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Sammer über VfB-Wechsel, die Stasi und Helmut Kohl

30.09.2020 10:53
Wechselte 1990 zum VfB Stuttgart: Matthias Sammer
© imago sportfotodienst
Wechselte 1990 zum VfB Stuttgart: Matthias Sammer

1990 verließ Matthias Sammer den damaligen DDR-Klub Dynamo Dresden und wechselte in die westdeutsche Bundesliga zum VfB Stuttgart. Reiner Calmund, Helmut Kohl und die Stasi spielten beim Transfer des heutigen BVB-Beraters eine Rolle.

"Mit Dynamo Dresden hatten wir im Halbfinale des Europapokals gegen den VfB gespielt. Nach einer Partie sprach mich VfB-Trainer Arie Haan an, wir saßen bis tief in die Nacht in der Hotel-Lobby", schilderte Sammer in einem Interview mit "Sport Bild".

Das Treffen hatte Folgen für den heute 53-Jährigen. "Bei uns am Gelände von Dynamo gab es einen Mitarbeiter der Stasi. Er bat mich daraufhin zu einem Gespräch."

Er habe Auskunft über die Inhalte seines Gesprächs mit Haan geben müssen, erinnerte sich Sammer. "Ich sagte dem Stasi-Mann daraufhin, dass eines doch klar sei: Dresden sei meine Heimat, Dynamo mein Klub, und auch meine Familie gehöre hierher. Ich hätte schon tausend Möglichkeiten zur Flucht gehabt, wenn ich das gewollt hätte. Er sagte daraufhin als Antwort: 'Vielen Dank für das Gespräch'."

Danach habe er nichts mehr von dem Stasi-Mitarbeiter gehört, so Sammer. Schließlich kam der Wechsel nach Stuttgart zustande - allerdings über Umwege. Denn zunächst hatte Sammer einen Vertrag bei Bayer Leverkusen unterschrieben.

Wechsel zum VfB Stuttgart fühlte sich "richtig und besser" an

Die Werkself hatte zuvor schon seinen Dynamo-Teamkollegen Ulf Kirsten verpflichtet, im Winter sollte Andreas Thom von BFC Dynamo ebenfalls nach Leverkusen wechseln.

Bayer-Manager Reiner Calmund habe ihn, Kirsten und dessen Ehefrau Diana für ein paar Tage in ein Hotel in Prien am Chiemsee eingeladen. Dort erfolgte Sammers Sinneswandel. "Ich weiß noch genau, dass wir Wasserkopfball spielten, als ich Calli bat, meinen Vertrag rückgängig zu machen. Mich wunderte noch, dass er relativ schnell einlenkte und sagte, er würde den Vertrag zerreißen."

Sammer führte aus: "Bayer hatte tatsächlich ein Imageproblem durch die Einkaufspolitik bekommen, wohl auch Druck von der Politik. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sich sogar persönlich eingeschaltet."

Es habe sich "richtig und besser" angefühlt, zum VfB als nach Leverkusen zu wechseln, so Sammer.

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