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Tour-Sieger Pogacar gedopt? Experte lässt aufhorchen

23.09.2020 15:53
Diffuser Doping-Verdacht gegen Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar
© Fotoreporter Sirotti Stefano via www.imago-images.
Diffuser Doping-Verdacht gegen Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar

Nach der 107. Tour de France hält sich weiter ein diffuser Doping-Verdacht gegen Gesamtsieger Tadej Pogacar. Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel sieht die historisch starken Leistungen des 22-jährigen Slowenen skeptisch.

"Es gilt allgemein natürlich, dass Pogacar bisher kein Doping nachgewiesen wurde. Aber es ist schon sehr ungewöhnlich, dass jemand in dem Alter solchen Wattzahlen tritt. Das macht einen natürlich stutzig", sagte der Leiter des Instituts für biomedizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg dem Portal "Spox".

Sörgel führte aus: "Eigentlich geht man davon aus, dass man im Radsport ein bisschen Reife braucht, ehe man zu solchen Leistungen fähig ist. Solche Werte sind von Lance Armstrong, Jan Ulrich, Marco Pantani und zuletzt vom Sky Team erreicht worden, wo bekanntlich auch nicht alles einwandfrei zugegangen ist."

Pogacar hatte bei seinem Tagessieg auf der 8. Etappe den Anstieg zum 1569 Meter hoch gelegenen Col de Peyresourde in den Pyrenäen in Rekord-Zeit bewältigt. Er erreichte dabei eine Leistung von 6,5 Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Bessere Werte erzielten in der Tour-Historie nach einer Berechnung des "Spiegel" nur Armstrong (7,0 Watt/kg, 2004) und Pantani (6,8 Watt/kg, 1997 sowie 6,6 Watt/kg, 1998).

"Man sieht in dem Dopingprozess gegen Mark Schmidt, der gerade in München läuft, dass Slowenien da eine gewisse Rolle spielt und man viele Parallelen zu früheren Dopingentwicklungen im Radsport in Deutschland, England oder den USA erkennt. In diesen Ländern war eindeutig das Bestreben dahinter, sich im Radsport zu profilieren, zur Not auch mit unlauteren Mitteln", sagte Sörgel.

Tour de France: "Dopinghistorie" im Umfeld von Tadej Pogacar

In Pogacars Umfeld gebe es zudem "viele Verantwortliche, die eine Dopinghistorie haben", ergänzte der Mediziner. Sörgel bezog sich dabei unter anderem auf Mauro Gianetti, Teamchef von Pogacars UAE Team, und früher verantwortlich beim skandalumwitterten Rennstall Saunier Duval. Pogacars Entdecker Andrej Hauptman, sportlicher Leiter bei UAE, wurde im Jahr 2000 wegen überhöhter Blutwerte und des Verdachts auf Epo-Doping vor dem Start von der Tour ausgeschlossen.

Zuletzt hatte sich unter anderem Deutschlands Radsport-Hoffnung und Tour-Etappensieger Lennard Kämna dem Pauschalverdacht gegen Pogacar entgegengestellt. "Ich glaube auf jeden Fall an den Radsport. Ich weiß, dass ich sauber ganz nach vorn fahren kann, ich weiß das von meinen Teamkollegen. Von daher gehe ich davon aus, dass eine solche Leistung wie die von Tadej Pogacar sauber produziert worden ist", sagte der 24-Jährige dem "Weser-Kurier".

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