Anzeige
Nächstes Event auf RTL und TVNOW

Ninja-Warrior-Kandidat Christian Kirstges im Interview

Kirstges exklusiv: "Es wird jedes Jahr schwieriger"

29.09.2020 19:21
Christian Kirstges erreichte 2019 Stage 1 im Finale und will 2020 noch weiter fliegen
© TVNOW / Markus Hertrich
Christian Kirstges erreichte 2019 Stage 1 im Finale und will 2020 noch weiter fliegen

Christian Kirstges ist ist Ninja-Warrior-Teilnehmer der ersten Stunde und schaffte es 2019 erstmals ins Finale. Als Glücksbringer dabei: die Moderatoren Frank Buschmann und Jan Köppen auf der Hinterseite seiner roten Shorts. Mit sport.de spricht der Zwei-Meter-Mann über Druck, Training, seinen Angstgegner, den Spagat zwischen Show und Sport und natürlich auch über sein Markenzeichen. 

Christian, Ninja Warrior Germany geht in die 5. Staffel. Du warst von Beginn an dabei und trittst jetzt direkt in der ersten Vorrunden-Show wieder auf. Wie bist du dazu ge­kommen?

Christian Kirstges: Ich kannte diese Shows schon aus anderen Ländern. Eigentlich komme ich aus dem Extrem-Hindernislauf und habe da immer die Hindernisse geliebt, wollte lieber 5000 Hindernisse nehmen als 30 Kilometer laufen. Als Ninja Warrior nach Deutschland kam, war die ganze Extrem-Hindernislauf-Szene total heiß darauf. Für mich war es der absolute Hammer, in der ersten Staffel direkt mit dabei zu sein, weil es etwas ganz Neues war – und im Grunde genommen genau das, was ich machen will.

Wie war dein Übergang vom "StrongmanRun" zu Ninja Warrior? Hat dir die Erfahrung geholfen?

Das war das reinste Drama! Ich würde sagen, dass ich in der ersten Staffel noch einer der besten Athleten war. Damals kamen die Teilnehmer vor allem vom Klettern, es waren ganz wenige Hindernisläufer dabei. Ich kannte die Hindernisse, die waren sehr artverwandt. Aber ich habe im ersten Jahr direkt am zweiten Hindernis mit dem Fuß das Wasser berührt und früh den Abflug gemacht. Das war echt ärgerlich, weil ich mich so darauf gefreut hatte und mir die Hindernisse so gelegen hätten. Aber das ist einfach die Show: Du kannst nichts planen und du kannst dich so gut vorbereiten wie du willst. Du kannst der beste Athlet sein und trotzdem in der Vorrunde ausscheiden.

Was hast du dir für dieses Jahr vorgenommen?

Das Mindestziel musste die Stage 2 im Finale sein, weil ich letztes Jahr in der Schweiz und in Deutschland in Stage 1 rausgeflogen bin. Es wird aber jedes Jahr schwieriger, sich zu behaupten, weil so viele gute Leute nachrücken. Da ist in Deutschland ja auch mittlerweile eine richtige Szene und ein richtiger Sport entstanden. Das sind viele junge Leute, mit denen ich gar nicht mehr mithalten kann, weil ich mit Mitte 30 eine ganz andere Regenerationszeit brauche und auch gar nicht mehr so trainieren kann wie die 20-Jährigen. Da fühle ich mich manchmal wie ein Opa.

Du klingst einerseits sehr ehrgeizig, andererseits bis du im Parcours erstmals durch deine rote Hose aufgefallen und immer für eine Showeinlage zu haben, "Mätzchen" nannte es Frank Buschmann mal. Wie sehr ärgerst du dich wirklich, wenn du baden gehst?

Diese Mätzchen liegen einfach in meiner Natur, ich versuche natürlich, mich in Szene zu setzen. Im Endeffekt ist es ja eine Fernsehshow, wir wollen die Leute ein bisschen entertainen. Aber natürlich schlägt da mein Sportlerherz, ich mache nicht zum Spaß mit, das Ziel ist es zu gewinnen. Wenn etwas schiefläuft, ist das ein sehr emotionaler Moment, das hat man ja auch letztes Jahr gesehen. Man stellt sich auch echt jedes Jahr die Frage: Mache ich noch einmal mit? Man spürt so einen Druck, weil man das ganze Jahr auf diesen einen Moment wartet. Und dieser eine Moment kann so schnell herum sein und alles war umsonst. Da ist also schon ein Riesenehrgeiz in mir.

