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Doch noch ein Überraschungscoup?

Hertha BSC fehlt, was Götze bietet

26.09.2020 15:56
Die Zukunft von Mario Götze ist noch immer nicht geklärt
© Noah Wedel via www.imago-images.de
Die Zukunft von Mario Götze ist noch immer nicht geklärt

Hertha BSC strebt nach Höherem - Mario Götze sucht einen Arbeitgeber. Passen der Ex-Weltmeister und der ambitionierte Fußball-Bundesligist womöglich prima zusammen? Ein Transfer des 28-Jährigen wird jedenfalls diskutiert, bestätigt Sportdirektor Arne Friedrich.

Jürgen Klinsmann und Hertha BSC, das ist eine Verbindung, die nach Vorstellung des Fußball-Bundesligisten schnellstmöglich aus den Gedächtnissen verschwinden soll. Eine mit großen Hoffnungen, tiefen Abstürzen und Schlammschlachten verbundene. Eine, die kurz, aber heftig war. Wie eine kurze Liebelei, deren Streit nach der Trennung länger schwelt, als das Paar glücklich war. Allerdings auch eine Verbindung, von der etwas bleibt: Matheus Cunha etwa oder Lucas Tousart - Spieler, die in der Winterpause auf Geheiß von Klinsmann eingekauft worden waren. Es war also nicht alles schlecht - das sagt man doch im Rückblick, wenn der Schmerz vergeht.

Und es bleiben auch die amüsant wirkenden Transfer-Vorschläge, die Klinsmann in seinen 76 Tagen im Amt machte. Mario Götze sollte kommen, Julian Draxler, auch die Namen Emre Can, Mesut Özil und Lukas Podolski machten die Runde. Niemand der deutschen (Ex-)Nationalspieler ist in Berlin gelandet. Noch nicht, muss es nun heißen. Denn Sportdirektor Arne Friedrich sagte bei Dazn: "Er ist natürlich ein Name, mit dem wir uns beschäftigt haben." Wer? Na der aktuell meistdiskutierte Name im deutschen Fußball überhaupt: Mario Götze. Kommt der WM-Held von 2014 also doch noch nach Berlin? Darf sich Klinsmann Monate später bestätigt fühlen?

Ein Ja, gibt es nicht, noch nicht. Man beschäftige sich "eindringlich mit möglichen Neuverpflichtungen", so Friedrich. "Wir verbringen viel Zeit mit der Frage, wer ist dieses fehlende Puzzleteil. Wie gesagt, es kursieren viele Namen, aber lassen sie sich überraschen."

Götze als Motivator für die "Schülermannschaft"?

Nun, Götze ist derzeit arbeitslos, will aber seine Karriere noch nicht beenden. Die Hertha ihrerseits strebt seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst nach Höherem - jajaja, hier kommt das Wort "Big-City-Club" - und bastelt eben noch am Kader. Hat das auch nötig: Dem miesen Aus im DFB-Pokal in der ersten Runde gegen Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig folgte zwar ein lockerer 4:1-Sieg zum Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen. Doch von gutem Fußball war schon zum Auftakt des zweiten Spieltags gegen Eintracht Frankfurt nichts mehr zu sehen - obwohl Trainer Bruno Labbadia dieselbe Startelf auf den Rasen schickte. Das 1:3 offenbarte vor allem in der ersten Halbzeit eine schwache Defensive. Labbadia monierte zudem nach der Partie, dass zu wenige Spieler "die Initiative übernommen haben". Torhüter Alexander Schwolow urteilte knallhart: Sein Team war "fast wie eine Schülermannschaft".

Schüler, die einen erfahrenen Regisseur brauchen? Einen, der der wilden und temporeichen Offensive Struktur gibt. Einen wie Mario Götze, der beim FC Bayern spielte, zweimal bei Borussia Dortmund, der in der Nationalmannschaft eine Hauptrolle gab? Der Anspruch der Berliner ist der europäische Wettbewerb, die Realität auf dem Rasen aber maximal Mittelfeld. In der Bundesliga - nicht in Europa. Für Windhorst, Friedrich und Co. reicht das nicht aus. Mehr Geld gibt's für mehr Spieler - und für mehr Prestige. Denn auch das Reden über den Klub spielt offenbar eine große Rolle. Am besten natürlich soll es dabei um Erfolge gehen.

Erfolge, die will auch Mario Götze. Erfolge gar, die den Hertha-Verantwortlichen süß in den Ohren klingen dürften. Nämlich die ganz großen. Der 28-Jährige will "unbedingt noch die Champions League gewinnen. Ich will meine Karriere nicht beenden, ohne diesen Titel einmal gewonnen zu haben", sagte er der "Bild" vor neun Tagen. Aber mal ehrlich: Hertha BSC und die Champions League? Nein, so schnell wird das nichts. Geht es also nur nach diesem Anspruch, wird Götze niemals in Berlin unterschreiben.

Götze mangelt es an Alternativen

Allerdings ist fraglich, ob der Ex-BVBler wirklich nur nach diesem Traum gehen darf. Strebt er die ganz großen Titel an, müsste er zum FC Bayern zurückkehren, zu Real Madrid oder ähnlichen Kalibern wechseln. Und ersterem erteilte Bayern-Trainer Hansi Flick in dieser Woche eine klare Ansage. "Aktuell ist es für uns kein Thema", hatte er hochkochenden Gerüchten eine Abfuhr erteilt, nachdem bekannt geworden war, dass der Coach und der Spieler telefoniert hatten. "Ich habe öfters mit ihm telefoniert, weil er auch eine schwere Phase durchgemacht hat", erklärte Flick.

Also kein Comeback bei den Münchnern - und auch sonst sieht es auf dem Transfermarkt nicht danach aus, als suchten die ganz Großen ausgerechnet nach einem wie Götze. Laut Sky sind derzeit der FC Sevilla - immerhin Europa-League-Sieger - sowie der FC Valencia an ihm interessiert. Und nun also auch Hertha BSC. Was für die Berliner spricht? Dass Götzes "Sehnsucht nach Fußball" sehr groß ist. Dass Hertha als einer der wenigen Vereine in der Krise das nötige Kleingeld für Einkäufe zur Verfügung hat - Windhorsts Millionen sei Dank.

Und auch, dass Labbadia offenbar ein Trainer ist, der überzeugen kann. "Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Die Art, wie er Fußball spielen will, nämlich schön offensiv, die stimmt total mit meiner überein. Hier in Berlin entwickelt sich was, da will ich ein Teil von sein", sagte Schwolow über die Gründe für seinen Wechsel von Freiburg nach Berlin. Neu-Kapitän Dedryck Boyata lobte: "Bruno Labbadia erinnert mich an Roberto Mancini, vor allem wegen der Übungen und der Arbeitsweise. Er hat sehr viel Fußball-Wissen und viel Erfahrung. Das merkt man ihm an."

Viel Lob für den Trainer also. Labbadia ist demnach einer, der auf die Spieler eingehen kann, sie besser machen kann und will. Das fordert auch Götze: "Ich brauche das Gefühl, dass ich zu dem Verein, dem Trainer und dessen Philosophie passe." Bis zum 5. Oktober ist das Transferfenster noch geöffnet. Bis dahin sollte sich Götze entschieden haben - aber auch die Hertha, was sie mit den verfügbaren Millionen anfängt: "Noch haben wir ein bisschen Zeit, aber wir haben noch ein paar Eisen im Feuer und wir wollen da auf jeden Fall noch weiter Gas geben", sagte Friedrich. Klingt nicht so, als sei das Thema Götze bereits abgehakt.

Anja Rau

© n-tv
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