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Podcast "11 Leben" über die Vereinsikone des FC Bayern

Fall des Spielers und Aufstieg des Managers Uli Hoeneß

24.09.2020 07:51
Uli Hoeneß trat 1979 das Amt des Managers beim FC Bayern an
© FRED JOCH via www.imago-images.de
Uli Hoeneß trat 1979 das Amt des Managers beim FC Bayern an

Im dritten Teil seines Podcasts "11 Leben – Die Welt von Uli Hoeneß" betrachtet Journalist Max-
Jacob Ost einen Uli Hoeneß, der nach all seinen Siegen mit dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft die ersten Niederlagen einstecken muss. Denn
als ob es nicht reicht, dass ihm sein Körper den Fußball kostet, kostet ihm sein Dickkopf auch noch 
fast die Karriere – hätte es da nicht den HSV, den 1. FC Nürnberg und einen gewissen Robert Schwan 
gegeben.

Spätestens nach dem WM-Titel 1974 war Uli Hoeneß nicht nur auf dem Fußballplatz ein Mega-Star - und er kannte seinen Wert, stellt Sportjournalist Max-Jacob Ost in "Kaputt gespielt", der dritten Folge von "11 Leben - Die Welt des Uli Hoeneß", fest.

Über zahlreiche Nebenerwerbe schlug der junge Bayern-Profi immer mehr Kapital aus seiner Person und unterstützte damit die voranschreitende Kommerzialisierung des Sports.

"Lenkt das Geldverdienen nicht vom Fußball ab?", fragt Ost ironisch. Es lenkte ab, und so rutschte der FC Bayern zunächst sportlich und später auch wirtschaftlich in eine Krise.

Doch Hoeneß blieb dem FC Bayern trotz eines lukrativen Angebots von Real Madrid treu: "Ich habe mir alles reiflich überlegt. Mich bindet geschäftlich mehr in München", sagte er damals im Interview. Geschäftlich - schon früh ein Wort, das Hoeneß prägen sollte. Genau wie sein strategisches Kalkül.

Verhältnis zum FC Bayern auf der Kippe

Den Vertrag, den Hoeneß bei Bayern nach zähen Verhandlungen unterschrieb, demonstrierte schon damals seine wirtschaftliche Weitsicht: Sein Gehalt war an die Wettbewerbe gebunden, in denen der Verein spielte.

"Diese Klausel wurde auf meinen Wunsch in den Vertrag genommen", sagte Hoeneß damals im Interview. "Ich wollte demonstrieren, dass ich einen sehr guten Vertrag 1974 bekam. Ich glaube, dass der Verein diesen Vertrag nur eingehen konnte und einhalten kann, wenn er auch hohe Einnahmen hat. Wenn alle Spieler solche Verträge abschließen würden, ginge kein Verein bankrott. Ich habe einen optimalen Vertrag, bei optimalen Einnahmen des Vereins."

Es war eine Demonstration seines Geschäftssinnes, seines Manager-Verstandes - und dennoch wurde das Verhältnis zu "seinem" FC Bayern auf eine harte Probe gestellt.

FC Bayern: Uli Hoeneß spielt mit seiner Gesundheit

Hoeneß war schon früh für seinen Ehrgeiz bekannt. "Der Uli hat ja auch mit seiner Gesundheit gespielt", offenbart sein ehemaliger Mitspieler Bernd Dürnberger in "11 Leben". "Er hat sich oft vor dem Training oder dem Spiel punktieren lassen. […] Wo keiner gedacht hätte, dass er spielen würde, da hat er nach einer Woche wieder in der Mannschaft gespielt." Dieser Ehrgeiz sollte Hoeneß eine erfolgreiche, aber kurze Laufbahn als aktiver Spieler bescheren.


Mehr dazu: Hier gibt's alle Folgen von "11 Leben – Die Welt von Uli Hoeneß"


Im Landesmeister-Cup-Finale gegen Leeds United verletzte sich ein fit-gespritzter Hoeneß schwer am Knie - "es ist diese Verletzung", erzählt Ost im Podcast, "die die Karriere als Fußballer von Uli Hoeneß quasi beenden wird. Vom Schaden in seinem Knie wird er sich nie richtig erholen."

Es sollte nicht die einzige Verletzung bleiben, immer wieder wurde Hoeneß gesundheitlich zurückgeworfen. Als er im EM-Finale 1976 auch noch den entscheidenden Elfmeter verschoss, fing der Bayern-Star an umzudenken, glaubt Max-Jacob Ost. "Auf seinen Körper kann sich Hoeneß nicht mehr bedingungslos verlassen", rekonstruiert der Sportjournalist im Podcast. Hoeneß begann, an die Karriere nach der Karriere zu denken.

Vom Spieler zum Manager des FC Bayern

Denn mit Franz Beckenbauer verließ 1977 auch der langjährige Manager und Bayern-Macher Robert Schwan den Verein. Vor dessen Abgang konnte Hoeneß von ihm aber noch Vieles über das Fußballgeschäft lernen. "Uli war ja ein kluger Kerl", erzählt sein ehemaliger Mitspieler Franz Roth in "11 Leben". "Der hat wahrscheinlich schon mal weitergedacht: 'Wenn jetzt was kommt, dass ich es nicht mehr schaffe, …' Dann hat er bei dem Schwan hineingeschnuppert, wie das läuft mit dem Management."

Die Lücke, die Schwan hinterließ, füllte Hoeneß daher schon während seiner Zeit als aktiver Spieler. Bereits ein Jahr vor seinem Karriereende holte er 1978 Paul Breitner zurück zum FC Bayern. Doch auf dem Fußballplatz passte es mit Hoeneß und den Münchnern nicht mehr: Hoeneß eckte immer wieder mit seinem Trainer an, initiierte seinen Fast-Verkauf zum Hamburger SV und seine Leihe zum 1. FC Nürnberg. Von hier aus schaute er im letzten Jahr seiner aktiven Karriere genüsslich zu, wie der einst so glanzvolle FC Bayern durch sportlichen Misserfolg und eine Rebellion der Mannschaft fast zerbrach.

Als Retter - oder viel mehr "Prellbock", wie er später sagen sollte - kehrte Hoeneß am 1. Mai 1979 nach München zurück. Nach einer "kurzen Karriere, aber vollgestopft mit Titeln" wurde er offiziell Manager des FC Bayern München.

Cedric Schmidt

Im Podcast "11 Leben" wird eine der spannendsten Figuren des deutschen Fußballs porträtiert: Uli Hoeneß. Zu Beginn nicht mehr als eine fixe Idee, gestaltete sich die Umsetzung für Max-Jacob Ost schwieriger als gedacht. Über zwei Jahre hat der Podcaster und Sportjournalist recherchiert, gelesen, telefoniert und Interviews geführt. In akribischer Kleinarbeit ist er in die Vergangenheit eingetaucht, hat sich private wie auch berufliche Erfolge und Niederlagen des gebürtigen Ulmers ganz genau angeschaut. Und sich an der größten aller Herausforderungen versucht: Uli Hoeneß höchstpersönlich für "11 Leben" vor das Mikro zu bekommen. Ob's geklappt hat? Hören Sie rein bei Audio Now.

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