Bleibt die Frage zum Thema Ausscheiden: Wie warm ist eigentlich bei Ninja Warrior das Wasser, in das man in solch einem Moment fällt?

Das ist natürlich ein subjektives Empfinden. Ich komme ja aus dem Extremsport, da bin ich oft durch eiskaltes Wasser geschwommen. Für mich ist das also eher Spaß. Ich glaube aber, das ist relativ erfrischend, beheizt ist es nicht. Aber man ist in dem Parcours so unter Adrenalin, dass man es gar nicht richtig merkt.

Hast du einen Angstgegner unter den Hindernissen?

Die Drehscheibe, die schon zweimal dran war, ist ein absolutes No-Go – aber das gilt für alle großen Leute. Ich kenne in der ganzen Szene niemanden, der über 1,90 Meter groß ist und das Ding geschafft hat, das geht einfach nicht. Wenn das Hindernis kommt, kann ich direkt nach Hause fahren. Ich habe es tausendfach privat probiert, mit allen möglichen Techniken, es klappt einfach nicht.

Welche Rolle spielt deine Körpergröße im Allgemeinen? Mit zwei Metern bist du einer der längsten Teilnehmer. Ist das Fluch oder Segen im Parcours?

Das kommt wirklich auf das Hindernis an. Ich höre öfter, dass ich einen Vorteil habe, weil ich leichter an Sachen herankomme mit meiner Reichweite. Das ist natürlich so, bei den einfacheren Hindernissen in der Vorrunde habe ich einen Vorteil, auch weil ich weiter springen kann. Aber es geht ja darum, die Show zu gewinnen und im Finale Gas zu geben. Und da ist die Körpergröße nur noch nachteilig, weil ich einfach viel mehr Gewicht mit mir herumschleppe und alles so kletterlastig ist. Andere hängen da mit ihren 50, 60 Kilo und ich habe fast 100.

Blicken wir auf dein Training: Wie bereitest du dich auf die Show vor?

In drei Phasen: Nach einer Show habe ich erst einmal eine Scheißegal-Phase, in der ich zwei, drei Monate jeden Mist esse, den ich in die Hände bekomme, und alles mache, worauf ich Lust habe, weil ich vorher so diszipliniert mit der Ernährung, dem Training und dem Schlafen war. Danach kommt die Aufbauphase, in der ich viel Krafttraining im Fitnessstudio mache und wieder Masse zulege – bei der Show selbst sehe ich ja mit gut 90 Kilo aus wie der Tod. Kurz vor der Show geht es dann in die Technikphase, in der ich viel an Hindernissen trainiere, um die Abläufe zu verinnerlichen. Und da muss die ganze Familie Rücksicht nehmen, auch Freundschaften leiden in der Vorbereitung.

Wie trainierst du die Technik, die legendäre Griffkraft beispielsweise? Hast du dir zuhause deinen eigenen Parcours aufgebaut?

Für die Griffkraft gehe ich viel bouldern. Aber mein Riesenvorteil bei Ninja Warrior ist meine Ausdauer. Viele gehen sehr schnell in den Parcours und sind dann platt. Ich bin einer der schnellsten, weil ich es ruhig angehe, es bringt nichts, von einem Hindernis zum anderen zu sprinten. Ich trainiere oft in einem Trampolinpark, wo ein Ninja-Parcours dabei ist. Da springe ich dann erst drei, vier Minuten auf dem Trampolin, damit mein Puls hochgeht. Erst dann gehe ich in den Parcours selbst, um damit meine Aufregung bei der Show zu simulieren. Aber ich trainiere natürlich auch Zuhause, mache an der Treppe Klimmzüge. Überall hängen irgendwelche Seile oder Ringe, meine ganze Wohnung ist voll damit. Manchmal hänge ich mich morgens im Anzug noch zwei Minuten an die Stange. Das Training ist auch in den ganzen Alltag integriert.

