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Pleite gegen Augsburg deckt Defizite auf

Böses Erwachen beim BVB: "Eigentlich" gut reicht nicht

27.09.2020 17:20
Beim BVB herrschte am Samstag Ernüchterung vor
© kolbert-press/Christian Kolbert via www.imago-imag
Beim BVB herrschte am Samstag Ernüchterung vor

Simples Erfolgsrezept: Der FC Augsburg spielt gegen Borussia Dortmund diszipliniert und körperbetont, das reicht schon, um die deutlich überlegenen Gäste zu besiegen.

Erling Haaland stützte resigniert die Hände in die Hüften, senkte den Kopf und kickte mit dem linken Fuß über die unschuldigen Grashalme. Der Gemütszustand des Norwegers in den Schlussminuten des Spiels beim FC Augsburg war erkennbar der eines Frustrierten, in Worte fasste die Stimmungslage bei Borussia Dortmund nur kurz darauf sein Trainer. "Es ist sehr schwer, diese Niederlage zu akzeptieren", klagte Lucien Favre nach dem ernüchternden 0:2 (0:1) bei den bayerischen Schwaben.

Gerade eine Woche war es her, dass die jungen Offensivkräfte des BVB um den 20 Jahre alten Haaland die Saison mit einem 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach glanzvoll begonnen hatten. Doch die aufkommende Begeisterung ist schon wieder am Abklingen: Zu leicht ließ sich Favres offensive Rasselbande abkochen von den abgezockten Augsburgern. "Wir haben uns darauf beschränkt, die Räume eng zu machen und Borussia Dortmund nicht zur Entfaltung kommen zu lassen", sagte Trainer Heiko Herrlich.

So simpel der Plan, so wirkungsvoll wurde er umgesetzt. Die Mannschaft des früheren Dortmunder Angreifers Herrlich lief 11,4 Kilometer mehr als die Gäste, sie verteidigte geschickt, diszipliniert und körperbetont und raubte dem Gegner dadurch schon früh den letzten Nerv. Dortmund hatte knapp 80 Prozent Ballbesitz, "aber manchmal bringt das nicht viel", sagte Favre mit einem Seufzer und betonte: "Wir müssen mehr Geduld haben gegen solche Mannschaften und mehr über die Seiten spielen."

Die Geduld dürfte auf eine harte Probe gestellt werden, wenn Favres Jünglinge so leicht aus der Fassung zu bringen sind wie von Augsburg. Sie hatten gut begonnen, es gab ein paar schöne Kombinationen zu sehen und "es hätte", behauptete jedenfalls Herrlich, "nach fünf Minuten auch 2:0 stehen können". Dem war aber nicht so, und nach einer halben Stunde, als die flinken Giovanni Reyna (17) und Jude Bellingham (17) erstmals unsanft gestoppt worden waren, war Dortmunds Spielfreude auch dahin.

Augsburg besaß derweil die Geduld, auf die Fehler des BVB zu warten - und nutzte sie dann konsequent aus. Ein "unnötiges" Foul (Favre) von Emre Can an Michael Gregoritsch ermöglichte Daniel Caligiuri einen präzisen Freistoß auf Felix Uduokhai, den dieser mit dem Kopf ins Tor wuchtete (40.): Mats Hummels, Manuel Akanji und Torhüter Roman Bürki sahen dabei nicht gut aus. Der starke Caligiuri schloss dann später einen Konter souverän ab (54.).

"Eigentlich" gut für den BVB nicht gut genug

Manchmal müsse man es eben "aushalten", dass man "nur 20 Prozent Ballbesitz hat", sagte Herrlich mit einem Schmunzeln. Und während er und seine Augsburger den erstmaligen Sprung auf Platz eins der Bundesliga als Momentaufnahme abtaten, wollten die Dortmunder noch immer nicht so recht verstehen, warum sie verloren hatten. "Ich habe das Gefühl", behauptete Hummels, "dass wir eigentlich in vielen Bereichen ein sehr gutes Spiel gemacht haben."

Aber "eigentlich" reicht nicht. Es reichte auch nicht, als Favre in der 60. Minute Marco Reus und Julian Brandt brachte. Es wird erst recht nicht am Mittwoch reichen, wenn der BVB am Mittwoch bei Bayern München um den Supercup spielt (20:30 Uhr). Favre wollte am Samstag zu diesem Spiel erst mal nichts sagen. "Wir sind so enttäuscht, dass wir verloren haben."

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