktiken und Laufwegen anzusprechen, sondern dass man auch den Menschen dahinter im Blick haben muss."

Helfen sollen Manuel Baum dabei auch die Erfahrungen aus mehreren Fortbildungen, die er während seiner Zeit als Junioren-Nationaltrainer des DFB belegte. Am Ende dürfte aber auch dem neuen Mann auf Schalke klar sein: Es zählt nur ein Sieg. Am besten schon am Sonntag (18:00 Uhr) im Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin.

Gerrit Kleiböhmer

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