Du bist – wie einige andere Ninjas – seit der ersten Staffel dabei. Tauscht ihr euch in der Vorbereitung aus?

Wir stehen ganz eng in Kontakt und haben eine coole Community. Wir sehen uns auf Wettkämpfen und haben eigene interne Wettbewerbe. In der Kölner Gegend haben wir eine Runde mit ein paar Leuten, mit der wir uns einmal im Monat im Trampolinpark oder im Garten treffen und eine Challenge machen: Einer erstellt einen Parcours und die anderen müssen da im ersten Versuch rein, wie in der Show. Wir trainieren so zusammen, pushen uns und motivieren uns gegenseitig. Wir haben in der Gruppe auch jeweils 50 Euro in einen Topf geworfen und dem Gewinner am Ende des Jahres nach unseren Wettbewerben die komplette Kohle gegeben. Das war natürlich noch ein anderer Anreiz, dass man nicht nur zum Trainieren hinfährt.

Schaust du dir die Shows im Nachhinein eigentlich gerne an?

Ja, total gerne! Das ist auch ein Highlight, man sieht sich ja sonst nicht selbst im Parcours. Für mich ist es mega interessant zu sehen, wie die Show dann aussieht und was Buschi und Jan erzählen, das kriegen wir Athleten ja sonst nicht mit. Und natürlich analysiere ich mich auch selbst: Wie war ich im Parcours? Wo habe ich mich dumm angestellt? Hätte ich irgendwo schneller sein können? Das sind alles Dinge, auf die ich mich richtig freue.

Merkst du es in deinem Alltag, wenn die Staffel gerade läuft? Wirst du oft auf der Straße angesprochen?

Nach der Sendung ist es extrem. Da kann ich nirgendwo hingehen, ohne dass mir Leute Blicke hinterherwerfen. Dann stehe ich auch mal im Supermarkt an der Kasse und ein Junge sagt zu seiner Mutter: "Da ist der Ninja Warrior aus dem Fernsehen!" Es kommen öfter Leute, die ein Autogramm oder ein Foto haben wollen. Das macht natürlich Spaß, weil es ja auch eine Anerkennung für die Leistung und den Sport ist. Viele kennen meinen Namen nicht, aber erinnern sich daran, dass ich der mit der roten Hose bin.

Du hast dir dein Outfit wahrscheinlich auch bewusst gewählt und letztes Jahr mit Frank Buschmann und Jan Köppen auf dem Po noch nachgelegt?

Im ersten Jahr bin ich als "Flash" gestartet, weil ich die Marvel-Filme gerne gucke und mir ein besonderes Outfit überlegen wollte. Aber ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob meine Hose zu eng ist, weil ich beim Triathlon und bei der Leichtathletik früher ja immer enge Hosen getragen habe. Jan und Buschi haben dann ein Riesending daraus gemacht und sich gefragt, wie man so im Fernsehen auftreten kann. Das hat sich natürlich eingeprägt und ich musste bei der roten Hose als Markenzeichen bleiben – und dann noch einen draufsetzen. Die beiden hatten mich auch nicht vorher gesehen, das war schon eine Überraschung im Parcours.

Abschließend ein Blick auf die 6. Staffel: Hast du für alle, die jetzt selbst auf den Geschmack kommen, einen Tipp, wie sie sich beim Casting durchsetzen?

Das werde ich ganz oft gefragt, in der Bewerbungszeit platzt mein Instagram-Postfach. Ich sage den Leuten eigentlich immer das Gleiche: Klar, ihr seid Sportler, aber macht euch bewusst, dass es auch eine Show ist. Ihr müsst natürlich sportlich fit sein, weil ihr etwas erreichen wollt, aber ihr müsst euch gut vermarkten. Denkt daran, dass ihr in der Show irgendwie auffallen solltet und dem Zuschauer einen Grund zum Einschalten liefert. Da muss jeder ein bisschen kreativ sein. Rein sportlich gesehen sind einfach so viele starke Leute am Start. Da geht man in der Masse sonst unter, wenn man im Test beim Casting nicht zu den fünf Besten gehört. Und das ist ganz schön schwierig.

Das Gespräch führte Maike Falkenberg

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige