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60 Millionen Euro fehlen! DEL-Saisonstart wackelt

22.09.2020 15:50
Nicht nur die DEL-Fans schlagen Alarm
© Sportfoto Zink / Thomas Hahn via www.imago-images.
Nicht nur die DEL-Fans schlagen Alarm

Der Appell des deutschen Eishockeys richtete sich an die Mächtigsten der Mächtigen im Staat. 60 Millionen Euro fehlen - und die Politik soll helfen: Der Berg, vor dem die Deutschen Eishockey Liga (DEL) in den kommenden Tagen steht, ist riesig. Und auch Deutschlands Aushängeschild Leon Draisaitl macht sich Sorgen.

Die vom Coronavirus gerissene Finanzlücke muss schleunigst geschlossen werden, wenn die Liga tatsächlich am 13. November in die neue Saison starten will. Ohne Hilfe von außen würde das Eis bedrohlich dünn. Bis zum 2. Oktober gab sich die DEL auf ihrer Gesellschafterversammlung am Montag in Frankfurt Zeit, um Gelder zu akquirieren oder Kosten zu drücken.

Die Aufgabenliste ist lang und herausfordernd. "Wir müssen mit der Politik darüber sprechen, welche Hilfen kommen", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke: "Die avisierten Sachen müssen irgendwann mal festgezurrt werden." Gelingt das nicht, muss die kommende Spielzeit wohl zum zweiten Mal verschoben werden. Eigentlich hätte es schon am 18. September losgehen sollen.

"Eine Hilfe natürlich, aber eben nur ein Bruchteil"

Mit Hilfen meint Tripcke vor allem die Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung, das jedem der 14 DEL-Vereine theoretisch 800.000 Euro verspricht. Mit der Umsetzung gibt es aber Probleme. Antragssteller dürfen laut einer EU-Richtlinie bis zum 31. Dezember 2019 kein negatives Eigenkapital aufweisen. Diese Bestimmung soll zwar nicht für Kleinunternehmen gelten, doch gerade größere Klubs zählen aufgrund ihres Umsatzes und ihrer Mitarbeiter-Anzahl nicht dazu.

Und das veranschlagte Geld würde womöglich ohnehin nicht genügen. Wolfgang Gastner, Hauptgesellschafter der Nürnberg Ice Tigers, sprach von einem "siebenstelligen Minus", das ihm drohe. Denn aktuell sind auch im Eishockey nur 20 Prozent Zuschauer in den Hallen erlaubt, wenn das Infektionsgeschehen mitspielt. Dies sei auch mit den Mitteln des Konjunkturpakets kaum auszugleichen. "Wenn ich von einem siebenstelligen Betrag Minus rede, dann wären 800.000 Euro nur ein Bruchteil davon", sagte er: "Eine Hilfe natürlich, aber eben nur ein Bruchteil."

Auch Draisaitl sorgt sich

Nationalspieler Draisaitl, der in der Nacht zu Dienstag als bester Spieler der Hauptrunde in der nordamerikanischen NHL ausgezeichnet wurde, zeigte sich nachdenklich angesichts der Lage in seiner Heimat. "Ich glaube, das deutsche Eishockey braucht einfach enorme Hilfe. Das haben sie sich verdient", sagte er am Dienstag. Die fehlenden Beträge seien seiner Meinung nach nicht einfach zu kompensieren, weil Eishockey in Deutschland nicht gerade die größten finanziellen Möglichkeiten habe.

Für die Klubs heißt es jetzt, telefonieren, Mails schreiben, für das Eishockey bei der Politik werben. Während sich die DEL auf Bundesebene bemühen soll, wird Gastner mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder zeitnah das Gespräch suchen, der bekanntlich aus Nürnberg stammt. "Es ist meine Hoffnung, dass er versteht, dass er den einzigen Erstligisten im Profisport aus seiner Heimat nicht sterben lassen darf", so Gastner. Neben Geldern aus der Politik könnte der DEL auch eine Perspektive in Sachen Erhöhung der zugelassenen Besucher helfen.

Die unzureichende Kostendeckung aufgrund der geringen Maximalkapazität sorgt bei den Vereinen derzeit noch für reichlich Verunsicherung. "Wir können nicht bei Nebel und 200 km/h auf der Autobahn ohne Scheinwerfer fahren", sagte Gastner. Auch Jürgen Arnold, der Aufsichtsratsvorsitzende der Liga, befand, es brauche "verlässliche Planungen, wenn wir die Saison starten wollen." Und die müssen schnell kommen, denn in den Vereinen laufen die Kosten weiter. Für jedes der Teams, das bekräftigte derweil Tripcke inständig, habe ein erfolgreicher Saisonstart am 13. November "absolute Priorität". Der Weg dorthin aber ist noch lang.

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